Professor Jürgen Wasem, Experte für Krankenhausmanagement an der Uni Duisburg/Essen. © UDE Frank Preuß
Coronavirus

Klinik-Finanzierungs-Experte Wasem über Corona-Auslastung und Einnahmen

Im EvK Castrop-Rauxel sind nur 130 von 390 Krankenhausbetten belegt. Wenn eine Klinik die Auslastung wegen Corona auf 30 Prozent herunterfährt, droht dann der Finanz-K.O.? Ein Experte klärt auf.

Professor Jürgen Wasem ist Experte für die Krankenhaus-Finanzierung. Er hat einen Lehrstuhl Medizinmanagement an der Universität Duisburg/Essen inne und hat von uns Fragen bekommen zur Belegungssituation von Krankenhäusern in der Corona-Zeit. Hintergrund ist die Situation im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel, wo wegen eines Corona-Ausbruchs in der Belegschaft der Betrieb auf rund 30 Prozent Auslastung heruntergefahren ist.

Herr Wasem, welche Auslastung ist nach Ihrer Einschätzung Standard in deutschen Kliniken der allgemeinen Gesundheitsversorgung?

Die durchschnittliche Auslastung vor Corona lag zuletzt bei 78 Prozent. Wobei sie gemessen wird als Anteil der belegten Betten an den Betten, die die Krankenhauspläne der Länder vorsehen. Das heißt also nicht, dass das Krankenhaus tatsächlich Personal dafür vorhält. Denn da unter normalen Bedingungen die Auslastung eher stabil ist, orientieren sich die Häuser hinsichtlich ihres Personaleinsatzes natürlich an ihrer faktischen Auslastung.

Was ist, wenn sie drunter oder drüber liegt?

Das hat keine direkten Konsequenzen. Die Budgets der Krankenhäuser werden mit den Krankenkassen vereinbart und richten sich nach der zu erwarteten Belegung. Und dabei ist es dann so, dass ein Haus versuchen muss, diese vereinbarte zu erwartende Belegung in etwa auch zu erreichen. Wenn ich mehr belege, muss ich den überwiegenden Teil des Geldes, das ich dann „zu viel“ eingenommen habe, im Folgejahr zurückzahlen. Umgekehrt, wenn ein Krankenhaus weniger Belegung hat, als mit den Krankenkassen vereinbart, bekommt es einen kleineren Teil des Einnahmenausfalls im Folgejahr von den Krankenkassen nachgezahlt.

Was ist, wenn eine Klinik auf 30 Prozent runter fährt?

Das Entscheidende ist nicht, wieviel Prozent der in der Bettenplanung des Landes vorgesehenen Krankenhäuser ich tatsächlich nutze. Aber klar ist: Wegen der Pandemie haben die meisten Krankenhäuser eben auch eine viel geringere Nutzung als mit den Krankenkassen vereinbart war. Das führt dann zu deutlichen Einnahmeverlusten. Unter den normalen Spielregeln werden diese nur zu einem kleineren Teil aufgefangen.

Welche Corona-Hilfen können eine solche Situation aufwiegen?

Sehr schnell hat die Politik im letzten Frühjahr einen Krankenhausrettungsschirm aufgespannt. Da wurden die Einnahmerückgänge pauschal mit 560 Euro je fehlendem Krankenhaustag ausgeglichen. Für kleinere Häuser war das sehr großzügig, so dass viele kleinere Häuser dadurch sogar höhere Einnahmen erzielt haben, als wenn sie die Behandlungen durchgeführt hätten. Im Sommer ist das dann stärker unterschieden worden und lag je nach Haus zwischen 360 und 760 Euro. Für das Evangelische Krankenhaus Castrop-Rauxel gilt der untere betrag von 360 Euro, für die städtischen Kliniken Dortmund etwa galt 660 Euro. Im weiteren Verlauf sind diese Regelungen dann ab November zunächst auf Häuser in Regionen mit hohen Covid-Zahlen und niedrigen freien Kapazitäten an Intensivbetten beschränkt worden. Zum Jahreswechsel ist der Kreis der berechtigten Häuser dann wieder deutlich ausgeweitet worden.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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