Jörg Schlösser über die Showbranche, Homosexualität und einen TV-Auftritt

dz„Beat the Box“

Jörg Schlösser ist Terrortucke, Entertainer, Veranstalter. Ohne bodenständigen Hauptjob wäre das in Corona-Zeiten eine Katastrophe. Hier redet er über Kollegen, Homosexualität und Vox.

Castrop-Rauxel

, 03.11.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jörg Schlösser ist Entertainer, „Terrortucke“, Veranstalter der Aids-Gala und hauptberuflich bei einem Dienstleistungsunternehmen der Sparkasse tätig. „Ich bin heilfroh, dass ich und mein Mann Karsten unsere Jobs trotz der vielen Verpflichtungen im Showgewerbe nicht aufgegeben haben“, sagt Schlösser im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ihr Problem: Die Corona-Pandemie hat in der Unterhaltungs- und Veranstaltungsbranche übel zugeschlagen. An Auftritte, Shows, Galas ist derzeit nicht zu denken. Die Aids-Gala, die im November stattgefunden hätte, ist schon lange angesagt. „Ich hoffe nur, dass wir die Gala 2021 wieder veranstalten können“, hofft Jörg Schlösser.

Für die Branche ist Corona bitter

Er will aber nicht jammern. „Ich bin froh, dass wir gesund sind. Das Virus hat sich keiner gewünscht, aber wir müssen damit leben“, sagt der 53-Jährige. „Aber für Gastronomen und die Veranstaltungsbranche insgesamt ist das natürlich schon bitter.“

In der Branche, auch und gerade in der Trash-Szene, in der sich die Schlössers, die seit 2018 verheiratet sind, mit ihren Terrortucken viel bewegen, räche es sich nun, dass viele nach schnellen kleinen Erfolgen oder einer einzigen CD ihren Job geschmissen und ganz auf die Showbranche gesetzt hätten. „Da könnte ich im Strahl kotzen, was da teilweise abgelaufen ist“, erklärt Schlösser. „Wenn wir davon leben müssten, hätte ich mir längst einen Putzjob gesucht.“

Aber mit seinem Einkommen und dem seines Ehemannes Karsten, der beim Castroper Friseurbetrieb Wagener an der Wittener Straße als Hairstylist arbeitet, kommen sie aus: Sie sind bodenständig geblieben in einer Branche, die sehr schrill, bunt und laut daher kommt. Manchmal zu schrill, wie Jörg Schlösser findet.

Mancher Kollege schade mehr

„So mancher Homosexuelle, der da mit schrägen Nummern unterwegs ist, schadet uns mehr als uns lieb ist“, berichtet er von seinen Erfahrungen. Darum sei es ihm und auch Karsten Schlösser wichtig, möglichst normal rüber zu kommen. „Denn wir sind ja ganz normale Menschen“, so Schlösser.

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Das gilt auch für die Teilnahme an der neuen Staffel der Vox-Reihe „Beat the Box“, in der die Schlössers ab dem 15. November sonntags um 19.15 Uhr zu sehen sein werden. In dieser als „Quiz-Doku“ verkauften Sendereihe erleben Freunde, Paare oder Familien einen ganz besonderen Spieleabend. In den eigenen Wohnzimmern öffnen vier Teams eine Box, die randvoll gefüllt ist mit kniffligen Aufgaben und Spielen.

Die Terrortucken treten als Tanzgruppe auf. Jörg Schlösser (hinten r.) leitet den Verein. Neben ihm sein Mann Karsten, der als Travestiekünstler bekannt ist.

Die Terrortucken treten als Tanzgruppe auf. Jörg Schlösser (hinten r.) leitet den Verein. Neben ihm sein Mann Karsten, der als Travestiekünstler bekannt ist. © Terrortucken

„Wir sind als das Ehepaar Schlösser dabei, nicht als Terrortucken. Das war uns ganz wichtig“, so Jörg Schlösser. Der Kontakt zu Vox sei vor ein paar Jahren entstanden, als man in einem Werbetrailer für „Beat the Box“ mitgewirkt habe. „Jetzt hat man uns angesprochen, ob wir nicht auch als Kandidaten dabei sein wollen“, so „Jockel“ Schlösser, der auf der Vox-Homepage diesen seinen Spitznamen verrät.

Für jedes Spiel, das die Kandidaten in der Show meistern, winken ihnen 50 Euro Belohnung. Insgesamt stellen sich die Teams acht Aufgaben. Gelingt es ihnen, das achte und letzte Rätsel zu lösen, können sie ihren Gewinn verdoppeln und bis zu 800 Euro einstreichen.

Ergebnis darf nicht verraten werden

Zu den Spielen bei „Beat the Box“ zählt beispielsweise das Musikquiz „Sing weiter“, bei dem die Kandidaten ihre Textsicherheit unter Beweis stellen müssen. Außerdem erwarten die Teilnehmer bei „Übern Daumen“ heikle Schätzfragen wie „In welchem Alter heiraten Frauen in Deutschland zum ersten Mal?“. Schätzen die Teams richtig und liegen nicht mehr als ein Jahr neben der korrekten Antwort?

Jörg Schlösser ist gespannt darauf, was von ihm und Ehemann Karsten in der Staffel zu sehen sein wird. „Das wurde hier in Castrop-Rauxel bei uns in der Wohnung gedreht und hat viel Spaß gemacht“, sagt er. Wie oft man in den fünf Folgen der Staffel zu sehen sein wird, weiß er selber nicht. Und wie es ausgegangen ist, darf Schlösser natürlich nicht verraten.

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