Besonnen beseitigt: Ein angemessenes Ende der Totenkopf-Affäre

dzMeinung

Von Versagen der Behörde war die Rede, von Skandal im Ordnungsamt. Die Totenkopf-Affäre hat großen Wirbel erzeugt. Der besonnene Umgang damit aber war die bessere Methode als der Holzhammer.

Castrop-Rauxel

, 03.11.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mann in Uniform trägt einen Totenkopf auf der stichsicheren Weste. Er erinnert an das Logo aus der Netflix-Serie „Punisher“. Ein Kollege von ihm trägt einen spartanischen Krieger unterhalb des Stadtwappens mit dem Spruch „With your shield or on it“.

Beide sind unterwegs auf den Straßen von Castrop-Rauxel, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Um behutsam, aber doch deutlich gegen kleine und mittlere Verstöße gegen gesellschaftliche Regeln vorzugehen.

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Der Nachdruck und die Verbindlichkeit ihres Auftretens wird unterstrichen durch das, was sie am Gürtel tragen: einen Teleskop-Schlagstock, ein Gerät, mit dem man Tränengas versprühen kann (und das von Ferne aussieht wie eine Pistole), Pfefferspray. Außerdem haben sie eine Weste an, die mögliche Messerangriffe abwehren kann.

Passen Punisher oder eine Krieger-Symbolik dazu?

Mal ein Gedankenspiel: Stellen wir uns vor, es wäre kein Totenkopf gewesen und kein Krieger, sondern ein Schalke-Emblem, ein frech-dreister Bart Simpson, ein Krümelmonster. Ein S04 würde vielleicht Sympathie-Bekundungen auslösen, bei manch einem BVB-Fan vielleicht aber sogar das Gegenteil, von ironischen Beileidsbekundungen bis hin zu einer offenen Aggression. Bart Simpson ist für so manchen Streich berüchtigt. Krümelmonster ist einfach nur auf Kekse fixiert.

Ernsthaftes Amt

Alle drei Beispiele werden der Ernsthaftigkeit des Amtes nicht gerecht, das die Männer ausüben. Sie sind Ordnungshüter. Sie dürfen freundlich und nett sein. Aber was vor allem zählt, ist Verbindlichkeit und Deutlichkeit. Sie sind nicht zum Spaß unterwegs.

Wenn die Symbolik finster wird, dann hört der Spaß noch schneller auf. Wer nach dem Totenkopf oder dem Spruch des Krieger-Symbols googelt, findet Hinweise zu rechtsextremen Gruppierungen, die sich dieser Symbolik ebenfalls bedienen.

Den Mitarbeitern oder gar ihren Vorgesetzten aus dieser Affäre einen Strick zu drehen, wäre zu viel des Guten. Sie haben eingesehen, dass sie einen Fehler gemacht haben. Schaden haben sie aber niemandem zugefügt: Nicht einzelnen Bürgern, auch nicht nachhaltig ihrem Amt oder der Behörde selbst.

Rasant gewachsen

Die Affäre war eine kleine Episode: Zwölf Mitarbeiter hat der Kommunale Ordnungsdienst in Uniform heute. Zuletzt wuchs er stark. Vor zwei Jahren waren noch zwei Männer als KOD unterwegs. Die Corona-Krise hat den ohnehin geplanten Stellenaufbau rasant beschleunigt. Die Aufgabe, die Bediensteten und ihre Einsätze zu steuern, ist damit auch erheblich gewachsen.

Die Träger bedauern den Fehler. Der Bereich Ordnungswesen hat aus diesem Kapitel gelernt: Private Abzeichen auf der Dienstkleidung werden verboten. Das ist die einzig logische und richtige Konsequenz. Ausreichend ist sie auch.

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