Mit Baustellen hat die öffentliche Hand nachhaltige Probleme. Auch an der Pallasstraße. © Thomas Schroeter
Meinung

Ist es wirklich nur Pech, das die Stadt da wieder mit einem Bau hat?

Eine Baustelle der öffentlichen Hand, die viel später fertig wird. Das kommt bekannt vor. Auch wenn die Stadt von Unwägbarkeiten spricht – unser Autor sieht Ungereimtheiten. Ein Kommentar.

Es ist, wie es Jürgen „Kobra“ Wegmann, jener legendäre Bundesliga-Knipser, einst formulierte: „Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“ Beim Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses für den Löschzug Rauxel-Dorf ergeht es der Stadt Castrop-Rauxel so.

Erst war es der Rohbauunternehmer, der der Stadt in die Quere kam, weil er unerlaubte Nachunternehmer beschäftigte. Dann regnete es auf einmal ganz stark, dann gab es Schnee und Eis und dann kam noch Corona hinzu. Man könnte fast sagen, dass das Leben so richtig gemein zur Verwaltung war.

„Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh“

Oder, wie es ein anderer ruhmreicher Fußballer so trefflich auf den Punkt brachte: „Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh“ (Andreas Brehme). Da kannze nix machen, sagt man im Ruhrgebiet. Und damit könnte man dann den tröstlichen Mantel des Schweigens über die Angelegenheit decken.

Oder auch nicht. Denn auch wenn die Stadtverwaltung da für sich reklamiert, dass das alles „Unwägbarkeiten“ gewesen seien, „auf die die Stadt keinen Einfluss hat“, so darf man das als Beobachter der Szene im Detail denn doch schon mal kritisch hinterfragen.

Da sollte es die Stadt vielleicht mit einem weiteren Ex-Weltmeister halten. Denn Andreas Möller sagte einmal: „Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir selbst gegenüber.“ Das könnte der Stadt hier vielleicht auch helfen, um wenigstens künftig Lehren aus der Dauerbaustelle zu ziehen.

Dass es in Wintern auch in unseren Breiten schon mal zu Eis und Schnee kommen kann, könnte man als Verwaltung zumindest ahnen und dementsprechend weitsichtig in einen Bauzeitenplan einkalkulieren. Zumal das Winter-Argument bei Stadt und Stadttochter EUV in der Vergangenheit ein durchaus wiederkehrendes war. Man denke nur an den Krickesteg, bei dessen Sanierung es reichlich hakelte.

Massive Regenfälle sind durchaus bekannt

Das Argument, dass es in Castrop-Rauxel dann „erhebliche Regenfälle“ gab, die „die Standfestigkeit des Baugrunds derart verschlechterten, dass eine zusätzliche Bodenkonditionierung durchgeführt werden musste“, so die Stadt im O-Ton, muss man auch nicht völlig unhinterfragt lassen.

Massive Regenereignisse haben in den vergangenen Jahren doch immerhin so häufig für Unruhe in der Stadt gesorgt, dass man für Abermillionen von Euro Regenrückhaltebecken und andere Sicherungsmaßnahmen verwirklichen lässt. Umso verwunderlicher, dass da vor dem Baustart niemand ein seriöses Bodengutachten eingeholt oder abgeliefert hätte. Denn der Boden lag da ja an der Pallasstraße schon länger herum.

Personalengpässe durch die Corona-Pandemie kann man nicht ausschließen, das sei der Stadt zugute gehalten. Allerdings kann man bei etwas Erfahrung mit Baustellen durchaus schon einmal einkalkulieren, dass das eine oder andere Gewerk wohl zu Verzögerungen führen könnte.

Stadt sollte sich an Lukas Podolski halten

Dass ausgerechnet bei diesem Bau nun alles an Misslichkeiten zusammenkam, was zusammenkommen konnte, das freilich kann man der Stadt tatsächlich als Pech attestieren. Auch wenn man beim Betrachten vieler öffentlicher Baumaßnahmen den Eindruck gewinnen kann, dass da ein gewisses Potential an Zeitverzug (und oft auch noch Mehrkosten) quasi immanent ist.

Jetzt kann man der Stadt im Sinne der händeringend auf ihren Neubau wartenden Feuerwehrleuten aus Dorf Rauxel nur noch Lukas Podolski ans Herz legen: „Jetzt müssen wir die Köpfe hochkrempeln. Und die Ärmel natürlich auch.“

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter
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