Es war eine hitzige Atmosphäre im Schulausschuss, fast wie bei einer Demonstration. Es gab gegenseitige Vorwürfe. Und einen Beschluss zu einer möglichen neuen Gesamtschule in Castrop-Rauxel.

Castrop-Rauxel

, 22.11.2019, 15:04 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es herrschten dichtes Gedränge und ein großer Andrang am Donnerstag (21.11.) im Castrop-Rauxeler Rathaus. Die Sitzung des Betriebsausschusses 2 (Familie, Jugend, Soziales und Bildung) stand auf der Agenda. Der Andrang war so groß, dass die Sitzung kurzfristig verlegt wurde.

Etwa 90 Bürger und 15 Politiker sind aus dem Sitzungsraum 3 in den Ratssaal gewechselt. Zu den Besuchern auf der Tribüne zählten Eltern, Lehrer und nicht zuletzt die Schulleiterinnen der Willy-Brand-Gesamtschule, Violetta Kroll-Baues, und der Sekundarschule, Brigitte Edeler. Vertreter der WBG waren mit Plakaten ausgestattet, auf denen das Logo ihrer Schule zu erkennen ist. Es wirkte fast wie eine Demonstration.

Neue Beschlussvorlage bei der Sitzung vorgestellt

Der Grund für die hohe Präsenz war der Tagesordnungspunkt vier, namentlich: „Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung in Castrop-Rauxel“. Eigentlich sollte in der Sitzung ein Grundsatzbeschluss gefasst werden, am Standort der ehemaligen Janusz-Korczak-Gesamtschule (JKG) schon mit Beginn des nächsten Schuljahres einen dreizügigen Teilstandort der Gesamtschule Waltrop realisieren zu wollen. Aber es kam anders.

Abgestimmt wurde darüber, ob es eine zweite Elternbefragung geben soll. Darin sollen die Grundschuleltern der zweiten und dritten Klassen, dafür oder dagegen stimmen, ob ein eigenständiger Gesamtschul-Standort zum Schuljahr 2021/22 an der Waldenburger Straße gewünscht wird.

Wenn sich die Eltern für einen eigenständigen Standort entscheiden oder doch ein Teilstandort an der ehemaligen JKG entstehen sollte, würden die fünften Jahrgänge der WBG und der Fridtjof-Nansen-Realschule auf vier Züge ab Sommer 2021 limitiert werden.

Die Beschlussvorlage ist einstimmig angenommen worden

Außerdem heißt es in der Beschlussvorlage: „ Für das Schuljahr 2020/2021 und im Falle der Nicht-Gründung einer neuen Gesamtschule oder eines Teilstandortes auch für das Schuljahr 2021/2022 ist bei einem Anmeldeüberhang über die bestehende Fünfzügigkeit der Willy-Brandt-Gesamtschule hinaus zunächst die Bildung von Mehrklassen bei der Bezirksregierung zu beantragen.“

Die Beschlussvorlage ist von den Politikern über alle Parteigrenzen hinweg einstimmig angenommen werden. Diese Entscheidung dürfte vor allem bei der WBG für Erleichterung gesorgt haben. Deren Schulleiterin, Violetta Kroll-Baues, befürchtete im Vorfeld der Sitzung, dass ihre Schule gegen den eigenen Willen, einen Teilstandort an der ehemaligen JKG etablieren müsste.

Aufgrund dieser Sorge, sagte die Ausschussvorsitzende, Katrin Lasser-Moryson (SPD), in Richtung der WBG und der Gesamtschule Waltrop: „Wenn Sie nicht kooperieren möchten, dann werden wir Sie nicht zwingen. Wir werden nichts eröffnen, wo jemand nur mit halbem Herzen dahinter steht und es nicht möchte.“

Hitzige Stimmung zwischen Politik und WBG

Außerdem kritisierte Lasser-Moryson, dass im Umfeld der WBG Gerüchte bezüglich eines möglichen Teilstandortes der Gesamtschule im Umlauf sind. Bei ihr hätten sich besorgte Eltern gemeldet, die befürchteten, ihre Kinder in Zukunft zwischen zwei Standorten hin und her fahren zu müssen. Dadurch hätten die Schüler angeblich keine Pausen mehr. Lasser-Moryson stellte im Saal die Frage, wo diese Gerüchte herkommen und forderte die Vertreter der WBG auf, mit diesen Gerüchten in der eigenen Schule aufzuräumen.

Hitzige Diskussion um mögliche Gesamtschule in Ickern – Politik fasst konkreten Beschluss

Vertreter der Willy-Brand-Gesamtschule machten sich im Schulausschuss lautstark bemerkbar. © Said Rezek

Zu dem Zeitpunkt herrschte eine angespannte Atmosphäre im Sitzungssaal. Es kam Unruhe auf der Tribüne auf. Lasser-Moryson sagte: „So wie Sie da mit den Schildern sitzen, könnte man meinen, wir würden Sie abschaffen wollen.“ Kurz danach versuchte sie, auch versöhnliche Töne anzuschlagen. Sie betonte, dass sich die Politik und die WBG nicht in einem Gegeneinander, sondern in einem Miteinander befänden.

Lasser: „Wir sind hier nicht bei wünsch dir was“.

Obwohl die Sekundarschule weder auf der Tagesordnung stand und mit keiner Silbe erwähnt wurde, meldete sich deren Schulleiterin Brigitte Edeler zu Wort. Sie kritisierte, dass ihre Schule bei den Planungen außen vor gelassen werde, obwohl sie dem Gesamtschulkonzept unterstünde. Sie hätte zwei leere Klassen, wo Schuler unterrichtet werden könnten. „Wenn ein neuer Standort entsteht, dann wird uns das Wasser abgegraben“, sagte sie mit Existenzsorgen.

Lasser-Moryson entgegnete, dass sich die Eltern aber nun einmal häufig nicht für die Sekundarschule entschieden. „Wir sind hier nicht bei wünsch dir was“, formulierte sie und ergänzte: „Wir brauchen Sie alle. Alle, die Sie hier sind. Aber wir müssen uns nicht nur um einen Teilstandort kümmern.“

Und was ist mit dem Asbest?

Fakt ist, dass frühestens im Schuljahr 2021/22 eine eigenständige Gesamtschule oder ein Teilstandort entsteht. Also ein Jahr später als ursprünglich geplant. Die Verzögerung begründete Ludger Müller von der Bezirksregierung Münster damit, dass eine Umsetzung bis zum nächsten Jahr nicht mehr genehmigungsfähig sei, weil die Zeit zu weit fortgeschritten sei.

Die Sozialdezernentin Regina Kleff räumte ihrerseits mit dem Gerücht auf, dass der Aufschub etwas mit verbauten Asbest in der ehemaligen JKG zu tun haben könnte.

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