Immer mehr Eltern lassen Kinder allein im Schwimmbecken - Wie ist das in Castrop-Rauxel?

dzAufsichtspflicht

Das Freibad in Heiligenhaus schlug kürzlich Alarm. Immer mehr Eltern lassen ihre Kinder ohne Aufsicht schwimmen. Es droht das Ertrinken. Wie ist die Situation im Parkbad Nord?

Castrop-Rauxel

, 13.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sommerzeit ist Freibadzeit. Gerade in dieser sehr warmen Saison freuen sich die Bäderbetriebe im ganzen Land über Besucherrekorde.

Ende Juli jedoch machte das Heljensbad Heiligenhaus mit einem Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook andere Schlagzeilen. So sehr man sich über die tollen Besucherzahlen und das friedliche Verhalten der Gäste im Freibad freue, müsse man leider mit Erschrecken feststellen, dass immer mehr Eltern mit Kleinkindern ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen, hieß es.

Sieben Kinder ohne Aufsicht an einem Tag

Trauriger Höhepunkt der Entwicklung sei der 25. Juli gewesen, an dem die Schwimmmeister sieben Nichtschwimmer unter fünf Jahren in den Becken des Schwimmbades aufgriffen. In einem Fall habe man ein vierjähriges Kind 40 Minuten in Obhut nehmen müssen. Nicht einmal vermisst worden sei das Kind.

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Alarmierend, wenn man bedenkt, dass ein Kind im Wasser innerhalb von 10 Sekunden in Schockstarre verfallen und ertrinken könne.

Schwimmmeister im Parkbad Nord sind gelassen

Besucherrekorde bricht 2019 auch das Parkbad Nord in Castrop-Rauxel. Gibt es hier ähnliche Probleme wie in Heiligenhause? „Nein“, so die klare Aussage von Heinz-Robert Schäfer (54), Schwimmmeister im städtischen Parkbad Nord.

Allerding komme es auch in Castrop-Rauxel vor, dass Kinder unbeaufsichtigt im Schwimmbecken aufgefunden würden. „Zweimal haben wir Kinder rausgeholt“, so Schäfer zur bisherigen Saisonbilanz. Er schränkt allerdings ein: „Wir springen lieber einmal mehr ins Wasser, als zu wenig.“ Will heißen, ob die Situation wirklich lebensbedrohlich geworden wäre, lässt sich nicht abschließend sagen. Dennoch: „Wir haben uns natürlich geärgert, dass die Eltern hier nicht dabei waren.“

Elternaufsicht ist Pflicht

Bei allen Pflichten der Badeaufsichten verweist Schäfer auf die Pflicht der Eltern, die eigenen Kinder im Blick zu behalten. Als Hinweis darauf gebe es sogar Schilder sowohl am Baby- als auch am Kinderbecken.

Etwa vier bis fünf mal pro Saison müssten hinsichtlich der Elternaufsicht Durchsagen gemacht werden. Ab und an komme es vor, dass Kinder sich verirren und nicht mehr wissen, wo ihre Eltern sind. Wenn Kinder alleine aufgefunden werden oder sich hilfesuchend an die Bademeister wenden, würden Durchsagen gemacht. In der Regel seien die Eltern auch schnell da.

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Der Schwimmmeister appelliert aber auch an die Eltern, mit den Kindern im Nichtschwimmerbecken zu bleiben und die Kinder mit Schwimmflügeln auszustatten. Die können sich Eltern auch bei der Badeaufsicht leihen.

Vier Badeverbote in der laufenden Saison

Auch von vermehrter Gewaltbereitschaft der Badegäste kann Schäfer nicht berichten. Nur vier Badeverbote habe man in der gesamten bisherigen Saison aussprechen müssen.

Zum Vergleich: Allein im Juni kamen 29.000 Menschen ins Parkbad Nord. Eine Rekordzahl und fast ein Drittel der Besucherzahlen im kompletten Freibadjahr 2018. Damals kamen zwischen dem 19. Mai und dem 16. September 95.233 Menschen an die Kasse.

Dank geht an die Gäste

„Insofern geht hier ein Dank auch an unsere Gäste“, sagt Schäfer. „Wenn wir hier ein Problem hätten, könnten wir soetwas wie das Nachtschwimmen gar nicht machen.“

Die Idee zum Nachtschwimmen kam 2018 vom Bäderteam der Stadtverwaltung und wird durch die Mitarbeiter in Eigenregie umgesetzt. Mit Unterstützung von DLRG, THW und Ordnungsamt.

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