Nun steht offiziell fest: Auch in der nächsten Woche wird es für die allermeisten Schülerinnen und Schüler in Castrop-Rauxel Distanzunterricht geben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Coronavirus

Keine Antwort vom Land: Stadt empfiehlt jetzt Schulen Distanzunterricht

Schulen und Familien in Castrop-Rauxel wussten lange nicht, wie es weitergeht. Die Entscheidung des Landes zum Schulunterricht steht aus. Kreis und Stadt warten jetzt nicht mehr ab.

Anmerkung: Die in diesem Text von Freitagnachmittag geschilderte Situation ist teilweise überholt. Den aktuellen Sachstand lesen Sie hier:

Die meisten Kinder haben in der ersten Woche nach den Ferien aus der Distanz gelernt. Ab Montag (19.4.) sollte offiziell ein Wechselunterricht mit Präsenz und Distanz starten. Der Kreis Recklinghausen hat allerdings bei Schulministerin Gebauer beantragt, wegen der hohen Inzidenz weiter im Distanzunterricht zu bleiben. In den Schulen wurde händeringend auf eine schnelle Nachricht aus Düsseldorf gewartet. Jetzt gibt es Empfehlungen.

Nun wartet der Kreis nicht mehr: Er hat am Freitag (16.4.) um 12 Uhr bekannt gegeben, dass die Berufskollegs, die in eigener Trägerschaft sind, in der kommenden Woche im Distanzunterricht bleiben. Ausgenommen von der Regelung sind Abschlussklassen.

Auch die Stadt ist später gefolgt. In einer Pressemitteilung hat sie am Freitag erklärt, dass auch Bürgermeister Rajko Kravanka den Schulen empfiehlt, den Distanzunterricht beizubehalten. Anordnen kann er das nicht. So sollen Schüler, Eltern und Schulen Planungssicherheit wenigstens mit dem Vorlauf übers Wochenende haben, so die Stadt.

„Für ein, zwei Tage aus formalen Gründen in den Wechselunterricht zu gehen und dann wieder alles dicht zu machen, das ist sinnlos und in Anbetracht der Infektionslage sogar fahrlässig“, schließt sich Bürgermeister Rajko Kravanja der Argumentation des Landrats an. Die Stadtverwaltung kontaktierte die Schulleitungen per Mail mit der Bitte, ab dem kommenden Montag im Distanzunterricht zu bleiben. Die ersten Schulen informieren bereits die Schüler und Eltern.

„Weil die Zeit rennt und die Lage sich so zugespitzt hat, haben wir die Entscheidung für die Schulen des Kreises heute getroffen und empfehlen den Bürgermeistern, dies auch an ihren Schulen umzusetzen“, so hatte Bodo Klimpel sich in der Pressemitteilung des Kreises geäußert. Noch am frühen Mittag hatte die Stadt Castrop-Rauxel auf die ausstehende Entscheidung des Landes verwiesen.

In zwei weiterführenden Schulen hatten wir bereits am Vormittag exemplarisch nachgefragt. Ergebnis: Im Ernst-Barlach-Gymnasium würde man gerne den Distanzunterricht weiterführen. „Das Distanzlernkonzept funktioniert gut“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Dr. Mirja Beutel. Problematisch sei es, dass man jetzt wieder etwas in kurzer Zeit umsetzen müsse. „Wir hätten gerne eine langfristigere Handlungsperspektive.“

„Das ständige Hin und Her ist unglaublich belastend“

Sie erläutert: „Wir wollen gerne im Distanzunterricht bleiben, bis man bei einem moderaten Inzidenzverlauf in einen geordneten Wechselunterricht übergehen könnte. Der müsste dann aber möglichst bis zu den Sommerferien aufrechterhalten werden. Das ständige Hin und Her ist für die Schulen, die Lehrkräfte und Familien unglaublich belastend.“

Die Planungssicherheit war auch einer der Gründe, die Landrat Bodo Klimpel in seinem vom Kreis und den zehn Städten getragenen Antrag an das Land aufführt. Im Vorfeld hatte in Castrop-Rauxel Bürgermeister Rajko Kravanja das Meinungsbild an den weiterführenden Schulen bei einem Zoom-Meeting abgefragt.

Joachim Höck, Schulleiter des Adalbert-Stifter-Gymnasiums, kann es aufgrund der Infektionslage gut verstehen, wenn es beim Distanzunterricht bleibt. Die Schule hat am Nachmittag auf ihrer Homepage informiert, dass es für die Jahrgangsstufen 5 bis EF beim Distanzunterricht bleibt. Im Wechselunterricht wäre es so geblieben, wie es vor den Osterferien praktiziert wurde: Die Sekundarstufe wechselte tageweise, alle anderen wochenweise.

Zwei Drittel des Abiturjahrgangs blieben lieber zu Hause

Ein Blick auf den Abiturjahrgang zeigt beispielhaft, wie Schüler die Lage sehen. Die Q2-Schüler hatten bereits in der nun abgelaufenen Woche Präsenzunterricht. Am ASG wurde ihnen allerdings die Wahl gelassen. Ergebnis: „Zwei Drittel sind zu Hause geblieben“, so Joachim Höck. Das konnte funktionieren, weil die Lehrer in der Schule alle anderen Schüler per Video zuschalteten.

„Die Qualität des Distanzunterrichts steht der des Präsenzunterrichts nicht nach“, sagt Joachim Höck. Allerdings begrenzen technische Voraussetzungen die Möglichkeiten. „Wir können das maximal für fünf Kurse gleichzeitig machen“, so der ASG-Schulleiter. Wenn also alle Klassen irgendwann wiederkommen, ist diese Form des Hybridunterrichts nicht möglich.

Lehrer wollen Impfung, um im Unterricht geschützt zu sein

Auch am EBG kamen nicht alle Q2-Schüler in die Schule. „Am Anfang der Woche waren es etwa je die Hälfte. Im Laufe der Woche haben sich weitere Schüler abgemeldet“, berichtet Mirja Beutel. Auch hier funktioniert der Unterricht per Videoschalte gut. Einige Schüler, so die stellvertretende Schulleiterin, würden sogar Hybridunterricht generell bevorzugen, also immer von zu Hause aus den Unterricht des Lehrers per Video verfolgen.

Angesichts des irgendwann wieder startenden Präsenzunterrichts ist Mirja Beutel noch etwas wichtig. Sie spreche da für viele Kollegen, sagt sie: „Ein Anliegen ist es, dass auch Lehrer an weiterführenden Schulen schnell geimpft werden. Wenn man die Lehrer an die Front schickt, muss man auch dafür sorgen, dass sie geschützt sind.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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