Landwirte sauer: Stadt erteilt Hofläden eine Absage

Tag der Landwirtschaft

Zwischen Landwirten, Hoflädenbetreibern und der Stadt läuft es nicht gut: Erst schickt die Verwaltung scharf formulierte Schreiben an fünf Hofläden, die ihre Läden weiterentwickeln wollen. Dann versagt die Stadt den Bauern den Tag der Landwirtschaft auf dem Marktplatz zu feiern. Wir haben einen Überblick.

CASTROP-RAUXEL

, 03.06.2017, 07:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
Landwirte sauer: Stadt erteilt Hofläden eine Absage

Auch dieses Jahr findet ein Frühlingsmarkt statt.

Die Weiterentwicklung der Hofläden

Die Situation: Fünf Hofläden haben Post bekommen, die „schärfer formuliert war als geplant“, wie Stadtplanungs-und Bauordnungsamtschef Philipp Röhnert einräumte. Ziel der Post an die Hofladenbetreiber Klöcker, Sanders, Heidbauer, Dingebauer und Menken war laut Röhnert, „eine genehmigte Situation zu bekommen“.Der Grund: Möglicherweise könnte die Weiterentwicklung der Hofläden nicht mit den bauordnungsrechtlichen Genehmigungen zusammen passen. Auf dieses Problem aufmerksam geworden war die Stadt durch eine Broschüre des Regionalverbandes. Darin geht es um „Bauernhoferlebnisse in der Metropole Ruhr“, in der auch fünf Hofläden in unserer Stadt aufgeführt sind.Die Reaktionen: Für die SPD erklärte Daniel Molloisch: „Das nimmt die Politik jetzt mal mit und sagt: Wir reden einfach mehr miteinander.“ Dann könnten gewisse Dinge sofort im Gespräch klar gestellt werden. Auch Josef Berkel (CDU) betonte: „Man hätte auf die Landwirte zugehen können.“ Einig zeigten sich alle Fraktionen darin, wie wichtig es sei, den Hofläden den Rücken zu stärken, weil sie eben regionale Produkte anbieten.Die Lösung: "Die Schreiben waren irrtümlich stärker angelehnt an die Vorlage für Anhörungen im Ordnungsverfahren“, so die Formulierung der Verwaltung, die ihren Fehler in der Politik kommunizierte. „Es war nicht okay und wird nicht wieder passieren“, versicherte der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt. Mit zwei Höfen laufen jetzt laut Philipp Röhnert Gespräche.  

Der Tanz in den Mai

Die Situation: Hofladenbetreiber Lutz Sanders führt schon seit einiger Zeit Gespräche mit der Stadt, damit er nach der Gemengelage um den Pendler-Parkplatz demnächst wieder einen Tanz in den Mai anbieten kann. Die Reaktionen: Birgit Klöcker, Chefin eines der fünf in der Broschüre veröffentlichten Betrieben, sagte auf Anfrage unserer Redaktion: „Wir sehen das Thema ganz entspannt und haben uns nur gewundert.“ Ein Blick ins Archiv hätte zeigen können, dass es vor 20 Jahren eine Nutzungsänderung gegeben habe.Die Lösung: Noch unklar.

Der Tag der Landwirtschaft

Die Situation: Die Stadt versagt den Landwirten ihren Aktionstag in der Altstadt zu feiern. Ausgeguckt und bei der Stadt angefragt war Samstag, 2. September. Und dafür gab es eine Absage.Der Grund: Im Antwortschreiben der Stadt heißt es wörtlich: „Samstags findet einer von drei wöchentlichen Märkten in der Castroper Innenstadt statt. Unter anderem auch auf der von Ihnen geplanten Fläche.“ Darüber hinaus finde einige Tage später die Castroper Herbstkirmes statt. Außerdem sei mit einer Vielzahl von Partei-Werbeständen zur Bundestagswahl zu rechnen.

Die Reaktionen: „Ich verstehe die Absage nicht“, schimpfte Josef Berkel. Kirmes und „Castrop kocht über“ dürften schließlich auch auf den Marktplatz. Wenn der Grund für die Absage der Wochenmarkt sei, sei das nicht stichhaltig, denn 60 Prozent der Marktbeschicker kämen aus den Reihen der eigenen Landwirte-Klientel. Die Antwort, hieß es im Ausschuss, solle nachgeliefert werden. Dass die Landwirte knatschig sind, liegt auf der Hand. Regina Haumann-Jörgens aus Frohlinde, die seit zweieinhalb Jahren stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Recklinghausen im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) ist, sagte auf Anfrage: „Mit unserer Veranstaltung wollten wir den Kontakt zu den Bürgern intensivieren.“Die Hofläden hätten sich genauso präsentieren können wie die Getreidebauern und die Kollegen mit Viehhaltung. 

Die Lösung: Alternativ bot die Stadt den Marktplatz in Ickern für die Veranstaltung an. „Wir möchten gerne an einen zentralen Platz, nach Ickern fahren die Leute zum Beispiel aus Frohlinde eher nicht“, sagte Haumann-Jörgens. Als Ausweichorte kämen Haltern oder Datteln in Frage. Haltern sei allerdings, anders als Castrop-Rauxel, ohnehin ländlicher. Der WLV richtet alle zwei Jahre im Wechsel einen Tag der Landwirtschaft und ein Hoffest aus – immer in einer anderen Stadt.

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