Lukas Ludwig und Max Zimmer wollen mit Ring „Origami“ den Schmuck-Oscar

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Ein Ring inspiriert von japanischer Papierfaltkunst, ein junger Designer und ein Traditionsunternehmen, das auch auf Sylt für die Reichen da ist – da ist der Weg zum Schmuck-Oscar nicht weit.

Castrop

, 16.10.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zimmer – der Altstadt-Juwelier, so steht es an der Tür, die am Markt mitten in Castrop-Rauxel hineinführt in die Welt des Schmucks. Es ist ungewöhnlich, dass solch ein Traditionsunternehmen einen eigenen Produkt-Designer beschäftigt. Max Zimmer (31) weiß das. Und ist hoch zufrieden, mit Lukas Ludwig einen Designer zu haben, der ihm sogar einen „Schmuck-Oscar“ einbringen könnte.

Mit dem Ring „Origami“ ist Lukas Ludwig, ist das Goldschmied-Meisteratelier von Zimmer Manufakturschmuck nominiert für den „Schmuck-Award 2020“. Neun haben es in der Kategorie „Design in Gold und Platin“ auf die Nominierungsliste im Wettbewerb des renommierten Fachmagazins „Schmuckmagazin“ geschafft. „Er gehört inzwischen zu den Klassikern der Branche, der ‚Schmuck-Oscar‘ sozusagen“, sagt Max Zimmer. Jetzt warten er und Lukas Ludwig bis November gespannt auf das Urteil der Jury und des Publikums, das einen weiteren Preis vergibt.

Max Zimmer (links) und Lukas Ludwig vom Juweiler Zimmer in Castrop-Rauxel freuen sich über die Auszeichnung.

Max Zimmer (links) und Lukas Ludwig freuen sich über die Auszeichnung. © Ronny von Wangenheim

Lukas Ludwig (27) ist seit eineinhalb Jahren fester Teil des Zimmer-Teams, nachdem er vorher schon projektbezogen mit dem Familienunternehmen zusammengearbeitet hatte. Er stammt aus Castrop-Rauxel. Nach dem Design-Studium an der Folkwang-Hochschule in Essen hat es ihn aber aus dem Ruhrgebiet rausgezogen. Inzwischen lebt er in Leipzig. „Es ist eine aufstrebende Stadt“, sagt Ludwig, sie sei genau richtig für jemanden wie ihn, der gestaltungstechnisch am Nerv der Zeit sein will.

Mit Papier, Stift und 3D-Programm wird ein neues Schmuckstück entworfen

Vor Ort ist er immer wieder. Aber das ist nicht zwingend notwendig. Lukas Ludwig braucht, so sagt er, zum einen ein Blatt Papier und einen Stift, zum anderen einen Computer mit einem 3D-Programm. Und wie entsteht ein neues Schmuckstück? „Man entwickelt eine Formensprache, schaut auf Trends, auf die Linie des Unternehmens. Dann fängt man an zu experimentieren, zu assoziieren und teils im Konsens mit dem Team das Thema zu finden“, so der Produktdesigner. Bücher spielen bei ihm eine große Rolle. Auch in Kunstausstellungen holt er sich Inspiration.

Der Ring Origami

Der Ring Origami © Manufakturschmuck Zimmer

Seine Formensprache beschreibt er mit einem Wort: „gradlinig“. Im Falle des Ringes „Origami“, wird, wie der Name schon verrät, in Symbolik und Formgebung die japanische Tradition der Papierfaltkunst („Oru“ = Falten, „Kami“ = Papier) zitiert. Sein Design erinnert an gefaltetes Papier.

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Mit dem 3D-Modell geht es in die Goldschmiedewerkstatt, in dem die Idee handwerklich umgesetzt wird. Eine Goldschmiedemeisterin, zwei Gesellinnen und ein Geselle arbeiten hier. Hier wird durchaus noch etwas verändert. Schließlich muss der Ring gut tragbar sein, Kanten an der falschen Stelle darf es nicht geben.

Origami-Ring ist das erste Teil einer Serie

Das Material: 18 Karat Gelbgold. Also 750er-Gold. „Die gängigste Legierung“, so Max Zimmer, „es hat einen intensiven Goldton und ist gut zu verarbeiten“. Die Oberfläche ist mattiert. Und obwohl er groß ist, wirkt er nicht schwer. Aber auch in 750-er Rosé- und Weißgold und anfangs auch in Silber gibt es den Ring. Das Ganze hat seinen Preis. Für den gelbgoldenen Ring muss die Kundin 3750 Euro zahlen.

Der Ring war das erste Teil der Serie „Origami“. Auch Ohr- und Halsschmuck sind später entstanden. Und Lukas Ludwig arbeitet an weiteren Ideen. Es ist eine von mehreren Schmucklinien, die bisher entstanden sind. „Schichtwechsel“ und „Torus 8“ nennt Zimmer.

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Daneben werden auch individuell Schmuckstücke entworfen. Das passiert zum Beispiel dann, wenn ein Kunde mit geerbtem Schmuck zum Altstadt-Juwelier kommt, weil er diesen so nicht mehr tragen und ihn umarbeiten lassen will. „Wir sind extrem flexibel“, sagt Max Zimmer. „Es gibt nichts von der Stange.“ Er ergänzt: „Als Juwelier hat man es sehr schwer, wenn man vergleichbar ist.“

Max Zimmer führt das Unternehmen in der vierten Generation

Im vergangenen Jahr hat Max Zimmer das 1925 gegründete Unternehmen von seinem Vater Matthias übernommen und führt es in vierter Tradition fort. Er ist allerdings nicht wie seine Vorgänger Uhrmachermeister, sondern hat eine kaufmännische und betriebswirtschaftliche Ausbildung absolviert.

Seit 2016 gibt es eine Dependance auf Sylt, in Kampen, da, wo die Reichen Urlaub machen. „Da hatte mein Vater Weitblick“, so Max Zimmer. Erst im vergangenen Jahr ist man noch einmal an einen noch zentraleren Ort umgezogen. „Die Herzkammer des Unternehmens ist in Castrop-Rauxel“, betont Max Zimmer.

Der Standort Sylt aber lohnt sich. Nicht nur, weil dort die Geschäfte florieren. Auch, weil viele Sylt-Urlauber später nach Castrop-Rauxel kommen. Sogar aus dem Süden von München, erzählt Max Zimmer nicht ohne Stolz, reisten kürzlich Kunden an, um Schmuck made in Castrop-Rauxel zu kaufen.

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