Micky Beisenherz entschuldigt sich im Nachhinein für seinen Auftritt in der WDR-Talkshow "Die letzte Instanz". Die Sendung hatte im Internet einen Shitstorm ausgelöst. © WDR
Skandal-Talk

Micky Beisenherz entschuldigt sich nach Shitstorm für TV-Auftritt

Zigeunersauce oder Paprikasauce Ungarische Art? Ein WDR-Talk über Alltagsrassismus sorgt für Ärger im Netz. Micky Beisenherz entschuldigt sich sogar für seine Teilnahme an der TV-Show.

Die Bezeichnung “Zigeunersauce” gilt mittlerweile als rassistisch und nicht mehr zeitgemäß, denn im Dritten Reich wurden Sinti und Roma abwertend als “Zigeuner” bezeichnet. Seit 2013 fordert der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma daher die Hersteller von Tomatensoßen dazu auf, “Zigeunersaucen” in ihren Sortimenten umzubenennen.

2020 hat nun der Lebensmittelhersteller Knorr reagiert und will künftig seine ehemals als “Zigeunersauce” vermarkteten Produkte als “Paprikasauce Ungarische Art” in die Supermarktregale bringen.

Meinungen über Sinn und Unsinn solcher Bereinigungen des Alltagssprachgebrauchs wurden am Samstagabend bei der WDR-Talkshow „Die letzte Instanz“ diskutiert. Moderator Steffen Hallaschka hatte dazu vier Prominente Gäste ins Kölner Studio eingeladen.

Aussagen der Talk-Gäste schockierten Zuschauer

Neben Ballermann-Sänger Jürgen Milski, Moderatoren-Legende Thomas Gottschalk und der Schauspielerin Janine Kunze gesellte sich auch Castrop-Rauxels bekanntester Promi, der Comedian und Autor Micky Beisenherz, zur Diskussionsrunde.

Das, was die Talkgäste in der Sendung zu sagen hatten, schockierte Zuschauer. So erzählte Thomas Gottschalk beispielsweise, dass er die Diskriminierung, denen farbige Menschen ausgesetzt seien, nachvollziehen könne, weil er sich für eine Party einmal als Jimi Hendrix verkleidet hätte. Im Anschluss im Social Media machten viele Zuschauer ihrer Meinung über das Gesehene und Gehörte Luft.

Der Tenor des Shitstorms: Unter den Gästen sei niemand gewesen, der direkt von Alltagsrassismus betroffen sei. Zudem hätten die Teilnehmer des Talks fast durchweg Aussagen getätigt, die mehrfach die Grenze der Peinlichkeit überschritten hätten oder rassistisch gewesen seien.

Castrop-Rauxeler distanziert sich

Auch Micky Beisenherz ist das Mitwirken bei der Sendung im Nachhinein offenbar unangenehm.

Auf Twitter sowie im Podcast “Apokalypse und Filterkaffee” formulierte Beisenherz am Montag (1.2.) : “Eine Sendung, in der vier Kartoffeln sitzen und mittels Karten über Rassismus abstimmen hat ein Problem. Und auch meine Rolle in der Show war keine gute. Ich habe die Kritik aufmerksam gelesen und finde sie auch berechtigt. Ganz klar mein Fehler. Sorry”

Auf Instagram ruderte Janine Kunze ebenso kräftig zurück. Sie schrieb unter anderem in einem aktuellen Posting dort: „Ich habe den ganzen Tag darüber nachgedacht, die richtigen Worte zu finden in Bezug auf das, was ich in der Sendung gesagt habe und wie sich diejenigen fühlen, die ich damit verletzt habe.

Es tut mir unendlich leid und ich habe festgestellt, dass ich nicht ausreichend aufgeklärt bin. Mir ist klar geworden, dass ich Menschen, insbesondere die der Sinti und Roma Community, mit meinen unbedachten Äußerungen zutiefst verletzt, als auch diskriminiert habe und dafür möchte ich mich nochmals aufrichtig entschuldigen.“

WDR sieht sich zurecht kritisiert

Der WDR hat mittlerweile ebenfalls auf die Kritik an der Sendung reagiert und den Mediathek-Eintrag mit einem Hinweis versehen: „Die nachfolgende Sendung steht aktuell unter starker Kritik – und das zurecht. In der ‚letzten Instanz‘ sollen kontroverse Themen auf unterhaltsamer Weise diskutiert werden, und dabei darf natürlich jeder Gast seine Meinung äußern. Aber rückblickend ist uns klar: Bei so einem sensiblen Thema hätten unbedingt auch Menschen mit diskutieren sollen, die andere Perspektiven mitbringen und / oder direkt davon betroffen sind. Wir lernen daraus und werden das besser machen. Der Kritik an der Sendung müssen und wollen wir uns stellen und haben daher entschieden, diese aus Transparenzgründen in der Mediathek zu belassen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Fabian Paffendorf, Jahrgang 1978, kam 2003 zum Journalismus. Ursprünglich als Berichterstatter im Bereich Film und Fernsehen unterwegs, drehte er kleinere Dokumentationen und Making-Of-Berichte für DVD-Firmen. In diesem Zusammenhang erschienen seine Kritiken, Interviews und Berichte in verschiedenen Fachmagazinen und bei Online-Filmseiten. Seit 2004 ist der gebürtige Sauerländer im Lokaljournalismus unterwegs. Für die Ruhr Nachrichten schreibt er seit Herbst 2013.
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