Lea Lauren Becker mit ihrer Mama Ivonne Radmacher-Becker. Die beiden Ickernerinnen arbeiten in der Altenpflege und sind schon einmal gegen Corona geimpft worden. Donnerstag aber blieb ihnen der Zugang zum Impfzentrum verwehrt. © Becker
Coronavirus

Keine Absage erhalten: Pflegerin sauer über Impfausfall im Impfzentrum

Hätten sie das wissen müssen? Der Kreis Recklinghausen teilte nach dem Impfstopp mit, dass Donnerstag nicht geimpft werde. Zwei Castrop-Rauxelerinnen standen am Impfzentrum. Sie sind sauer.

Das Impfzentrum Recklinghausen hat die Termine für die Zweitimpfung von Biontech nicht eingehalten! Mit dieser Beschwerde wendete sich Ivonne Radmacher-Becker am Donnerstagabend an unsere Redaktion. Die Castrop-Rauxelerin schrieb: „Die Leute wurden heute einfach wieder weggeschickt, obwohl diese Termine seit über vier Wochen feststanden. Man sagte mir dort, 30 Termine würden nicht die Kosten decken, die die ganzen Mitarbeiter kosten.“

So abgespeist, war sie sauer. Sie sei Altenpflegerin und hätte selbst eine Impfdosis Astrazeneca bekommen sollen. Dass ihr Termin ausfiel, war klar, denn alle Impfungen mit diesem Impfstoff waren durch eine Verordnung der Bundesregierung seit Montagnachmittag ausgesetzt. Aber ihre Tochter Lea Lauren Becker sollte eigentlich den Biontech-Impfstoff verabreicht bekommen. Die 16-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr zur Altenpflegerin, arbeitet ebenfalls in der ambulanten Pflege und bekam die erste Dosis am 15.2.

„Ich finde es nicht korrekt“

„Selbst wenn die Astra-Impfungen ausfallen, finde ich ist es nicht korrekt, auch die anderen abzusagen“: Das sagt Ivonne Radmacher-Becker. Der Kreis Recklinghausen dagegen erklärt auf Anfrage unserer Redaktion die Hintergründe und findet: Die Absage sei hinreichend kommuniziert worden.

In einer ausführlichen Stellungnahme heißt es: „An allen anderen Tagen in der Woche werden etwa 1000 Impfungen an Bürger ab 80 Jahren verabreicht. Donnerstag waren etwa 60 solcher Biontech-Termine geplant.“ Der Donnerstag ist im Impfzentrum eigentlich gefährdeten Berufsgruppen vorbehalten – eben unter anderem Altenpflegern. Die aber erhalten normalerweise Astrazeneca. „Durch den Stopp der Impfungen mit Astrazeneca hat die Leitung entschieden, dass das Impfzentrum am Donnerstag geschlossen bleibt“, so Kreis-Sprecherin Lena Heimers am Freitag in der Stellungnahme.

Absagen wurden auch per Mail und Telefon mitgeteilt

Diejenigen, die einen Termin vereinbart hatten – sowohl für die Impfung mit Astrazeneca als auch Biontech – seien per E-Mail oder telefonisch informiert worden. Die meisten Biontech-Termine seien auf Mittwoch vorgezogen oder auf den Freitag danach verlegt worden. In 23 Fällen habe der Kreis RE aber keine Kontaktdaten von der KVWL übermittelt bekommen.

Durch eine aufwendige Recherche habe das Team des Impfzentrums noch fünf Telefonnummern herausgefunden, „in 18 Fällen war dies aber leider nicht möglich“, so Heimers. Um auch diese Personen zu erreichen, veröffentlichte der Kreis eine Pressemeldung und nutzte alle eigenen Kanäle und die Medien, um die Information zu verbreiten, dass Donnerstag geschlossen sei.

Das Impfzentrum wurde im Frühwinter in Recklinghausen errichtet. Im Januar ging es in Betrieb. Dort können auf dem Konrad-Adenauer-Platz bis zu 2000 Personen an einem Tag geimpft werden.
Das Impfzentrum wurde im Frühwinter in Recklinghausen errichtet. Im Januar ging es in Betrieb. Dort können auf dem Konrad-Adenauer-Platz bis zu 2000 Personen an einem Tag geimpft werden. © Kreis Recklinghausen © Kreis Recklinghausen

Am Ende erreichte diese Info die Beckers nicht. Der Wachschutz vor Ort sei tatsächlich einigen „wenigen Personen“, so Heimers, begegnet, die diese Nachricht nicht erreicht hatte. „Wir wurden weder per Mail noch per Telefon informiert, auch habe ich nichts dergleichen auf der Website des Kreises gefunden noch bei Radio Vest gehört“, sagt Ivonne Radmacher-Becker. Da ihre Tochter minderjährig ist, sei sie bei allen Schritten dieser Impfung bei Lea Lauren gewesen.

„Als wir ein Parkticket ziehen wollten, kam ein älterer Herr mit seiner Frau auf mich zu und teilte mir mit, dass sie wieder weggeschickt worden seien“, sagt Ivonne Radmacher-Becker. Später sei sie zwei weiteren Personen begegnet, die sich sehnlichst ihre Dosis Biontech-Impfstoff erhofft hatten.

„Natürlich wird auch ihnen zeitnah ein neuer Termin ermöglicht, sie müssen diesen nicht selbst vereinbaren“, sagt Sprecherin Lena Heimers nun. Es könnte also nächste Woche zu einem Impf-Happy-End kommen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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