Kapitaler Fehler der Politik kostet die Castrop-Rauxeler 1 Million Euro

dzKlare Kante

Am alten Fuhrpark-Gelände beweist sich wieder, welchen Fehler die Politik mit dem GeWo-Verkauf gemacht hat. Ein Fehler, den der Steuerzahler mit über 1 Million Euro teuer bezahlen muss.

Castrop-Rauxel

, 24.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man gönnt sich ja sonst nichts, könnte man der Stadt Castrop-Rauxel ins Stammbuch schreiben, wenn man sich näher mit dem alten Fuhrparkgelände an der Herner Straße beschäftigt.

Jahrelang musste die Stadt mit Haushaltssicherungskonzepten darum ringen, überhaupt noch halbwegs handlungsfähig zu bleiben. An allen Ecken und Enden musste gespart und eingeschränkt werden. Und dann leistet sich die Stadt gleichzeitig ein 11.000 Quadratmeter großes Areal in innenstadtnaher Lage als Spielplatz für Jugendliche und andere ungebetene Besucher, die das Fuhrparkgelände für Partys, Abenteuerspiele oder was auch immer benutzen.

Gelände steht seit 2008 quasi leer

„Die letzte städtische Nutzung des Fuhrparkgeländes an der Herner Straße endete 2008 mit dem Auszug des Baulagers zum EUV-Betriebshof“, schreibt die Stadt dazu lapidar. „Zur Zeit werden interne Überlegungen zur weiteren Nutzung aufgestellt.“ Denn das Gelände sei ja nur gepachtet.

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Hallo, geht es noch? Das Gelände steht also seit 2008 quasi leer, unterbrochen nur durch eine offenbar wenig rühmlich Unterverpachtung an einen GaLa-Bauer. Seit zwölf Jahren zahlt die Stadt also brav Jahr für Jahr 20.000 Euro Erbpacht, wie man dem CDU-Politiker Michael Schneider erzählt hat. Und das geht noch 41 Jahre so weiter, bis der Erbpachtvertrag ausläuft? 53 Jahre mal 20.000 Euro: das sind unter dem Strich 1,06 Millionen Euro.

Steuergelder, die da für eine vergammelnde, verrottende Brachfläche in den Sand gesetzt werden. Steuergelder, die die Verpächterinnen natürlich gern und ohne mit der Wimper zu zucken einstreichen. Es ist aber Geld, das in einer klammen Stadt wahrlich für weit bessere Zwecke eingesetzt werden könnte.

Dobrindt setzt auf neue Stadtentwicklungsgesellschaft

Heiko Dobrindt, lange Jahre Technischer Beigeordneter der Stadt, erläuterte jetzt, dass es in seinen vielen Jahren Amtszeit viele Gespräche und aussichtsreiche Verhandlungen gegeben habe, um das Gelände anderweitig und höherwertig nutzbar machen zu können.

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„Dass die Baureifmachung der Fläche zu Kosten in Millionenhöhe aus dem Kommunalhaushalt nicht geleistet werden konnte, ist der finanziellen Situation der Stadt geschuldet gewesen“, so Dobrindt.

Er setzt seine Hoffnung nun auf die neue Stadtentwicklungsgesellschaft. Denn das Gelände sei für eine Wohnbebauung, „auch mit Geschosswohnungsbau im öffentlich geförderten Sektor, hervorragend geeignet“.

GeWo-Verkauf war ein schlimmer Fehler

Hier rächt sich also wieder einmal der Schritt der Stadt, sich aus dem selbst gesteuerten Wohnungsbau über die frühere städtische GeWo verabschiedet zu haben. 2001 hatte man die GeWo an die LEG verkauft, nur eine Minderheiten-Beteiligung von 3 Prozent gehalten. Was damals segensreich schien, ist der Stadt krachend auf die Füße gefallen. Schon 2004 sagte Johannes Beisenherz im Bürgermeister-Wahlkampf: „Unsere Zustimmung zum GeWo-Verkauf war ein historischer Fehler.“

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An allen und Ecken fehlt der Stadt die Möglichkeit, regulierend in den Wohnungsmarkt einzugreifen, ist man privaten Gesellschaften ausgeliefert, die ihre Objekte ausbeuten und Mieter mit teils maroden Wohnungen quälen.

Das Grundstück des Fuhrparks grenzt unmittelbar an das ehemalige Schlachthofgrundstück an der Bladenhorster Straße. Als der Schlachthof in Konkurs ging, wurde das fast 100 Jahre alte Schlachthofgebäude vom EUV zurückgebaut und die mit Schadstoffen belasteten Böden grundlegend saniert. Im Anschluss daran wurde das Grundstück von der damaligen GeWo erworben und mit 110 Mietwohnungen bebaut.

Wenn die GeWo damals schon aufgelöst gewesen wäre, hätte das Schlachthofgrundstück vermutlich das gleiche Schicksal erlebt wie das Fuhrparkgrundstück es nun erlebt. Weitsichtige Städtebaupolitik, schonender Umgang mit den Bodenressourcen einer Stadt und sorgsamer Umgang mit den Steuergeldern der Bürger sieht wahrlich anders aus. Da haben Politiker und Verwaltungsfachleute in Castrop-Rauxel viele Möglichkeiten und viel Geld verplempert. Unser Geld.

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