Mädchen (11) betäubt und missbraucht: Urteil gegen 55-Jährigen verzögert sich

Landgericht Bochum

Ein Dattelner Briefzusteller soll reihenweise Frauen und Mädchen missbraucht haben - darunter ein elfjähriges Kind aus Habinghorst. Vor einem Urteil soll jetzt noch sein Arzt gehört werden.

Habinghorst

, 18.02.2020, 09:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Angeklagte und sein Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff beim Prozessauftakt.

Der Angeklagte und sein Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff beim Prozessauftakt. © Werner von Braunschweig

Im Prozess um den gefilmten Missbrauch eines elfjährigen Mädchens aus Habinghorst durch einen Briefzusteller (55) aus Datteln fällt das Urteil wohl frühestens im April.

Die Bochumer Richter wollen nun doch noch weitere Zeugen vernehmen. Die von den Pflichtverteidigern zuletzt scharf attackierten Gutachter nahm das Gericht allerdings erneut aus der Kritik.

Vorwurf: Parteiisches Verhalten von Sachverständigen

Die Rechtsanwälte des seit Prozessbeginn weitgehend geständigen Angeklagten hatten Mitte Januar den zwei Sachverständigen parteiisches und ignorantes Verhalten vorgeworfen. Das von dem Gutachter-Duo vorgetragene psychiatrisch-psychologische Gutachten, das den Bochumer Richtern eine Unterbringung des Sex-Täters in der gefürchteten Sicherungsverwahrung dringend empfohlen hatte, sei mit Fehlern, Verwechselungen und fatalen Schlussfolgerungen durchsetzt gewesen, hatten die Pflichtverteidiger Jens Tuschhoff und Matthias Tillmann argumentiert.

Obendrein hatte der Briefzusteller behauptet, dass sich die Rechtspsychologin am Rande eines Befragungstermins im Gefängnis durch die Verabschiedung als parteiisch und voreingenommen disqualifiziert habe. „Wissen Sie, mit Kindern, sowas geht gar nicht“, soll die Gutachterin angeblich zum Angeklagten gesagt haben – was sie selbst jedoch auf Nachfrage des Gerichts in Abrede stellte.

„Der Angeklagte dringt mit dem Befangenheitsantrag gegen die Gutachter nicht durch. Die vorgetragenen Punkte sind weder einzeln noch insgesamt geeignet, den Vorwurf der Befangenheit zu begründen“, entschieden die Richter der 8. Strafkammer.

Verordnete der Arzt dem Mann Antidepressiva?

In einem Punkt gaben die Richter aber dem Vorstoß der Verteidigung doch nach: Der Hausarzt des sechsfachen Vaters soll nun doch noch zur Frage eines mutmaßlich jahrelangen, regelmäßigen Verordnens von Antidepressiva als Zeuge vernommen werden. Geht es nach den Verteidigern, dann ist möglicherweise nicht auszuschließen, dass ein erhöhter Medikamentenkonsum des Angeklagten Auswirkungen auf die Frage seiner Schuldfähigkeit gehabt haben kann.

Die Anklageschrift wirft dem Dattelner sexuellen Missbrauch in 62 Fällen vor. Der Briefzusteller hat in dem am 9. August 2019 gestarteten und überwiegend nicht-öffentlich verhandelten Prozess bereits zugegeben, in Serie Frauen und Kinder in seiner Wohnung an der Castroper Straße betäubt, missbraucht und gefilmt zu haben - darunter ein elfjähriges Mädchen aus Habinghorst.

Während der sexuellen Handlungen soll der 55-Jährige häufig auch mit Messern oder Nadeln hantiert und Verstümmelungen im Brust- und im Intimbereich angedeutet haben.

Der Prozess wird fortgesetzt. Es sind noch Termine bis April anberaumt.

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