Meisenhof-Insasse beleidigt Betreuer mit volksverhetzenden Titulierungen

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Ein 43-Jähriger soll zwei Mitarbeiter des Meisenhofes mit wüsten Beschimpfungen bedacht und rechtsextreme Begriffe verwendet haben. Auf einer Postkarte. Nun stand er dafür vor Gericht.

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, 16.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ratte“, „White Nigger“ und „Widerlicher Demokrat“. Diese Titulierungen auf einer Postkarte wurden mit „Volkstreuen Grüßen“ zu Jahresbeginn abgesandt. An zwei Mitarbeiter in der Justizvollzugsanstalt in Castrop-Rauxel, dem Meisenhof.

Jetzt saß der Absender auf der Anklagebank und will es nicht gewesen sein.

Erst wollte sich der 43-Jährige zu den Vorkommnissen in der JVA gar nicht äußern, dann redete er doch. Und schimpfte über die Behandlung, schreckte dabei vor Kraftausdrücken nicht zurück.

Wut richtete sich gegen einen der Betreuer

Seine Wut richtete sich speziell gegen einen Betreuer in der JVA. Dessen Zurechtweisung, dass er mit der Bezeichnung „Bulle“ die Polizei beleidige, hatte ihn in Rage gebracht. Der Betreuer habe ihn wegen dieser Bemerkung zugequatscht, so lange, bis er den Raum, in dem er eigentlich eine Erlaubnis für eine auswärtige Arbeit beantragen wollte, wütend verlassen habe.

Eine Zusammenkunft, anberaumt im Meisenhof zur Klärung der Sache, ging daneben, brachte keine Entschuldigung, keine Übereinkunft. Der Angeklagte bekam einen neuen Betreuer.

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Nach seiner Entlassung trafen E-Mails in der JVA an der Lerchenstraße ein. Darin erfragte der Angeklagte die privaten Adressen des Ex-Betreuers sowie einer Psychologin. Und soll dabei nicht mit volksverhetzenden Begrifflichkeiten gespart haben.

Schrift stammte nicht vom Angeklagten

Wie auf der Postkarte, die an Meisenhof-Mitarbeiter ging. „Ich war sprachlos“, sagte ein 47-jähriger JVA-Bediensteter auf Nachfrage vor Gericht, wie er auf die Beleidigungen reagiert habe. „Die Schrift auf der Karte“, so sagte er aber auch aus, „gehört nicht zum Angeklagten.“ Dennoch konnte er sie zuordnen. Nämlich der Ehefrau des Angeklagten, deren Schrift er von der Post, die sie ihrem Mann in die JVA gesandt habe, kenne. Die Unterschrift ordnete er dagegen dem Angeklagten zu.

Die Verlesung der langen Vorstrafenliste, 27 an der Zahl, zeigte auf, dass der 43-Jährige Angeklagte neben etlichen anderen Delikten auch mehrfach einschlägig vorbestraft ist. Wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, so die korrekte Formulierung.

Sechs Monate Haftstrafe wegen Beleidigung

Letztendlich war es für den Strafrichter bei seiner Urteilsfindung gar nicht ausschlaggebend, ob der Angeklagte die umstrittene Postkarte selbst geschrieben oder er damit seine Frau beauftragt hatte.

„Die Karte zeugt von Täterwissen“, sagte der Richter. Außerdem seien der Stress in der JVA und die zitierten E-Mails eindeutig dokumentiert. Das reiche aus für sein Urteil: Sechs Monate Haftstrafe wegen Beleidigung, und die ohne Bewährung. Der Angeklagte kündigte an, in die Berufung zu gehen.

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