Mieses Image einer Branche: Klaudia Ledda, ihre Firma und das Ringen nach Azubis

dzGebäudereiniger

Klos putzen, wenig Geld, keine Likes auf Instagram - viele Berufe fallen bei Jugendlichen gnadenlos durch. Ganz schwer hat es die Branche von Klaudia Ledda. Probleme und Lösungsansätze.

Castrop-Rauxel

, 01.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Friseurinnen sind unter ihren Freundinnen beliebt, Kfz-Mechatroniker wissen, wie sie ihren Flitzer am besten pimpen können; und Verkäuferinnen kennen sich genau aus mit den neuesten Styles und Trends. Diese Berufe haben Sex-Appeal und sind gerade deswegen bei der Jugend begehrt. Doch nicht jeder Job kann da mithalten. Viele werden von jungen Castrop-Rauxelern eiskalt links liegen gelassen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Klaudia Ledda kennt dieses Problem.

Die Castrop-Rauxelerin ist Inhaberin von Klaudia Ledda Gebäudereinigung, einem fast 50 Mitarbeiter starken Betrieb. Sie hatte schon mehr Mitarbeiter, doch nun bleibt der Nachwuchs aus. Der Grund? „Der Job ist nicht sexy, die Gesellschaft hat Vorurteile: Man putzt Klos, muss dafür nichts können und wird schlecht bezahlt.“ Doch all das, sagt Ledda, seien Vorurteile. Die Realität sehe anders aus.

„Was wir anbieten, ist eine dreijährige Gesellenausbildung zum Gebäudereiniger - und dazu gehört mehr als Flure zu fegen“, sagt Ledda. Angehende Gebäudereiniger erlernen die Eigenschaften bestimmter Materialien, müssen Bauzeichnungen verstehen und werden Experten für Glas-, Sonder- und Bauabschlussreinigung. Verdienst nach Abschluss der Ausbildung: bis zu 1700 Euro netto.

Vom Ingenieur zur Selbstständigkeit

Was noch für den Job spricht: „Egal ob Hauptabschluss oder Bachelor, jeder mit Interesse hat genügend Möglichkeiten, zu wachsen. Ob das ein ‚Ingenieur‘ vor dem Namen ist oder die Selbstständigkeit“, sagt Klaudia Ledda. Besonders interessant: „Die Arbeitszeiten sind flexibel, es geht auch Teilzeit.“

Ledda hat vor zehn Jahren als Ein-Frau-Unternehmen begonnen, als Ich-AG. Sie ist Krankenschwester, doch private Gründe führten dazu, dass sie sich für einen neuen Beruf entschied. „Vom Hintern abputzen habe ich mich an die Glasscheiben gewagt“, witzelt sie. Heute bekommt Klaudia Ledda mehr Anfragen von Kunden, als sie bedienen kann. „Wenn ich könnte, würde ich zwei gelernte Gebäudereiniger und noch einmal vier Reinigungskräfte einstellen“, so Ledda.

Das Alles-oder-nichts-Prinzip

Stefan Bunse von der Agentur für Arbeit weiß, was dahinter steckt. „Es mangelt an Flexibilität“, sagt er. Viele Jugendliche wollen alles - oder nichts. Haben sie keine Chance auf ihren Traumberuf, melden sie sich wieder bei der Agentur - ein Grund, warum sich die Arbeitslosenzahl Jugendlicher unter 25 Jahren von April auf Mai 2019 nicht verändert hat. In der Jahresbilanz sieht das anders aus: ein Fünftel weniger Menschen unter 25 Jahren sind arbeitslos als vor einem Jahr.

Bunse wünscht sich, dass sich Jugendliche offener zeigen. „Wenn sie ihren Traumjob wirklich wollen, sollten sie regional suchen. Und wenn das nicht klappt, heißt das nicht, dass die Alternativen auf dem Arbeitsmarkt nicht auch zum Traumjob werden können.“

„Traut euch“, sagt Klaudia Ledda - und ärgert sich über das soziale Umfeld, das Gebäudereiniger als „Menschen 2. Klasse abstempelt. Wir hatten gute Auszubildende, die von Familie und Freunden so veralbert wurden, dass ihnen die Motivation genommen wurde“, so Ledda.

Mieses Image einer Branche: Klaudia Ledda, ihre Firma und das Ringen nach Azubis

Diese Arbeitsschuhe hat Klaudia Ledda für ihre Mitarbeiter angeschafft. Sie sind teurer, aber dafür auch stylisher als der Standardschuh in diesem Gewerbe. © Ledda

Dabei kann der Arbeitsalltag eines Gebäudereinigers durchaus Instagram-tauglich sein. Für ihre Mitarbeiter hat Ledda coolere Arbeitsschuhe im „Chucks“-Stil bestellt. „Und ab und zu muss sich ein Gebäudereiniger fürs Fensterputzen auch an einer Hauswand abseilen“, so Ledda. Das kann eine Friseurin sicher nicht von sich behaupten.

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