Kita-Leiterinnen schicken Masken mit Brief ans Ministerium zurück

dzBastel-Masken-Posse

Diese Pakete gehen mit einem Brief zurück nach Düsseldorf: Mehrere Kitas in Castrop-Rauxel schicken Mund-Nase-Schutzmasken zurück zum Ministerium. Sie sind sauer. Das geht aus dem Brief hervor.

Castrop-Rauxel

, 22.06.2020, 19:37 Uhr

Es ist inzwischen schon eine Corona-Posse daraus geworden: Die Bastel-Masken für dem Atemschutz in Kindertageseinrichtungen in NRW haben für Erheiterung, für Wut und Ärger, für Geringschätzungs-Gefühle bei Angestellten und Leiterinnen gesorgt. Nun regt sich Widerstand in Castrop-Rauxel: Die evangelischen Kindertagesstätten schicken Tausende Masken zurück nach Düsseldorf.

Von dort waren die Pakete über die Stadt Castrop-Rauxel erst kürzlich versandt worden in der Hoffnung, damit in den Einrichtungen im Corona-Infektionsschutz hilfreich zu sein. Es waren mehrere Millionen, aber es waren Masken, die nicht überall gut ankommen: Sie sind nicht fertig, sondern kommen als Bausätze.

„In diesen Tagen sind in der Kindergartengemeinschaft des Kirchenkreises Herne Pakete von der Landesregierung eingetroffen“, schreibt Pfarrer Arnd Röbbelen, über den nun eine Protest-Aktion lief. „Die Leitungen der Evangelischen Einrichtungen in Castrop-Rauxel haben entschieden, die Annahme dieser Lieferung zu verweigern.“

Diese Pakete gehen zurück nach Düsseldorf. Die Leiterinnen dreier Kitas aus Castrop-Rauxel machten sie am Montag versandfertig.

Diese Pakete gehen zurück nach Düsseldorf. Die Leiterinnen dreier Kitas aus Castrop-Rauxel machten sie am Montag versandfertig. © Tobias Weckenbrock

Mehrere Pakete: Zu viel Mehrarbeit

Kirsten Eckert (Leiterin Kindergarten und Familienzentrum Regenbogenhaus Schwerin), Petra Stein (Arche Ickern) und Marianne Ludwig-Rosenstock (Leiterin Kindergarten Eden am Europaplatz) liefen stellvertretend für alle Leitungen am Montag um 13 Uhr mit mehreren Paketen bei der Post am Münsterplatz auf und schickten die gut gemeinte, aber schlecht gemachte Hilfe ans Ministerium zurück.

Grund: „Wir haben infolge der Infektionsschutzbestimmungen zurzeit viel Mehrarbeit zu leisten, sodass wir gar nicht in der Lage sind, in unserer Arbeitszeit Masken zu basteln und anschließend zu sterilisieren“, sagt Marianne Ludwig-Rosenstock, von der die Rücksende-Aktion ausging. „Ich habe gleich gesagt, dass ich die Masken nicht nehmen werde, wenn wir sie bekommen“, sagte sie am Montag.

Das „eigentlich Schlimme daran“, so die erfahrene Leiterin, „ist die mangelnde Wertschätzung für unseren Beruf, die sich hier zeigt: Wir sind keine Basteltanten, sondern tragen Verantwortung für kleine Menschen, die wir in ihrer Vorschulzeit intensiv begleiten.“

Schickten jetzt gemeinsam die Bastelmasken zurück ans Ministerium: Petra Stein (Arche Ickern, v.l.), Kirsten Eckert (Regenbogenhaus Schwerin) und Initiatorin Marianne Ludwig-Rosenstock (KinderGarten Eden, Kita am Stadtmittelpunkt).

Schickten jetzt gemeinsam die Bastelmasken zurück ans Ministerium: Petra Stein (Arche Ickern, v.l.), Kirsten Eckert (Regenbogenhaus Schwerin) und Initiatorin Marianne Ludwig-Rosenstock (KinderGarten Eden, Kita am Stadtmittelpunkt). © Tobias Weckenbrock

Erzieher und Hygiene-Hüter

Laut Petra Stein habe man beim Ausprobieren sieben Minuten für eine Maske gebraucht, die man aus einem Filtertuch, zwei Gummibändern und einer Nasenklammer nach Anleitung zusammensetzen soll. Das müsse hygienisch erfolgen. Verpackt sind die Masken aber im Multipack zu Hunderten. „Wir sind eh dünn besetzt“, so Stein, die mit ihren Kolleginnen in den Einrichtungen schon so als Hygiene-Hüter auftreten müssen.

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Marianne Ludwig-Rosenstock legte einen Brief bei. Darin schrieb sie: „Ich würde mich freuen, wenn wir diese Masken fertig gebastelt zurück bekämen. Mit freundlichen Grüßen.“

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