Graffitis an den Wänden, davor eine stark in Mitleidenschaft gezogene Sitzgarnitur im Chippendale Stil - diese Szenerie hat in den vergangenen Jahren viele ungebetene Besucher angezogen. © Thomas Aschwer

Jahrhunderte altes Herrenhaus: Vom Lost Place zurück in die Zukunft

Jeder Schritt eine Zeitreise, jeder Blick eine Herausforderung: Mit dem Haus Füchteln hat eine der ältesten Immobilien Olfens neue Eigentümer bekommen. Sie stellen sich einer Mammutaufgabe.

So abgedroschen es auch klingen mag: Das Bild von einem Zimmer im Obergeschoss von Haus Füchteln sagt mehr als tausend Worte. Im seit vielen Jahren unbewohnten Herrschaftshaus hat sich die Natur ihren Weg gesucht. Efeu ist nicht nur durch das Mauerwerk gekommen. Es rankt an der Innenwand herunter und bedeckt bereits Teile des Fußbodens. So faszinierend der morbide Charme verfallener Herrschaftshäuser auch ist, im Fall von Haus Füchteln ist er viel mehr als ein „dezenter Hinweis“ auf eine besondere Herausforderung.

Andrea Melchheier sowie ihre Tochter Katharina Droste und ihr Schwiegersohn Stefan Droste wollen sich dieser Aufgabe stellen. Sie haben von der Stadt Olfen mehr als die Hälfte des rund 11.500 Quadratmeter großen Grundstückes an der Stever gekauft. „Es ist eine denkmalgerechte Ertüchtigung geplant“, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann.

Beim Ortstermin wird Stefan Droste konkret: Die Gespräche mit dem LWL seien noch nicht abgeschlossen, aber „die Südfassade wollen wir erhalten“. Auf der Nordseite des Gebäudes, die vor vielen Jahren mit einem neuen Klinker versehen worden ist, planen die neuen Eigentümer hingegen größere Eingriffe. Es gehe darum, den heutigen Anforderungen an ein Wohnhaus gerecht zu werden. Stefan Droste nennt beispielhaft die Fenster, die frühere Besitzer in Teilen zugemauert hatten.

Graffitis an die Innenwände gesprüht, Feuer gemacht

Größerer Handlungsbedarf macht der Rundgang auch an vielen anderen Stellen deutlich. Menschen, die sich für sogenannte Lost Places interessieren, dürfte ein Bild aus dem Kaminzimmer bekannt vorkommen. Vor einer verklinkerten und mit Graffitis „geschmückten“ Wand steht eine Sitzgarnitur im Chippendale Stil mit rotem Bezug. Die Spuren vieler Besucher sind unübersehbar. Wenige Meter weiter haben ungebetene Gäste offensichtlich mal ein so großes Lagerfeuer entzündet, sodass die Decke zum Obergeschoss schwer beschädigt wurde. Doch langsam kehrt Ruhe hier ein. Seitdem der Verkauf bekannt geworden ist, gibt es Hinweise auf Internetseiten für Lost Places.

Die Natur hat die Oberhand gewonnen, Efeu rankt im Oberschoss an den Innenwänden herunter und bedeckt zudem Teile des Fußbodens.
Die Natur hat die Oberhand gewonnen, Efeu rankt im Oberschoss an den Innenwänden herunter und bedeckt zudem Teile des Fußbodens. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Die Stadt hat zudem riesige Bauzäune aufstellen lassen, um ungebetene Gäste fernzuhalten. Dafür stößt der Umbau in der Stadt auf großes Interesse. Zu spannend ist die Geschichte des Hauses, das nach Untersuchungen des LWL aus einer Wasserburg entstand, die Stammsitz der Ritter von Kukelshem war. „Die Ritter von Kukelshem werden 1267 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und hatten das Haus Füchteln als Vasallen des Bischofs von Münster zu Lehen“, heißt es in einer Veröffentlichung des Landschafsverbandes aus dem Jahr 2005.

Stadt hatte verschiedenste Ideen für das Herrenhaus

Michael Höhn vom Westfälischen Amt für Landschaft- und Baukultur im LWL Westfalen-Lippe berichtet weiter, dass das Haus Füchteln 1362 an Heidenreich von Wulf verkauft wurde und dann bis 1820 im Familienbesitz blieb. „Zwei große Stallgebäude kamen 1709 und 1711 dazu“, schreibt Höhn. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Haus Füchteln als landwirtschaftliches Gut verpachtet. Über Jahrzehnte bewirtschaftete die Familie Löfken die Flächen. Sie verließen 1950 das Anwesen.

Die einst repräsentative Südfassade ist aktuell kaum zu erkennen, sie soll restauriert werden.
Die einst repräsentative Südfassade ist aktuell kaum zu erkennen, sie soll restauriert werden. © Thomas Aschwer © Thomas Aschwer

Nach 1963 wechselte das Haus Füchteln in kurzen Abständen die Besitzer. Als Gebäude und Flächen 2009 zur Versteigerung standen, griff wenige Tage vor dem Termin die Stadt Olfen zu. Es gab verschiedenste Ideen für das große Gebäude, inklusive eines Abrisses.

Zur Umsetzung kam keine. Mit der Folge, dass das einstige Herrenhaus immer weiter verfiel. Mit dem Verkauf an Olfener Bürger soll dieser Prozess nicht nur gestoppt werden, das früher imposante Gebäude soll umfassend umgebaut und saniert werden. Es wird ein aufwendiges und Kräfte zehrendes Projekt werden. „Wir haben Spaß daran“, sagt Stefan Droste.

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