Im Lockdown wird längst nicht so viel bei Lieferdiensten bestellt ,wie man annehmen könnte. © Kevin Kallenbach
Lockdown

Lieferdienste im Lockdown: Von Rekord-Umsätzen weit entfernt

Angesichts geschlossener Restaurants und Cafés sollten Lieferdienste die Gewinner des Corona-Lockdowns sein. Doch die Realität sieht für Gastronomen ganz anders aus.

Eigentlich könnte man annehmen, dass in Enrico Fossas Pizzeria „Luciano“ der Pizza-Ofen zur Zeit nicht kalt wird. Die Restaurants mussten wegen des Lockdowns alle schließen. Wer keine Lust darauf hat, selbst zu kochen, der muss entweder sein bestelltes Essen abholen oder es sich liefern lassen.

Anscheinend sind aber die meisten Castrop-Rauxeler eher auf den Geschmack gekommen sind, selbst zu kochen. „Unser Umsatz ist seit dem Lockdown merklich eingebrochen“, erzählt Fossa. Die Nachfrage ist derart gesunken, dass Enrico Fossa nur noch einen Fahrer beschäftigt. „Vorher waren es zwei, aber das lohnt sich einfach nicht mehr“, sagt der 40-Jährige.

Nach 20 Uhr ist nicht mehr los

Dabei sei seine Pizzeria auch außerhalb Ickerns bekannt und beliebt, er liefere normalerweise im gesamten Stadtgebiet aus. Doch gerade innerhalb der Woche ist meistens nach 20 Uhr nichts mehr los, es gebe bei „Luciano“ allenfalls vereinzelte Bestellungen.

Enrico Fossa backt längst nicht mehr so viele Pizzen wie vor dem Lockdown. Besonders abends bleibt sein Pizzaofen jetzt oft kalt.
Enrico Fossa backt längst nicht mehr so viele Pizzen wie vor dem Lockdown. Besonders abends bleibt sein Pizzaofen jetzt oft kalt. © Pizzeria Luciano © Pizzeria Luciano

„Für eine einzelne Bestellung in Höhe von elf, zwölf Euro weiter geöffnet zu haben, rechnet sich für mich einfach nicht“, erzählt Fossa. Deshalb habe er mittlerweile auch seine Geschäftszeiten angepasst.

Keine Partys oder Treffen mit Freunden machen sich bemerkbar

Aber auch das Wochenende sieht nicht besser aus. Hier fehlen dem Pizzabäcker vor allem die Bestellungen von Freundesrunden, die sich zu einem gemütlichen Abend treffen oder auch größere Bestellungen für Partys, wie etwa Pizza- oder Nudelbleche. Deshalb mache er meistens um halb zehn bereits den Ofen aus.

Ebenso ergeht es Efe Bekteshi. „Ich habe das letzte Pizzablech im November verkauft“, meint der Besitzer der Pizzeria Alberto, die an der Castroper Straße in Herne liegt, nahe der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel.

„Der Lockdown ist für uns überhaupt nicht der große Fang, wie man meinen könnte. Wir kämpfen genauso ums Überleben wie die restliche Gastronomie“, berichtet er. 60 Prozent seiner Einnahmen seien seit Beginn des Lockdowns weggefallen. „Wir kommen gerade so über die Runden“, meint er.

Laufkundschaft fehlt

Ihm fehle die Laufkundschaft, die ohne vorherige Bestellung einfach vorbeikommt und eine Pizza nach Hause mitnimmt – obwohl das erlaubt wäre. Dafür hat Bekteshi aber eine Erklärung: „Die Leute gehen doch kaum noch vor die Tür. Der Alltag spielt sich zu 100 Prozent drinnen ab, wieso sollte ich dann extra für eine Pizza rausgehen?“

Für Ilir Dracini, dem Inhaber der Trattoria Prima Fila in der Castroper Altstadt, ist die Situation eine einzige Katastrophe. „Selbst mit Abhol- und Lieferservice kommen maximal 2-3 Bestellungen rein. Überleben kann ich davon nicht.“ Im Grunde habe er nur noch für seine Stammkundschaft offen, wirtschaftlich sei das für ihn lange nicht.

Nachfrage bei „Theo“ ist hoch

Silvia Deligiannidis kann sich hingegen nicht über mangelnde Nachfragen beschweren: „Mal läuft unser Lieferdienst ganz gut, dann wieder weniger.“ Die Inhaberin der Ickerner Grillstube „Bei Theo“ ist aber auch neu auf dem Gebiet. Sie bietet erst seit dem zweiten Lockdown Anfang November einen Lieferservice an.

„Dafür könnten wir noch mehr Werbung machen“, gesteht Deligiannidis ein. Denn immer noch würden die meisten Kunden ihre Speisen bei ihr abholen. An den Wochenenden hätten sie und ihr Team dennoch mit dem Lieferdienst ordentlich zu tun. „Gerade wenn Fußball läuft, sind wir ordentlich beschäftigt“, erzählt Deilgiannidis. Anders sehe es hingegen unter der Woche aus. Hier hat sie ähnliche Erfahrungen gemacht wie Fossa. Ab 19 Uhr würde oft nichts mehr los sein.

Doch es ist etwas anderes, was der Ickernerin Gedanken bereitet: „Wir haben hier im Dorf ein sehr familiäres Verhältnis mit unseren Kunden.“ Sie so lange nicht mehr zu sehen, sei für sie nicht einfach. Doch sie rechnet damit, erst wieder nach Ostern Kunden wieder in ihrer Grillstube bedienen zu können.

Über den Autor
Volontär
Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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Kevin Kallenbach

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