Krankenkassen bezahlen nur noch alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up

dzCheck-up ab 35

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Vorsorge. Der Check-up ab 35 wird aber nur noch alle drei Jahre bezahlt. Hausarzt Michael Greef hält das für unverständlich und gefährlich.

Castrop

, 25.08.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zum Check-up, der jetzt offiziell Gesundheitsuntersuchung heißt, gehören eine körperliche Untersuchung, ein Test der Blut- und Urin-Werte, ein Beratungsgespräch und eine ausführliche Anamnese. Neu ist seit dem 1. April 2019, dass Versicherte zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr einmalig zum Check-up gehen können. Ab 35 wird der Check-up nur noch alle drei statt bisher zwei Jahre übernommen.

Gesamtcholesterin erhoben

Für Michael Greef, seit rund 30 Jahren Allgemeinmediziner, ist das unverständlich: „Wir wurden nur über das Ärzteblatt informiert und die Gründe erschließen sich mir nicht.“ Viele seiner Patienten hätten den Check-up regelmäßig in Anspruch genommen.

Wenn beim Patienten bestimmte Risikofaktoren vorliegen, dürfen Ärzte auch kürzere Intervalle als drei Jahre wählen. Genau das macht der Ickerner Hausarzt: „Im Zweifel bestelle ich den Patienten auch alle drei Monate.“ Es müsse für diese Fälle eine Indikation vorliegen, damit er das den Krankenkassen gegenüber begründen kann.

Eine Indikation könne sein, dass der Patient chronische Herzprobleme habe, könne aber auch sein, dass sich der Patient schlicht nicht wohl fühle.

Früherkennung von Herz-Kreislauf-Problemen

Die Blutuntersuchung wurde im Gegensatz zu früher erweitert: Künftig wird ein vollständiges Lipidprofil erstellt – bestehend aus Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin sowie Triglyceriden. Das zielt auf die Früherkennung von Herz-Kreislauf-Problemen, Nierenerkrankungen und Diabetes ab.

Neu ist auch die Überprüfung des Impfstatus. Die Leberwerte werden hingegen bisher nicht erhoben, was von Medizinern kritisch gesehen wird. Sie könnten Hinweise auf eine alkohol- oder virusbedingte Hepatitis geben. Das Institut für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) wurde allerdings beauftragt zu prüfen, ob ein Screening auf Hepatitis B und C sowie auf Depressionen als weitere Früherkennungsuntersuchungen im Rahmen einer Neufassung des Check-up 35 empfohlen werden sollte.

Ältere, gebildete Menschen nehmen häufiger teil

Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) als auch die Deutsche Akademie für Präventivmedizin (DAPM) hatten sich bereits im Vorfeld für eine Neufassung der Untersuchung ausgesprochen. Die Bestimmung von Laborparametern, die Blutdruckmessung und die Erhebung anthropometrischer Daten (z.Bsp. Größe und Gewicht) führten per se noch nicht zu einer Reduktion des Krankheitsrisikos.

Von entscheidender Bedeutung sei eine individuelle, evidenzbasierte Beratung, die in konkrete und realistisch umsetzbare Maßnahmen für die Patienten münde, heißt es in einem Positionspapier der DAPM. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) werden bei der Gesundheitsuntersuchung noch stärker als bisher gesundheitliche Risiken und Belastungen erfasst und bewertet.

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Bisherige Daten zu Gesundheitsscreenings belegten, dass die Untersuchungen vor allem dann sinnvoll werden, wenn der Patient sie wiederholt wahrnimmt. Bislang seien es besonders ältere Menschen mit guter Bildung, die am Check-up teilnähmen, so die DGIM.

Jüngere gehen seltener zum Arzt und zum Check-up

Das Team von Michael Greef erinnert die Patienten meistens an den Check-up, wenn sie wegen anderer Beschwerden einen Termin in der Praxis wahrnehmen. „Die, die regelmäßig hier sind, die kommen auch zum Check-up“, weiß Greef. Das Problem sei eher, die zu erreichen, die selten einen Termin haben. Auch bei ihm sind es häufig ältere Patienten, die die Möglichkeit wahrnehmen. Das hänge mit der Altersstruktur der Patienten generell zusammen.

„Ich behandle Kinder und Jugendliche, die nicht mehr zum Hausarzt gehen“, erklärt Greef. Irgendwann seien die aber aus dem Alter der Kinderkrankheiten raus und er sehe sie nur noch selten, bis ab 45 Jahren die ersten Verschleißerkrankungen auftreten. Dazwischen klafft eine Lücke und die verpassen oft auch den Check-up. „Patienten, die alle zwei Jahre mal wegen Rückenschmerzen kommen, erinnern wir dann dran“, so Greef. Die meisten nehmen das Angebot dankbar an, manche wollen einfach nicht. „Da kann man dann nichts machen.“

Keine Erinnerungs-Anrufe

Erinnerungsanrufe- oder Karten, wie es das beispielsweise beim Zahnarzt gibt, lehnt der Ickerner Hausarzt ab: „Ich bin altmodisch. Ich verdiene zwar mit jedem Patienten, der zu mir kommt, aber ich schlafe besser, wenn ich dem Patienten kein Geld aus der Tasche leiere.“

Für Patienten, bei denen 2017 ein Check-up durchgeführt worden ist, gilt eine Übergangsfrist: Sie können noch bis zum 30. September 2019 das zweijährige Untersuchungsintervall nutzen. Nach Protesten der Versicherten hatten sich KBV und die Krankenkassen auf diese Frist geeinigt.

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