Markus Lieder aus Henrichenburg nutzt seit Jahren Photovoltaik-Anlagen. Als Beraterin in solchen Fragen ist Diplom-Ingenieurin Anke Hormel von der Verbraucherzentrale viel gefragte Expertin. © Thomas Schroeter
Photovoltaik

Kommt in Castrop-Rauxel bald die Solardach-Pflicht für neue Häuser?

Die Rot-Grün-Koalition in Castrop-Rauxel will die Energiewende voran treiben. Dabei spielen Solardächer eine wichtige Rolle. Wird es eine Photovoltaik-Pflicht geben? Beispiele dafür gibt es.

Die Lösung für viele Energieprobleme steht am Himmel: die Sonne. Gibt es eine Photovoltaik (PV)- oder Solarthermieanlage auf dem Hausdach, erzeugt sie nachhaltigen Strom oder umweltfreundlich erwärmtes Wasser. In Zeiten des Klimawandels wird die Nutzung solcher Energieangebote immer wichtiger.

Und so haben SPD und Grüne in Castrop-Rauxel in ihrem Koalitionsvertrag diesem Thema einige Aufmerksamkeit gewidmet. „Die Umstellung unserer Energieversorgung auf nicht-fossile Erneuerbare Energie ist der Kernpunkt der Energiewende“, heißt es im gemeinsamen Programm.

Ökologische Standards werden festgelegt

So will man die Festlegung von ökologischen Standards für alle künftigen Bauprojekte, will höchstmögliche energetische Standards einführen, eine Ausstattung von Gebäuden mit PV-Anlagen und thermischen Solaranlagen, Maßnahmen zur Dach- und Fassadenbegrünung sowie zur Regenwasserversickerung in einer Checkliste zur klimagerechten Stadtentwicklung festschreiben.

Für das entscheidende Zwischenziel der Reduktion des Treibhausgasausstoßes um 55 Prozent bis 2030 stünden dabei nur diese und die nächste Ratsperiode zur Verfügung. Darum wollen SPD und Grüne die „Kommunale Klimakrise“ ausrufen und in allen Verwaltungsvorlagen die Auswirkungen auf Klima und Energie beschreiben.

Stadt vergibt jetzt Fördermittel an Privatleute

Dabei ist nach Ansicht der Koalitionspartner „die Umstellung unserer Energieversorgung auf nicht-fossile Erneuerbare Energie der Kernpunkt der Energiewende“. Die vom örtlichen Klimabeirat vorgeschlagenen ambitionierten Ausbauziele für die Erneuerbare Energie in Castrop-Rauxel sollen dabei das Verwaltungshandeln bestimmen.

Wie weit das künftig Einfluss auf jedes private Bauvorhaben in Castrop-Rauxel haben wird, bleibt noch abzuwarten. Mit der Förderung privater Photovoltaikanlagen mit insgesamt 50.000 Euro aus dem Energiefonds wird dabei allen Bürgern ein finanzieller Anreiz geboten, unterstützt mit umfangreichen Beratungsangeboten, die die örtliche Verbraucherberatung in diesem Segment bereits seit geraumer Zeit anbietet.

Ob man in Castrop-Rauxel künftig so weit gehen will und kann wie es die Stadt Hamburg und andere Kommunen und Regionen bereits vormachen, ist noch offen. In der Hansestadt hat man ein Stufenprogramm aufgelegt, dass ab 2023 alle Eigentümer von Neubauten dazu verpflichtet, dass auf den Dächern von Neubaugebäuden Photovoltaikanlagen gebaut werden. Und ab 2025 sollen bei anstehenden Dacherneuerungen auch alle Bestandsgebäude verpflichtend mit Photovoltaik nachgerüstet werden.

Sogar in Bayern soll Photovoltaik Pflicht werden

Auch in Bremen will Umweltsenatorin Maike Schaefer bis Mitte 2021 ein Gesetz vorstellen, dass eine Solardachpflicht nach dem Vorbild Hamburgs vorschlägt.

In der Hauptstadt Berlin soll mithilfe eines Solargesetzes vermieden werden, „dass auf Neubauten keine Solaranlage mitgeplant und installiert wird. Das sind verschenkte Flächen, die wir dringend für die Energiewende benötigen“, so erklärte es die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Ramona Pop, bei der Vorstellung ihrer Pläne Ende 2020.

Und sogar im CSU-regierten Bundesland Bayern gilt seit 2021 die Solardachpflicht für Gewerbegebäude, die 2022 auf Wohngebäude erweitert werden soll – so zumindest der Plan. Darüber hinaus gibt es bereits die Solardachpflicht in einzelnen Städten, etwa im baden-württembergischen Tübingen und im bayrischen Amberg.

Wie die örtliche Verbraucherberatung erläutert, habe eine Photovoltaikanlage aber nicht nur aus Umweltsicht viele Vorteile, sondern sei auch unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten lohnend. Eine Solaranlage rechne sich umso schneller, je mehr Solarstrom man direkt verbrauche. Denn für den Strom vom Dach müsse man viel weniger bezahlen als für den Strom aus dem Netz.

Renditerechner und Beratung

  • Ob sich eine Solarstromanlage im konkreten Fall rechnet, kann man online mit dem Renditerechner der Stiftung Warentest abschätzen.
  • Persönliche Beratung bietet die Verbraucherzentrale an der Mühlengasse in Castrop-Rauxel an. Informationen dazu gibt es unter Tel. (02305) 69879-01oder über ein Kontaktformular im Internet.
Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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