Leselernhelfer gesucht: Von Munir und Kimberly gibt es eine 1+ für ihre Mentorinnen

dzMentor e.V.

Sie heißen Leselernhelfer, treffen ein Kind einmal in der Woche eine Stunde lang. Keine Nachhilfe, sondern ein einstündiges Wohlfühl-Treffen. Jetzt starten die Mentoren in Castrop-Rauxel durch.

Castrop-Rauxel

, 27.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Ruhestand angekommen und endlich mehr Zeit für Dinge haben, die Freude machen. Eigentlich klasse! Aber was mache ich jetzt mit der vielen Freizeit? Das fragte sich Petra Neveling 2019.

Da berichtete unsere Zeitung über den Verein „Mentor – Die Leselernhelfer Dortmund“. Offenbar gerade zum richtigen Zeitpunkt. Auf Initiative von Angela Goldbach, der Schulleiterin der Wilhelmschule, erweiterte der Verein damals gerade seinen Wirkungskreis auf die Nachbarstadt Castrop-Rauxel und suchte neue Mentoren für Grundschulen in Castrop-Rauxel. Petra Neveling sagte ja. Jetzt ist sie dabei. Wobei?

Das Mentor-Prinzip ist die direkte Betreuung eines Grundschülers ab der zweiten Klasse durch einen Mentor für eine Stunde pro Woche. Im besten Fall bleiben Mentor und „Mentee“ bis zum Ende der Grundschulzeit zusammen. Ganz ohne Leistungsdruck soll auf spielerische Art der Spaß am Lesen gefördert werden.

So wächst das Selbstwertgefühl

Dabei geht der Erwachsene, der das ganze ehrenamtlich macht, im besten Fall auf die Wünsche und Interessen der Kinder ein. „So feiern die beiden zusammen schnell Erfolgserlebnisse“, sagt Notburga Tielke-Hosemann, die im Vorstand mitarbeitet. So wachse das Selbstwertgefühl und die soziale Kompetenz.

Seit Sommer 2019 konnte der Verein Petra Neveling und elf weitere Mentoren und Mentorinnen für Castrop-Rauxel gewinnen. Das ist ein guter Anfang.

Nach einem Einführungsseminar an der Volkshochschule starteten sie nach den Sommerferien ihre Arbeit mit jeweils einem Schüler oder einer Schülerin aus einer zweiten Klasse.

Zurzeit sind in Castrop-Rauxel vier Schulen an dem Programm beteiligt: die Wilhelmschule, die Schule am Hügel, die Marktschule und die Erich-Kästner-Schule.

Petra Neveling und ihre Schwester Jutta Franke treffen ihre Mentees Munir und Kimberly von der Wilhelmschule jeden Montag. „Ich bringe immer eine große Tasche mit verschiedenen Utensilien mit“, erzählt Petra Neveling. „So können wir spontan entscheiden, ob wir gemeinsam lesen, malen, schreiben, rätseln oder etwas spielen wollen.“

Bücher aus der Bib oder Texte aus einer Zeitung

Für die Beschäftigung mit tagesaktuellen Themen bietet die vereinseigene „Kunterbunte Kinderzeitung“ Unterstützung. „Sie enthält kurze, kindgerechte Texte mit passenden Bildern“, sagt Neveling. „Außerdem haben wir die Möglichkeit, Bücher der Stadtbibliothek zu nutzen, was unser Repertoire nahezu grenzenlos macht.“

Kimberly ist im Lesen schon gut. „Daher beschäftigen wir beide uns mehr mit dem Schreiben und dem Erzählen, erzählt Jutta Franke. Unbekannte oder schwierige Wörter sammeln die beiden in einer Wortschatzkiste.

Munir gefallen die Stunden mit seiner Mentorin gut. „Lesen ist ganz schön anstrengend“, sagt der Junge. „Aber zum Glück malen und rätseln wir auch oft.“

Kimberly kennt er schon aus dem Kindergarten. „Besonders schön ist, wenn wir uns ausnahmsweise zu viert treffen und etwas zusammen spielen.“

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Kimberly sagt, sie freue sich auf jede Mentorstunde so sehr, dass sie schon ihre Klassenlehrerin gefragt hat, ob sie das Schuljahr wiederholen kann. „Sie ging davon aus, dass die Mentorstunde nur in der zweiten Klasse stattfindet“, erklärt Notburga Tielke-Hosemann. Stimmt gar nicht: „Es geht bis zum Ende des vierten Schuljahres“, erklärt die Frau aus dem Vereins-Vorstand. „Nur“, sagt Kimberly.

Angela Goldbach, die Schulleiterin, will von Munir und Kimberly wissen, welche Schulnoten sie ihren Mentorinnen geben würden. Sie sind sich schnell einig: eine 1+. „Andere Schüler sind schon ein bisschen neidisch auf die Mentorstunde“, erzählt sie.

„Jede Grundschule sollte das prüfen“

Goldbach freut sich, dass sie den Verein an ihre Schule binden konnte. „Jede Grundschule in Castrop-Rauxel sollte prüfen, ob sie nicht auch die Möglichkeit hat, Mentor-Stunden einzurichten.“ Förderungswürdige Schüler gebe es sicherlich genug.

Für den Verein wäre das kein Problem, vorausgesetzt, man findet weitere Menschen, die ehrenamtlich einsteigen wollen. „Alle bestätigen, dass die Arbeit mit den Schülern großen Spaß macht und dass es schön ist, ihre Fortschritte zu begleiten“, sagte Notburga Tielke-Hosemann. Sie selbst ist Schatzmeisterin des Vereins Mentor Dortmund, der auch einen bundesweiten Dachverband hat. Neben der Vorstandsarbeit unterstützt sie die Castrop-Rauxeler Mentoren mit ihrem Rat - und ihrem Mann, der stellvertretender Vorsitzender ist.

So kann man selbst zum Mentor werden

In Dortmund gibt es rund 200 Mentoren, in Bochum über 500. In ganz Deutschland sind es mehr als 12.000. Sie helfen über 15.000 Schülern. Wer in Castrop-Rauxel einsteigen möchte, kann sich melden: Der nächste Schulungstermin in Castrop-Rauxel für neue Ehrenamtler findet am 21. März statt. Ansprechpartnerin ist Notburga Tielke-Hosemann unter kontakt@mentor-dortmund.de oder Tel. (0162) 8794895.

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Der Verein Mentor sucht Freiwillige in Castrop-Rauxel, um benachteiligten Kindern zu helfen. Sie treffen sich ein Jahr lang einmal in der Woche, um zu lesen – und ein Problem zu beseitigen.

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