Christel Sperz aus Rauxel hat versucht, sich impfen zu lassen. Einen Termin bekam sie, aber keine Impfung. © Tobias Weckenbrock
Coronavirus

Impftermin ja, Impfung nein: Castrop-Rauxelerinnen sind stinkesauer

Christel Sperz hatte sich über das Internet für einen Corona-Impftermin angemeldet. Sie ist 75 und hat Vorerkrankungen. Den Termin bekam sie. Die Impfung nicht. Dafür aber dumme Kommentare.

Im Impfzentrum in Recklinghausen laufen die Corona-Impfungen. Derzeit werden dort alle Menschen geimpft, die über 80 Jahre alt sind. Außerdem bestimmte wichtige Berufsgruppen. Und Menschen, „die aufgrund einer außergewöhnlichen medizinischen Situation dringend vorzeitig geimpft werden sollen“. So ist es auf der Seite des Kreises Recklinghausen zum Impfzentrum zu lesen.

„Ich bin 75 Jahre alt und habe Vorhofflimmern“, erzählt uns Christel Sperz am Telefon, die in Castrop-Rauxel als FWI-Politikerin bekannt ist. „Ich wollte mich bei keiner Impfung vordrängeln, ich habe einfach im Internet probiert, ob ich schon einen Termin vereinbaren kann.“ Konnte sie, sogar ganz problemlos. Am 4. März setzte sich Christel Sperz in Rauxel an ihren Rechner, für den 5. März bekam sie den Termin.

Aus Recklinghausen unverrichteter Dinge weggeschickt

„Ich musste da auch mein Alter angeben, bin also davon ausgegangen, dass alles mit rechten Dingen zugeht“, sagt die 75-Jährige. Vor Ort in Recklinghausen fragte sie am Eingang zum Impfzentrum nach, ob mit ihrer Anmeldung alles in Ordnung sei. „Der nette Mitarbeiter hat sich erkundigt und musste mir dann sagen, dass ich nicht geimpft werden könnte, weil ich zu jung sei“, erzählt Christel Sperz.

Das Impfzentrum in Recklinghausen. Hier wurden Christel Sperz sowie Doris Stabenau und deren Mann wieder nach Hause geschickt.
Das Impfzentrum in Recklinghausen. Hier wurden Christel Sperz sowie Doris Stabenau und deren Mann wieder nach Hause geschickt. © Kreis Recklinghausen © Kreis Recklinghausen

Sie rief bei der Kassenärztlichen Vereinigung an. Sperz: „Und was mir dort gesagt wurde, macht mich sauer. Ich sei doch selber schuld, wenn ich online versuche, Impftermine zu vereinbaren. Ich müsse anrufen, und außerdem sei meine Altersgruppe noch gar nicht öffentlich aufgerufen worden.“

Dieses Verhalten findet Christel Sperz unglaublich. „Wofür entwickelt man denn eine Onlineplattform zur Terminvergabe, wenn sie untauglich ist?“, fragt sich die an der Ahornstraße wohnende Castrop-Rauxelerin.

Ähnlich denken die Castrop-Rauxeler Doris und Manfred Stabenau, die so ziemlich die gleiche Geschichte dem WDR erzählt haben, wie am Montagabend in der „Lokalzeit“ zu sehen war. Auch sie wurden in Recklinghausen als zu jung abgewiesen, obwohl sie auf der Anmeldeplattform ihr Alter mit 76 Jahren angegeben habe, so Doris Stabenau. „Es ging an die Würde“, so Doris Stabenau über die Situation vor Ort, „wir haben doch nichts Unrechtes getan.“

KVWL-Sprecherin: Nutzer sind verantwortlich

Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund, kennt das Problem bereits von anderen Fällen, sieht aber keine Schuld bei der KVWL: „Wenn man sich im Netz anmeldet, werden die Gruppen, die mit einer Impfung dran sind, genannt. Über 80-Jährige, bestimmte Berufsgruppen. Und der Nutzer wird gefragt, ob er dazu gehört.“

Wenn der Nutzer das bestätige, erhalte er einen Termin: „Wir lassen ja nicht den Ausweis einscannen oder so. Wir verlassen uns da schon auf die Angaben des Nutzers“, sagt die KVWL-Sprechern. Wenn man bestätigt, zu einer zugelassenen Gruppe zu gehören, so ergab ein Versuch unserer Redaktion, kommt man zu einer Schnellprüfung, bei der man sein Alter eingeben muss. Bei der Angebe des Alters mit 75 erhielten wir die Aussage: „Die hier erfolgte Schnellprüfung berechtigt nicht zu einer Impfung.“

Christel Sperz hat den Minister angeschrieben

Christel Sperz will nun eine Antwort von ganz oben, hat deshalb direkt den NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, angeschrieben und hat ihm den Fall geschildert. Darin fragt sie den CDU-Politiker auch, ob denn „eigentlich alle Organisationstalente aus Deutschland ausgewandert sind? Israel impft auf offener Straße und bei Ikea und bei uns dürfen Hausärzte zwar gegen Grippe impfen, aber nicht gegen Corona. Wir befinden uns offensichtlich in Absurdistan!“

Nun ist die 75-Jährige gespannt, ob Laumann antwortet.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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