Misstrauen, Angst und Besorgnis prägen die Lage an der Langen Straße 107

dzProblem-Hochhaus

Rund um das Hochhaus Lange Straße 107 gibt es seit langer Zeit eine Mischung aus Misstrauen, Angst und Besorgnis. Die Corona-Testung dort passte dabei ins Bild. Das hat aber auch Brüche.

Habinghorst

, 05.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Hochhaus an der Langen Straße 107 steht nicht erst jetzt im Blickpunkt vieler Klagen von Anwohnern und Kunden der Langen Straße. Dass dort im Zuge massiver Corona-Fälle in zwei Gebäuden an der Wittener Straße am Wochenende sämtliche 150 Bewohner des Hochhauses ebenfalls auf das Virus untersucht worden sind, ist für viele Mahner Wasser auf deren Mühlen.

Da hilft es auch nichts, wenn Bürgermeister Rajko Kravanja verkünden konnte, dass von den 150 untersuchten Menschen in Habinghorst nur einer positiv auf das Virus getestet worden ist. Das liegt an vielen Vorbehalten, die die Bewohner des Hauses ausgelöst haben.

Gerüchte um Transporter und Spuck-Attacken

Immer wieder hat es in den letzten Jahren Gerüchte um die diversen Mini-Transporter gegeben, die an der Lange Straße gehäuft auftauchen. Immer wieder hat es Vorwürfe gegeben, dass die Bewohner auch jetzt in Zeiten der Corona-Krise nichts aufs Abstand-Halten geben würden und dass es Vorfälle gegeben hat, bei denen Menschen angespuckt worden sind.

Wirklich Vertrauen erweckend sieht das Gebäude an der Ecke Lange Straße und Nordstraße weiterhin nicht aus.

Wirklich Vertrauen erweckend sieht das Gebäude an der Ecke Lange Straße und Nordstraße weiterhin nicht aus. © Thomas Schroeter

Nicht umsonst, so merkte jetzt Rajko Kravanja an, mache der Fall aber „deutlich, dass es nur bedingt um Corona in der Diskussion ging. Eigentlich ging ein Großteil der Diskussion doch um Zuwanderung aus Osteuropa“.

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Die Corona-Sache könne da keinen Ausschlag geben: „Ich mache jede Wette, dass wenn wir irgendein Haus mit 150 Menschen komplett testen würden, würden wir auch hier einen Fall finden (...)“, schrieb er auf Facebook. Daher bittet der Bürgermeister alle, „die in den letzten beiden Tagen schon den Untergang des Abendlandes gesehen haben, in Zukunft zu überlegen, was sie schreiben.“

Die Transporter sind omnipräsent

Am Montag nach der Testung ist an der Langen Straße von Nachwehen wenig zu merken. Die Gegend um das Hochhaus ist relativ leer, nur die üblichen Transporter auf der Nordstraße und hinter dem Hauskomplex belegen, dass viele Menschen im Haus sein müssen.

„Es ist heute tatsächlich recht ruhig“, erzählt uns Lisa Wolske vom gleichnamigen Elektrohandel, der an der Langen Straße genau gegenüber vom Hochhaus beheimatet ist. Die junge Frau weiß um die Probleme mit dem Haus und seinen Bewohnern. „Viele Menschen hier fühlen sich unwohl, das höre ich auch immer wieder von Kunden“, so Lisa Wolske.

Lisa Wolske vom gleichnamigen Elektroladen, der genau gegenüber vom Problemhauses an der Langen Straße liegt.

Lisa Wolske vom gleichnamigen Elektroladen, der genau gegenüber vom Problemhauses an der Langen Straße liegt. © Thomas Schroeter

Sie selbst habe zwar keine Angst oder so etwas, die Lange Straße habe aber unter dem Ruf, den das Umfeld des Hauses habe, noch weiter gelitten. „Und man fragt sich schon, was das mit all den Transportern auf sich hat und wundert sich, wenn man in einem geöffneten Transporter zig Fahrräder sieht“, sagt die junge Habinghorsterin.

Die Probleme, die viele Anwohner und Kunden in den Menschen aus dem Hochhaus sehen, kennt auch Renate Schumacher. Sie betreibt seit 27 Jahren den Lottoladen mit Poststelle schräg gegenüber an der Langen Straße 90, der so etwas wie das Kommunikationszentrum der Straße ist.

Renate Schumacher betreibt die Lotto- und Postannahmestelle an der Langen Straße 90 und hatte bis heute keine Probleme mit den Nachbarn aus der 107.

Renate Schumacher betreibt die Lotto- und Postannahmestelle an der Langen Straße 90 und hatte bis heute keine Probleme mit den Nachbarn aus der 107. © Thomas Schroeter

„Ich höre ja viel über diese Menschen, das ist klar, aber ich selbst kann mich da überhaupt nicht beklagen“, erzählt die Geschäftsfrau. Dabei habe sie regelmäßig mit den Bewohnern zu tun: „Die überweisen bei mir ihr Geld an Angehörige in ihren Heimatländern, die holen sich hier Pakete ab, die bezahlen hier ihre Strafmandate, die sie bekommen haben.“

Ärger habe es dabei noch nie gegeben. „Manche Kunden finden, dass es von den Leuten aus dem Haus respektlos sei, im Bademantel oder so hier oder im Penny einkaufen zu gehen. Da prallen Kulturen aufeinander, das ist so“, sagt Renate Schumacher.

Ärgerlich über das Ordnungsamt

Sie selbst ärgere sich aber mehr über einen neuen Vermieter nebenan, der seinen Wagen Tag und Nacht vor ihrem Geschäft parke. „Darüber habe ich mich schließlich beim Ordnungsamt beschwert. Das aber nutzt gar nichts“, so die Habinghorsterin. Und damit wiederholt sie auch einen Eindruck, den man immer wieder von Beobachtern der Szenerie hört.

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