Gleich in größeren Gruppen verlassen die Kanadagänse den Stadtgarten und laufen durch die Umgebung – wie im Sommer durch die Straße Am Stadtgarten. © Natascha Jaschinski

Kampf der Kanadagans: Warum es erst im Frühjahr richtig losgeht

Die Kanadagänse im Stadtgarten sind eine Plage. Doch wie es mit Plagen so ist: Sie gehen selten schnell wieder weg. Denn die Natur hat ihr eigenes Tempo. Und dann ist ja auch noch Corona.

Im Sommer haben wir häufig darüber berichtet: Über die vielen, viel zu vielen Kanada- und Nilgänse, die den Stadtgarten von Castrop-Rauxel erobert haben, die sich im Gondelteich breit machen. Sie laufen bis in die umliegenden Gärten hinein. Sogar durch die Castroper Altstadt sind schon kleine Gänsefamilien spaziert.

Das mag auf den ersten Blick lustig sein, vielleicht sogar süß aussehen. Für alle, die Gans-Besuch bekommen, ist es das aber ganz und gar nicht. Denn die Tiere können aggressiv sein. Und sie sind laut. Auch nachts. Sie fressen Blumen ab. Und vor allem machen sie überall hin. Der Kot im Gondelteich lässt die Algen wuchern, dadurch droht der Teich immer mal wieder zu „kippen“. Ganze Gärten sind voll Gänsekot. Das will keiner.

Die Gänse machen es sich in den Gärten und Vorgärten bequem.
Die Gänse machen es sich in den Gärten und Vorgärten bequem. © Julia H. © Julia H.

CDU: Wir brauchen einen Arbeitskreis

Anwohner beschwerten sich. Und so hat die Politik das Problem im Sommer schließlich dringlicher gemacht. Mitten im Kommunalwahlkampf forderte CDU-Fraktionschef Michael Breilmann, einen „interfraktionellen Arbeitskreis“ zu gründen und einen „effektiven“ Maßnahmenkatalog zur Reduzierung der Kanada- und Nilgansbestände rund um den Gondelteich vorzulegen.

Vorbild sollte die Stadt Düsseldorf sein. Auch die hat ein Gans-Problem, aber schon Erfolge erzielt. Gelegemanagement heißt das Zauberwort. Die Kernidee: Man nimmt gezielt Eier aus den Nestern der Schwäne, ersetzt sie durch Attrappen und mindert so den Bestand. Man siedelt Höckerschwäne an als natürliche Konkurrenten und startet eine Bitte-nicht-füttern-Kampagne.

Soweit, so gut. Und was ist dann in Castrop-Rauxel passiert? Die überparteiliche Runde hat sich im Sommer getroffen und es „wurden verschiedene Ansatzpunkte vereinbart, um die Situation im Stadtgarten im Bezug auf die Anzahl der Kanada-Gänse zu verbessern“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt. Als da wären: Aufklärung über die Fütterungsproblematik, Eingriffe ins Gelege und Umgestaltung der Rasenflächen im Stadtpark.

1000 Flyer gedruckt – aber fast noch keinen verteilt

Passiert ist davon aber bisher: noch nichts. So gut wie nichts. Ein Flyer wurde aufgelegt, der darauf hinweist, die Gänse nicht zu füttern, da sonst noch mehr Tiere angelockt werden und der Stadtgarten erst recht als Nist- und Lebensraum attraktiv gemacht werde. 1000 Stück sind laut Stadt gedruckt, aber verteilt sei so gut wie keiner, heißt es.

Füttern verboten: Mit einem Flyer will die Stadt aufklären, dass Kanadagänse nicht gefüttert werden sollten.
Füttern verboten: 1000 Flyer hat die Stadt Castrop-Rauxel drucken lassen, um darauf hinzuweisen, dass Kanadagänse nicht gefüttert werden sollten. © Jaschinski, Natascha © Jaschinski, Natascha

Eigentlich sollten sie in umliegenden Restaurants wie dem „Panorama“, dem Seniorenzentrum am Stadtgarten und im Stadtgarten selbst unter die Leute gebracht werden. Doch wegen Corona „habe man noch gar nicht recht angefangen“, sagt Pressesprecherin Nicole Fulgenzi. Der Kommunale Ordnungsdienst habe nun anderes zu tun, als über die Spielplätze zu ziehen und Bitte-nicht-füttern-Flyer zu verteilen.

Die Pandemie – den Gänsen spielt sie in die Karten.

Bodendecker pflanzen, Eier entfernen

Und die Natur auch. Denn: „Die meisten Maßnahmen sind eher was fürs Frühjahr“, sagt Fulgenzi. Eine Idee lautet: Der Stadtgarten soll nicht mehr so gänse-gemütlich sein. Denn so eine Gans habe es gerne, wenn sie vom Rasen aus direkt ins Wasser gleiten könne, erklärt die Stadtsprecherin.

Klappe das nicht so geschmeidig, fühle sie sich nicht so wohl. Daher seien Barrieren geplant. Bodendecker sollen beispielsweise gepflanzt werden, über die Gänse nicht so gern hinweglaufen. Doch wann pflanzt man Blumen? Genau: Im Frühjahr.

Und auch im Frühjahr erst kann man das schwerste Geschütz gegen die Gänse auffahren: die Entnahme von Gänseeiern aus den Nestern. Vorher legt eine Gans nun mal keine Eier. Es heißt also: warten. Immerhin habe der Angelverein Docas-Blinker zugesagt, dass sie der Stadt beim Eier-Austausch helfen wollen, sagt Fulgenzi.

Irgendwann werde sich auch der Gänse-Arbeitskreis wieder treffen. Fulgenzi: „Ein konkretes Datum steht aber noch nicht fest.“ Die Gans in Castrop-Rauxel hat Winterschonfrist.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Ist fürs Journalistik-Studium vor 20 Jahren nach Dortmund gezogen und hat danach jahrelang in der Nachrichtenredaktion gearbeitet. Lebt schon lange im Dortmunder Westen und freut sich, hier und in Castrop-Rauxel auch journalistisch unterwegs zu sein.
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Natascha Jaschinski

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