Die Stiko hat eine neue Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche herausgegeben. © picture alliance/dpa
Impf-Empfehlung

Kinderarzt aus Castrop-Rauxel zur Stiko-Empfehlung: „Finde ich natürlich gut“

Die Stiko gibt eine neue Impf-Empfehlung für Kinder und Jugendliche heraus. Sie basiert auf Daten von 10 Millionen Geimpften. Ein Kinderarzt aus Castrop-Rauxel ordnet die Neuerungen ein.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat am Montag (16.8.) ihre Corona-Impfempfehlung aktualisiert. Ab jetzt gilt für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren eine allgemeine Impfempfehlung mit dem Biontech-Impfstoff.

Impfen lassen konnten Eltern ihre Kinder zwar bereits seit Anfang Juni. Eine explizite Empfehlung gab es aber nur bei Vorerkrankungen oder Risiko-Patienten im persönlichen Umfeld, außerdem für Jugendliche, die durch ihren Beruf ein hohes Ansteckungsrisiko hatten.

Neue Empfehlung bedeutet mehr Klarheit für Eltern

„Die neue Empfehlung der Stiko finde ich natürlich sehr gut, weil sie endlich zu Klarheit führt“, sagt der Castrop-Rauxeler Kinderarzt Frank Westerhaus. „Wir können jetzt impfen, wie wir es sowieso schon von Anfang an getan haben, aber es gibt endlich keine Diskussionen mehr über die Empfehlungen.“

In seiner Praxis in Castrop impft Westerhaus an zwei Nachmittagen die Woche, seit der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer in der EU für Kinder und Jugendliche zugelassen ist. Ende Juli sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion, auch 12- bis 17-Jährige ohne Vorerkrankungen wollten sich bei ihm impfen lassen, weil die Impfung für sie langersehnte Freiheit bedeute.

„Mein Standpunkt war die ganze Zeit über, dass wir auch Kinder impfen müssen“, betont Westerhaus nach der Bekanntgabe der neuen Impfempfehlung erneut. „Denn sie sind indirekt noch stärker von dem Virus betroffen als Erwachsene.“

Nachteile schnellstmöglich auffangen

Unter einem Mangel an Sozialkontakten bei geschlossenen Schulen leiden alle Kinder. „Ganz besonders schwer haben es aber Kinder mit sozialen Schwierigkeiten“, sagt Westerhaus. Viele Einrichtungen seien geschlossen. „Und versuchen Sie mal, Logopädie mit einem Arabisch sprechenden Kind über Zoom zu machen.“ Gerade im multikulturellen Ruhrgebiet sei es wichtig, solche Nachteile schnellstmöglich aufzufangen.

Abgesehen davon seien aber auch bei Kindern und Jugendlichen die Corona-Verläufe nicht immer leicht. „So eine heftige Grippe habe ich noch nicht gesehen“, sagt Westerhaus. Der Unterschied zu älteren Menschen mit schweren Verläufen sei, dass ansonsten gesunde Kinder die Krankheit auch bei schweren Symptomen überleben würden.

Stiko ist bei Kindern besonders vorsichtig

Aber warum kommt die Impfempfehlung für Jugendliche dann erst so spät? „Die Stiko prüft die Impfstoffe wissenschaftlich sehr genau und ist gerade bei Kindern und Jugendlichen mit ihren Empfehlungen extrem vorsichtig“, sagt Westerhaus.

Grundsätzlich sei das auch gut so, findet er.

„In diesem besonderen Fall hätte man die Entscheidung aber etwas schneller treffen können. Die Pandemie ist ein Riesenproblem. Hier geht es nicht um 100 Kinder im Jahr, die an einer seltenen Hirnhautentzündung erkranken, sondern um Millionen Tote weltweit.“

Die neuen Daten, die Grundlage für die Änderung der Empfehlung sind, kommen laut der Stiko zum Großteil aus dem amerikanischen Impfprogramm mit mehr als 10 Millionen Kindern und Jugendlichen. Sehr selten treten demnach, meist bei männlichen Jugendlichen, als Nebenwirkung Herzmuskelentzündungen auf. Die Verläufe seien jedoch mit der richtigen medizinischen Versorgung unkompliziert. Weitere schwere Nebenwirkungen habe man bei Kindern und Jugendlichen nicht beobachtet.

Ähnlich wie Westerhaus betont auch die Stiko bei der Änderung ihrer Empfehlung, dass es nicht nur darum gehe, die Kinder vor dem Coronavirus selbst, sondern auch vor psychosozialen Folgen der Kontaktbeschränkungen zu schützen.

Impfpartys können die Kinderärzte nicht stemmen

Frank Westerhaus hat im Juni Impfpartys an Schulen als Mittel zur Beschleunigung der Impfungen vorgeschlagen. Solche Impfaktionen könnten die Castrop-Rauxeler Kinderärzte aber momentan nicht stemmen. „Wer soll das machen? Dafür müssen die Länder zuständig sein“, sagt er.

Er selbst will weiterhin zweimal wöchentlich nachmittags impfen, auch Nicht-Patienten. „Obwohl wir in der Praxis nicht die logistischen Möglichkeiten eines Impfzentrums haben, klappt das gut.“ Zum Kinderarzt könne prinzipiell jeder kommen, um sich impfen zu lassen, seit es keine Lieferengpässe für Biontech/Pfizer mehr gebe.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky

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