Bei einer Mahnwache in Castrop-Rauxel äußern Corona-Skeptiker Bedenken gegen den Lockdown und die Impfungen gegen das Coronavirus. © Nora Varga
Coronavirus

Mahnwache gegen den Corona-Lockdown: Widerstand mit Klappstühlen

Am Montagabend haben sich ungefähr zwei Dutzend Personen auf dem Marktplatz in Castrop getroffen, um gegen den Corona-Lockdown zu demonstrieren. Polizei und Ordnungsamt waren vor Ort.

Einige Klappstühle, ein Kastenwagen und Menschen, die in kleinen Gruppen zusammenstehen: So sieht die Mahnwache eines neuen Bündnisses in Castrop-Rauxel aus, das sich nach eigenen Angaben wöchentlich auf dem Marktplatz in der Altstadt treffen will, um gegen den Lockdown und den vermeintlichen „Impfzwang“ zu protestieren. So auch am Montag (10.5.).

Die Initiatorin möchte unserer Redaktion ihren Namen nicht sagen. Zu oft sei sie schon bedroht worden: „Diese Mahnwache soll auf den Lockdown und seine Folgen aufmerksam machen. Es geht uns gar nicht darum, jetzt gegen die Masken oder so vorzugehen, aber mittlerweile gibt es einfach Wissenschaftler, die eine andere Meinung haben als das Robert-Koch-Institut oder Christian Drosten.“

Während sie das sagt, trägt die Frau selbst keine medizinische Maske, sondern hat sich ein Halstuch über Mund und Nase gebunden.

Auf einem Van liegt ein großes Plakat einer Frau, die ihr Kind mit einem Schild vor Pfeilen schützt. Darüber heißt es: „Schützt eure Kinder vor der Pharma-Mafia.“ Auf dem Schild eines Teilnehmers steht: „Und was hat eure Kindheit geprägt, liebe Politiker?“ Die Initiatorin geht zu den Teilnehmern und tauscht Kontaktdaten aus. Man verständigt sich über den Messenger-Dienst Telegram.

Mahnwache laut Ordnungsamt zulässig

Zwischendurch sind Polizei und Ordnungsamt vor Ort. Einer der Ordnungsamt-Mitarbeiter erklärt unserer Redaktion, wieso Veranstaltungen wie diese zulässig sind: „Die sind gedeckt von der Versammlungsfreiheit. Und wenn die Leute sich an die Maßnahmen wie Abstand und Maskenpflicht halten, dann ist das auch okay. Das ist ja eine angemeldete Veranstaltung.“

Viele der Besucher der Mahnwache sitzen eng zusammen. Das Ordnungsamt schreitet nicht ein. Es seien viele Personen aus einem Haushalt, heißt es vor Ort.

Über Lautsprecher werden Texte verlesen. Viele drehen sich um Corona im Zusammenhang mit den Schulen. Teilnehmer betonen, dass Kinder Leidtragende der Pandemie seien.

Die Initiatorin und ihre Mitstreiter sprechen über „Fakten“ und „Studien“, die allerdings stark aus dem Zusammenhang gerissen wirken. Man habe von Labormitarbeitern gehört und von Studien gelesen, sagen sie zur Begründung.

Gut zwei Dutzend Menschen nahmen an der Mahnwache teil, die wohl über den Messenger-Dienst Telegram abgesprochen worden war.
Gut zwei Dutzend Menschen nahmen an der Mahnwache teil, die wohl über den Messenger-Dienst Telegram abgesprochen worden war. © Nora Varga © Nora Varga

Eine Krankenschwester äußert die Sorge, man werde Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollen, die Kinder wegnehmen. Von Kindern, die aus der Schule geworfen worden seien, wird auch berichtet.

Einer der Teilnehmer liest Aussagen des PCR-Test-Erfinders Kary Mullis vor, die die Aussagekraft des Tests widerlegen sollen. Dass dieser im August 2019 verstorben ist und das Coronavirus nicht gekannt haben kann, fällt dabei unter den Tisch. Als wir um 22.20 Uhr gehen, ist die Veranstaltung noch im Gange. Wie die Polizei auf Anfrage erklärt, seien nach 23 Uhr keine Personen mehr vor Ort gewesen.

Über die Autorin
Volontärin
Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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Nora Varga

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