Kanadagänse übernehmen in den Parks das Zepter

CASTROP-RAUXEL Nordamerikanische Gänseart vermehrt sich stark und verdrängt andere Vögel aus dem Stadtgebiet. Sie gelten als handzahm und haben fast keine natürlichen Feinde.

von Von Christoph Witte

, 19.07.2008, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Flauschig, aber Wasserschützern ein Dorn im Auge: Junge Kanadagänse am Gondelteich.

Flauschig, aber Wasserschützern ein Dorn im Auge: Junge Kanadagänse am Gondelteich.

Gewässerwart August Wundrok will alleine im September vor zwei Jahren 127 der ursprünglich aus Nordamerika stammenden Gänse auf dem Gondelteich im Stadtgarten gezählt haben. „Derzeit haben wir vier Familien mit 22 Vögeln dort. Wenn die Jungen bald flügge sind, kommen aber sicherlich ganz viele andere hinzu“, meint der Naturschützer.

So schön die großen Vögel mit ihrem schwarzen Hals und den weißen Wangen ja anzusehen sind, so bedrohlich sind sie für die heimische Flora und Fauna. So reißen die Kanadier die Teichrosen heraus, knabbern sie an, stellen fest, dass sie nicht schmecken und lassen sie liegen. „Das verstopft uns den ganzen Überlauf“, ärgert sich Wundrok. Auch andere Vögel sind Leidtragende der neuen Bewohner: Graugänse etwa, die normalerweise hier heimisch sind, hat Wundrok schon länger nicht mehr auf den Stadtteichen gesehen. „Die werden verdrängt, genauso wie die Kanadagänse Teichhühner, Blesshühner und Stockenten angreifen.“

Gegenüber dem Menschen erweisen sich die Wasservögel als handzahm, nehmen gerne Futter entgegen. Laut Wundrok ist das der Keim des Übels: „Gänse sind eigentlich Grünfutterfresser, werden aber trotz Verbots von den Menschen gefüttert. Ist doch klar, dass die bleiben.“ Udo Kirchner im Ordnungsamt ist eine Gänseinvasion noch nicht untergekommen: „Ich kann Herrn Wundrok verstehen, aber von Bürgerseite – und das ist der für mich entscheidende Indikator – gab es noch keine Beschwerden.“

Viel tun kann die Stadt nicht gegen die Gänse. Zwar dürfen sie seit 2006 vom 1. November bis 15. Januar bejagt werden, was im Kreis auch getan wird. „Doch in den Innenstädten ist das nicht einfach“, sagt Udo Kirchner. In solch befriedeten Bezirken benötigt man eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Jagdbehörde. Udo Kirchner hegt Zweifel, dass die Bevölkerung eine konzertierte Aktion überhaupt gutheißen würde. „Vor 20 Jahren hatten wir einen ähnlichen Fall mit zu vielen Stockenten-Erpeln. Da gab es wegen der Schusswaffen Widerstände.“

Andere Methoden wie einfangen und aussetzen wären nicht von Erfolg gekrönt. „Die sind in zwei Tagen wieder da“, so Kirchner. Trickreich wäre, den Gänsen Porzellaneier unterzujubeln, wie es in einigen Städten schon gegen die Taubenplage getan wird.   „Doch dazu müssten wir extra Nistplätze anbieten“, sagt Kirchner. „Und das würde die Situation ja konterkarieren.“

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