Kirchenkreis: Kita-Schließungen drohen in Castrop-Rauxel

dzKinderbildungsgesetz

Wenn das Land das Kinderbildungsgesetz nicht nachbessert, könnte es aus Sicht des Evangelischen Kirchenkreises zu Kita-Schließungen kommen. Der Kirchenkreis hat in Castrop-Rauxel neun Kitas.

Castrop-Rauxel

, 16.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die NRW-Landesregierung hat die Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) auf den Weg gebracht und wird dafür in Zukunft mehr Geld ausgeben. Das hört sich erst mal gut an. Aber vor Ort werden Mehrausgaben gefürchtet. So übt Superintendent Reiner Rimkus vom Evangelischen Kirchenkreis grundsätzliche Kritik an dem Ergebnis, „da auch alle freien Träger draufzahlen müssen.“

Zusätzliches Geld hilft Trägern nicht

Grundsätzlich hatten die freien Träger ein verändertes System des KiBiz gefordert, um vor Ort angesichts der geforderten hohen Qualitätsstandards eine auskömmliche Finanzierung zu bekommen. Eine Systemveränderung habe es aber nicht gegeben. „Ein großer Teil der zusätzlichen Gelder fließt (ohne soziale Staffelung) in ein beitragsfreies Kindergartenjahr. Das mag die Eltern freuen, das hilft den Trägern aber nicht“, sagte der Superintendent.

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Dieses Geld hätte seiner Ansicht nach in eine weitere Verbesserung der Betreuungsqualität fließen sollen. Zudem seien die Kindpauschalen bei weitem nicht ausreichend zur Finanzierung der im Gesetzentwurf vorgesehenen Personal- und Sachausstattung. „Eine höhere Finanzierung seitens des Landes führt (weil das bisherige System beibehalten wurde) grundsätzlich auch zu einem höheren Trägeranteil“, erläutert Rimkus.

Existenz von Einrichtungen im Kirchenkreis gefährdet

„Relativ – was den prozentualen Anteil betrifft – wird er niedriger angegeben als vor dem neuen KiBiz, absolut gesehen erfordert das vor Ort aber deutlich höhere Ausgaben, die wir in unserer Gesamtfinanzplanung für die nächsten Jahre, in denen wir auch mit einem Rückgang der Kirchensteuern rechnen müssen, nicht aufbringen können.“

„Wie bisher bleiben wir auf freiwillige kommunale Zuschüsse angewiesen, um eine auskömmliche Finanzierung hinzubekommen“, beklagt Rimkus. „Der Gesetzentwurf zum neuen KiBiz in dieser Form gefährdet die Existenz von Einrichtungen im Kirchenkreis Herne“, betont Reiner Rimkus.

Schließungen drohen in den nächsten Jahren

Und dann redet Rimkus Klartext: „Um es deutlich zu sagen: „Wir brauchen dringend eine Nachbesserung im KiBiz; sollte es die nicht geben, werden wir in den nächsten zwei bis drei Jahren Einrichtungen schließen müssen.“ Und das könnte bitter werden, denn Kita-Plätze sind bekanntlich ein rares Gut in Castrop-Rauxel. Und wenn Neubaugebiete wie nördlich der Heerstraße oder auf dem Gelände von Drabig-City in Ickern hinzu kommen, werden noch viel mehr Kindergartenplätze benötigt als heute.

Der Evangelische Kirchenkreis betreibt in Castrop-Rauxel folgende Einrichtungen:

  • Kindertageseinrichtung am Stadtmittelpunkt Kinder-Garten Eden, Europaplatz 1 a
  • Kindertageseinrichtung Senfkorn, Wartburgstraße 11
  • Tageseinrichtung Regenbogenhaus, Am Weißdorn 3
  • Dorfkindergarten Pöppinghausen, Pöppinghauser Straße 160
  • Kindergarten „Die Arche“, Emscherbruch 60a
  • Kindergarten „Unterm Sternenhimmel“, Brückenweg 27
  • Kindergarten Stephanus Haus, Familienzentrum „Vier gemeinsam“, Borghagener Straße 167
  • Kindergarten Volltreffer, Marienstraße 3a
  • Noah-Kindergarten, Alleestraße 2a

Hinzu kommt die Tageseinrichtung für Kinder am EvK, Grutholzallee 49, die von der Krankenhausgemeinschaft des Kirchenkreises getragen wird.

Rimkus: Katholisches Dekanat Emschertal teilt die Kritik

Wie Rimkus mitteilt, teilten Vertreter des katholischen Dekanats Emschertal übrigens seine Kritik an der Reform des Kinderbildungsgesetzes.

Die Katholische Kirche ist in Castrop-Rauxel Träger von zwölf Kita-Einrichtungen. Dazu kommen zwei Kitas des Caritasverbandes. Damit stellen die beiden großen christlichen Kirchen 24 der insgesamt 41 Kindertagesstätten in der Stadt. Der Rest wird betrieben von der Stadt selbst (7), der AWO (4) sowie von anderen Trägern (6).

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