Der Angeklagte Ralf H. (hier ein Archivbild aus dem Prozess) wurde des Mordes für schuldig befunden. Er hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert. © picture alliance/dpa
Meinung

Mord-Urteil im Schalla-Fall: Warum es keinen vernünftigen Zweifel geben kann

Der mutmaßliche Mörder von Nicole-Denise Schalla ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das einzig mögliche Urteil, meint unser Autor, der den Prozess begleitet hat. Ein Kommentar.

Nun also doch. Ralf H. ist aus Sicht des Dortmunder Schwurgerichts der Mörder von Nicole-Denise Schalla und wurde deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt. Kurz und knapp haben die Richter ihre Entscheidung begründet. Und keiner, der den Prozess vom ersten Tag an verfolgt hat, wird sich über das Urteil gewundert haben.

DNA und Vorstrafen

Ralf H. war zur Tatzeit ein Gewalttäter. Einer, der nachts durch die Straßen zog, um Frauen hinterrücks anzugreifen und ihnen die Luft abzudrücken. Das belegen seine vielen Vorstrafen. Und die gewaltsame Tötung von Nicole-Denise Schalla passt exakt in diese Reihe.

Das alleine hätte natürlich niemals für eine Verurteilung ausgereicht. Und auch die beiden DNA-Spuren, die an der unbekleideten Leiche gesichert und erst 2018 nach neuesten Analysemethoden ausgewertet werden konnten, hätten für sich genommen nur ein kleines Indiz dargestellt. Beides zusammen aber lässt keinen anderen Schluss zu als diesen: Ralf H. ist der Täter.

Viele Indizien

Einer der eisernen Grundsätze im Strafverfahren lautet: „Im Zweifel für den Angeklagten.“ An den hat Verteidiger Udo Vetter vor allem die Schöffen noch einmal in seinem Plädoyer erinnert. „Wenn sie diesen Grundsatz außer Acht lassen, ist der Rechtsstaat tot“, hat er gesagt.

Der Zweifelsgrundsatz bedeutet aber nicht, dass man alles, was theoretisch denkbar ist, auch wirklich glauben muss. Dann nämlich könnte man so gut wie niemanden mehr verurteilen. Natürlich kann die DNA des Angeklagten auch auf anderem Weg als einen direkten Kontakt an die Leiche gelangt sein.

Abstruse Theorien

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass sich eine 16-jährige Jugendliche kurz bevor sie getötet wird, zwei Hautschuppen eines ihr völlig unbekannten Mannes, den sie vielleicht gerade im Bus angerempelt hat, in den Schambereich reibt? Und dann auch noch zufällig die DNA eines justizbekannten Gewalttäters? Die Antwort dürfte auf der Hand liegen: absolut unwahrscheinlich.

Und nur darum geht es beim Zweifelsgrundsatz. Nur vernünftige Zweifel dürfen dazu führen, den Verdächtigen freizusprechen. Abstruse Theorien taugen dafür nicht.

Auch Unverständnis

Der Urteilstag hätte also ein Tag des inneren Friedens für die Eltern von Nicole-Denise Schalla werden können. Dafür hätten die Richter Ralf H. aber nicht trotz der Verurteilung zu lebenslanger Haft erst einmal in Freiheit belassen dürfen.

Für diese Entscheidung mag es aus Sicht von Juristen viele gute Gründe geben. Doch die Vorstellung, dass ein verurteilter Mörder weiterhin frei herumlaufen darf, sorgt nicht nur bei den Hinterblieben für Unverständnis.

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