In den Castrop-Rauxeler Teichen können Fische kaum noch atmen

dzSauerstoffmangel

Im aufgeheizten Wasser der Castrop-Rauxeler können Fische kaum noch atmen. Laut Fischereiaufseher August Wundrok verschärft sich die Lage wegen Missachtung eines Verbots.

Castrop-Rauxel

, 06.08.2018, 19:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gerade stehende Gewässer heizen sich bei den hochsommerlichen Temperaturen stark auf. Das kann zu Sauerstoffmangel und für Teichfische sogar zum Tod führen, warnt der Kreis Recklinghausen in einer Pressemitteilung. Denn heißes Wasser kann entsprechend wenig Sauerstoff aufnehmen.

„Probleme bekommen in der Regel zuerst die größten Fische, denn sie benötigen den meisten Sauerstoff“, weiß Dr. Siegfried Gerwert, Leiter des Veterinäramts des Kreises. Grundsätzlich ist die Anzahl der Fische von der Teichgröße abhängig: In einem Teich mit zehn Kubikmetern Fassungsvermögen seien etwa neun Goldorfen, Goldfische oder kleinere Karpfen angemessen. Außerdem können Privatleute ihre Gartenteiche mit den Methoden unten zusätzlich belüften. Wie sieht es aber bei öffentlichen Gewässern aus?

Wasserverschmutzung durch Fütterer

Im Stadtgarten und im Erin-Park halte sich die Gefährdung der Teichfische noch in Grenzen, erklärt August Wundrok vom Angel- und Gewässerschutzverein: „Wenn man sieht, wie der Sauerstoff hoch perlt, ist alles in Ordnung.“ Allerdings sei es ein grundsätzliches Problem, dass Spaziergänger die Wassertiere mit Brot füttern und so das Wasser verschmutzen würden. „Das ist falsch verstandene Tierliebe“, betont Wundrok.

„Die sind der Meinung, sie tun den Tieren was Gutes, aber im Gegenteil.“ An einem Beispiel erklärt er, was das Brot im Wasser bewirkt: Wer eine Scheibe Toast in ein Wasserglas gibt und das in die Sonne stellt, kann sehen, dass das Brot auch den Sauerstoff aus dem Wasser zieht. Das könne man auf Messstreifen mit einer Farbtabelle ablesen.

Schleimiger Abwasserpilz entsteht

Trockenes Brot in städtische Gewässer zu werfen, das gehöre sich einfach nicht, so Wundrok. „In den eigenen Gartenteich würde das ja auch keiner schmeißen.“ Auf dem Grund entstehe dadurch zudem ein schleimiger Abwasserpilz. „Da wächst dann gar nichts mehr“, weiß der Fischereiaufseher. Jahrelang kämpfe er bereits gegen die Wasserverschmutzung, habe sich einst dafür eingesetzt, dass die Stadt ein Verbotsschild aufstellt. Doch daran halte sich niemand.

Wenn August Wundrok die Parkbesucher darauf anspricht, werde er grundsätzlich angepöbelt: „Diese notorischen Fütterer werden sowas von frech“, erklärt er. Mit einer Pistole hätten die ihn schon bedroht. Selbst bei Familien mit Kindern treffe er auf kein Verständnis. Dabei ist er seit 1973 als Fischereiaufseher für alle Gewässer der Stadt zuständig und wurde auch mit entsprechenden Messgeräten ausgestattet, bestätigt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann.

Stadt muss bald handeln

August Wundrok darf die Leute jedoch nur auf das Verbot aufmerksam machen und ermahnen. Zwar sei auch das Ordnungsamt im Stadtgarten unterwegs, jedoch habe es laut Stadtsprecherin in letzter Zeit kein Verfahren gegeben. Es sei schwierig, jemanden beim Füttern zu ertappen.

Dem Fischereiaufseher gelinge das hingegen zur Genüge: „Wenn sie sich aufregen wollen, müssen sie nur in den Stadtgarten gehen.“ Hinzu komme die Verschmutzung durch Tierkot etwa von Kanadagänsen. Zu wenig Wasser gibt es im Gondelteich im Stadtgarten jedenfalls nicht. Anders bei den Teichen am Haus Goldschmieding und an der Rennbahn. Hier ist der Wasserstand so tief, dass die Stadt bald handeln müsse, so Maresa Hilleringmann.

Das hilft Fischen im Gartenteich
  • Das Veterinäramt rät dazu, das Wasser ständig in Bewegung zu halten: mit einem Wasserfall, einem Brunnen oder Teichfilter.
  • Außerdem können Sauerstofftabletten, sauerstoffproduzierende Pflanzen, Sprudelsteine und frisches Wasser helfen.
  • Dabei sollte das hineingepumpte Luftvolumen pro Stunde etwa einem Viertel des Teichvolumens entsprechen.
  • Damit sich das Wasser im Teich gar nicht erst aufheizt sind schattenspendende Sonnenschirme empfehlenswert.
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