„Massives Amselsterben“ durch Tropenvirus: Bürger sollen kranke und tote Vögel melden

dzUsutu

„Das massive Amselsterben des Sommers 2018 wiederholt sich“, meinen Naturschützer. Auch in diesem Jahr sterben Vögel durch das tropische Usutu-Virus. Ein lokaler Experte ist gelassener.

Castrop-Rauxel

, 26.08.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Naturschutzbund NABU und Tropenmediziner bitten die Bevölkerung, kranke oder verendete Amseln in diesen Tagen zu melden und möglichst zur Untersuchung einzusenden. Seit Jahresbeginn bis zum 12. August wurden dem NABU für Nordrhein-Westfalen 199 Verdachtsfälle des tropischen Usutu-Virus’ gemeldet, die 319 tote und 231 kranke Vögel betrafen.

Deutschlandweit wurden über 1.300 Verdachtsfälle mit mehr als 2.500 kranken oder toten Vögeln gemeldet. Beim bisher stärksten Auftreten der Usutu-Epidemie im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum lediglich 800 Meldungen.

Virus wird von Stechmücken auf Vögel übertragen

Seit dem erstmaligen Auftreten dieses Vogelsterbens im Jahr 2011 breitet sich das von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend in Deutschland aus. Waren in den ersten Jahren nur wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen, wurde seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden festgestellt.

Den Höhepunkt des Vogelsterbens erwarten Vogelkundler und Virologen in den kommenden Wochen, denn die meisten Usutu-Fälle treten im August und September auf. Im Jahr 2018 entfielen 93 Prozent der insgesamt fast 13.500 Meldungen auf diese beiden Monate.

„Massives Amselsterben“ durch Tropenvirus: Bürger sollen kranke und tote Vögel melden

© Jutta Böhm-Wacker

„Der trocken-heiße Sommer 2018 war offensichtlich günstig für die Ausbreitung des wärmebedürftigen Usutu-Virus, auch wenn die Zahl der Mücken als potentielle Überträger aufgrund der Trockenheit allgemein eher gering war“, so Dr. Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. 2019 sei genauso heiß, dabei aber deutlich feuchter und mückenreicher als das Vorjahr. Lühken: „Daher könnte die diesjährige Usutu-Saison noch stärker ausfallen.“

Alle im Labor eingesandten toten Vögel werden neben dem Usutu- auch auf das West-Nil-Virus getestet, das im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland in Vögeln und Pferden nachgewiesen wurde. „Beide Viren können in seltenen Fällen auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen“, so Lühken.

„Usutu-Infektionen kann man weder verhindern noch behandeln“

Niels Ribbrock von der Biologischen Station im Kreis Recklinghausen beruhigt aber gleichzeitig: „Der Amselbestand wird in NRW auf rund eine Million geschätzt.“ Da seien die bislang gemeldeten 550 kranke oder tote Tiere eine „verschwindend geringe Anzahl“. Auf der anderen Seite sei die Amsel ursprünglich ein Waldvogel, dort werden die toten Tiere sehr selten gefunden. Für die Erforschung der relativ neuen Krankheit sei jeder Hinweis der Bevölkerung hilfreich.

Auf der Internetseite des NABU können die Krankheits- oder Todesfälle der Vögel gemeldet werden.
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