Klare Kante: Diese Nach-Corona-Schulöffnung muss ein Weckruf sein!

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Die Grundschulen öffnen am 15.6. Das wird auch Zeit! Denn durch die verschlampte Bildungspolitik der vergangenen Jahre waren die letzten Wochen für einige Kinder eine Tortur. Nora Varga kommentiert.

von Nora Varga

Castrop-Rauxel

, 05.06.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie überall im Land öffnen die Castrop-Rauxeler Grundschulen am 15. Juni wieder für alle Schülerinnen und Schüler die Pforten. In den zwei Wochen bis zu den Sommerferien soll es täglich Unterricht geben. Doch es werden sich Probleme auftun, mit denen wir noch einige Zeit zu kämpfen haben werden.

Diejenigen, die ab dem 15. Juni täglich in die Schulen zurückkehren, haben in den vergangenen Wochen ganz unterschiedliche Dinge erlebt. Die einen haben die täglichen Aufgaben am heimischen Küchentisch in Begleitung ihrer Eltern gemacht, Regenbögen mit Fingerfarbe an die Fenster gemalt und bei gutem Wetter im Garten getobt. Das ist die eine Seite der Medaille.

Einige Kinder haben es in der Krise nicht leicht gehabt

Die anderen haben wochenlang in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit drei Geschwistern und einer berufstätigen, alleinerziehenden Mutter gelebt. Keiner hat ihnen bei den Aufgaben geholfen, es war immer laut. Diejenigen, die es am schlimmsten getroffen hat, waren mit Alkoholismus, Missbrauch und den Existenzängsten ganzer Familien konfrontiert.

Mit all diesen Kindern, und denen, die sich irgendwo dazwischen bewegen, sind ab dem 15. Juni Lehrerinnen und Lehrer konfrontiert. Das sind dieselben Lehrerinnen und Lehrer, die sich in den vergangenen Wochen vor einer unmöglichen Aufgabe sahen. Wie erreicht man alle Kinder und kann sie mit Aufgaben versorgen?

Bildungsportal Logineo in der Krise nicht hilfreich

Am offiziellen Portal des Bildungswesens in NRW „Logineo“ schrauben verschiedene Landesregierungen seit nunmehr zwölf Jahren herum. In der Krise hat Logineo als Kommunikationsplattform zwischen Eltern und Lehrern versagt. Zu kompliziert ist es für viele Familien, sich die Materialien von der unübersichtlichen Plattform herunterzuladen. Und da hören die Probleme nicht auf.

Welcher Haushalt mit drei Kindern kann für jeden Sprössling alle Arbeitsblätter ausdrucken? Viele Familien haben noch nicht mal einen Drucker. Die Schulen haben sich um Alternativen bemüht: Mails geschrieben, alltägliche Messenger genutzt oder sich auf das Fahrrad geschwungen und die Blätter jedem Schüler persönlich in den Briefkasten geworfen.

„Die Investitionen werden finanziell gigantisch sein müssen, um die Löcher der vergangenen Jahre aufzufangen.“
Nora Varga ist im Juni und Juli 2020 Praktikantin bei den Ruhr Nachrichten. Die Dortmunderin sagt, das Thema Schule liege ihr besonders am Herzen.

Nora Varga ist im Juni und Juli 2020 Praktikantin bei den Ruhr Nachrichten. Die Dortmunderin sagt, das Thema Schule liege ihr besonders am Herzen. © Nora Varga

Aber es wird nichts daran ändern, dass am 15.6. Kinder im Klassenraum sitzen werden, die seit Mitte März allenfalls an den wenigen Schultagen Aufgaben gerechnet und Sätze geschrieben haben. Für diese Kinder wird es schwer werden und einige, gewiss nicht alle von ihnen werden die Ausfälle und Erlebnisse aus Corona noch lange mit sich herumschleppen.

Die Konsequenzen aus dem Dilemma müssen klar sein. Es müssen Investitionen ins Bildungssystem fließen, die über Lippenbekenntnisse hinaus gehen. Diese Investitionen werden finanziell gigantisch sein müssen, um die Löcher der vergangenen Jahre aufzufangen.

Es muss Investitionen geben

Konkret braucht es Schulungen für das Lehrpersonal in digitalen Bereichen, Lehrer brauchen Dienstrechner, wie es in anderen Berufsgruppen Standard ist. Es reicht nicht, in allen Schulen iPads anzuschaffen, wenn die Lehrer nicht die Chance haben, damit im Arbeitsalltag umzugehen und die Handhabung zu erlernen.

Es braucht zudem WLAN an den Schulen, funktionierende Online Plattformen, ausreichend Berater in Fragen der Digitalisierung, die Liste der Punkte ist endlos. Die Politik muss jetzt anfangen, die Schulen für die Zukunft startklar zu machen.

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