Ein Weihnachtsmarkt 2021 erscheint angesichts der guten Corona-Entwicklung wieder möglich. © Anna-Lena Roderfeld
Coronavirus

Kravanja optimistisch: 2021 ist in Castrop-Rauxel noch einiges möglich

Die Corona-Zahlen in Castrop-Rauxel sind so gut, dass Planungen für größere Veranstaltungen 2021 laufen. Im Interview warnt Bürgermeister Rajko Kravanja aber auch vor zu viel Sorglosigkeit.

Am Freitag ist der Kreis Recklinghausen offiziell in die Inzidenz-Stufe 1 gerutscht. Die Inzidenz liegt stabil unter 35. Ab Samstag gilt keine Maskenpflicht in der Fußgängerzone mehr. Auch der Zaun um den Skatepark an der Wartburgstraße in Habinghorst wird abgebaut. Im Interview, das am Freitagmorgen geführt wurde, erklärt Bürgermeister Rajko Kravanja, warum er grundsätzlich Corona-Regeln weiter für nötig hält und appelliert an die Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler, auch noch da Maske zu tragen, wo diese nicht mehr vorgeschrieben ist.

Herr Kravanja, die Inzidenz-Zahlen sind höchst erfreulich. Ist es an der Zeit, weitere Regeln aufzuheben?

Ja und Nein. Ich freue mich, dass die Zahlen runtergehen. Gleichzeitig habe ich ein komisches Bauchgefühl. Gerade die Delta-Mutante kann man schlecht einschätzen. Deswegen: Mein Lächeln ist vorsichtig verhalten optimistisch.

Welche Lockerungen könnte es denn konkret in den kommenden Tagen geben? Anderswo wird zum Beispiel die Maskenpflicht in Fußgängerzonen abgeschafft …

Das wird auch bei uns so kommen. Wir haben das an die Inzidenz der Stufe 1 gekoppelt. Die Allgemeinverfügung des Kreises wird noch heute aufgehoben. Gleichwohl rufen wir dazu auf und sagen, da, wo Menschen auf engem Raum zusammenkommen, da macht eine Maske durchaus Sinn und man darf sie auch freiwillig aufsetzen. Nur weil man es nicht mehr muss, heißt das nicht, dass man es nicht mehr machen sollte.

Müsste man aber nicht sagen: Wir lassen zwar die AHA-Regeln weiter in Kraft, aber darüber hinaus schaffen wir die Corona-Regeln ab, weil sie ohnehin nicht zu kontrollieren sind?

Nein, das finde ich nicht. Ich warne ausdrücklich von der Delta-Mutation, weil wir die überhaupt noch nicht einschätzen können. Wir sehen das ja im Falle von Großbritannien, da ist sie verstärkt auf dem Vormarsch, mit einer sehr hohen Todesrate unter den Infizierten. Wir sind gottseidank in Deutschland noch ein bisschen davon entfernt, aber das heißt nicht, dass sie nicht auch Einzug halten kann. Und noch sind leider erst 50 Prozent der Bevölkerung geimpft und es gibt immer noch 50 Prozent, die sich einem höheren Risiko aussetzen. Und auch die, die geimpft sind, haben durchaus noch ein Risiko. Insofern ist es wichtig, gerade Abstand zu halten und die Maske aufzusetzen.

Impfen, Testen, Digitaler Impfnachweis – das sind alles bundesweit diskutierte Themen. Kann eine Stadt wie Castrop-Rauxel hier irgendwas tun, um an Fortschritten mitzuwirken?

Wir sehen schon, dass die Zahlen der Tests in unserem Testzentrum zurückgehen. In der Spitze hatten wir über 1000 Tests am Tag, wir sind jetzt deutlich drunter. Es wäre mein dringender Appell, diese Tests weiter in Anspruch zu nehmen. Nur weil man geimpft ist, heißt das nicht, dass man sich nicht anstecken kann. Und deswegen ist so ein negativer Test zwischendurch immer noch sinnvoll.

Lassen Sie als Stadt Regeln in Kraft, die das Land nicht mehr vorsieht? Könnte die Stadt zum Beispiel sagen, dass Sie weiterhin den Zutritt zu städtischen Sporthallen an Negativ-Tests koppelt?

Ich weiß gar nicht, ob wir das rechtlich könnten. Aber den Appell würden wir an die Benutzer richten. Und wir haben uns ja auch in der Vergangenheit schon kreisweit abgestimmt und Allgemeinverfügungen erlassen. Davor würden wir uns auch weiterhin nicht scheuen. Ich nehme mal ein Beispiel, den Skatepark.
Wir werden am Freitag den Zaun am Skatepark entfernen. Aber der Skatepark war immer ein problembehafteter Bereich, weil da ganz viele Menschen zusammengekommen sind. Wenn wir merken, dass es nicht funktioniert, werden wir bereit sein, wieder einen Zaun drumzuziehen. Wir geben jetzt einen kleinen Vertrauensvorschuss und sagen: Jawohl, wir gehen die Lockerungen mit. Aber das heißt nicht, dass wir im Zweifel nicht auch wieder einschreiten.

Nehmen wir mal an, die Zahlen bleiben unten … Was ist in Castrop-Rauxel 2021 möglich?

Ich glaub, da ist noch einiges möglich. Bei aller Vorsicht, aber wir haben in der Pandemie gezeigt und gelernt, dass man unter Hygienebedingungen vernünftig Veranstaltungen auf die Beine stellen kann. Ich erinnere an die Sommerbühne im Parkbad Süd, die ja auch in diesem Jahr wieder starten wird – tolle Veranstaltung, eben unter Hygienebedingungen. Wir sollten auch jetzt schon in die Planung gehen für die Zeit nach dem 31.8., um Konzepte in der Tasche zu haben, wenn Veranstaltungen wieder erlaubt sind. Ich bin da optimistisch und freue mich auf die Planung.

Gehört dazu auch, Pläne für den Weihnachtsmarkt schmieden?

Ja, definitiv. Auch die Kirmes kann man andenken. Das heißt nicht, dass sie automatisch kommen müssen. Aber wenn wir jetzt nicht anfangen zu planen, sind wir irgendwann sehr spät hinten dran. Insofern: verhalten optimistisch planen, aber den Startschuss so weit wie möglich nach hinten verlagern, sodass man eine sehr gute Einschätzung der Lage hat.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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