Immobilienmarkt: Zu viele Menschen suchen in Castrop-Rauxel ein Haus

dzImmobilien

Der Immobilienmarkt in Castrop-Rauxel hat nur kurz auf das Coronavirus reagiert. Es gibt nach wie vor zu wenig Verkäufer für zu viele Interessenten. Und im Netz landet nicht jedes Haus.

Castrop-Rauxel

, 18.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gute Zeiten für Käufer? Gute Zeiten für Verkäufer? Die Corona-Krise wirkt sich aus Experten-Sicht gar nicht so sehr auf den Immobilienmarkt in Castrop-Rauxel aus, wie man es erwartet hat. Stefan Fokken von der Sparkasse Vest: „Wir hatten da deutlich mehr Auswirkungen erwartet, als bisher tatsächlich eingetreten sind.“

Bisher zeigen sich auch die Kaufpreise von der Corona-Pandemie ziemlich unbeeindruckt. Das hat eine deutschlandweite Auswertung der ImmoScout24-Angebotspreise ergeben. Demnach sind die Preise bis Ende März gestiegen, haben sich nun aber stabilisiert. Der befürchtete „Run auf das Betongold“, der die Preise in die Höhe treibt und einen Immobilienkauf damit unattraktiver macht, scheint also ausgeblieben zu sein.

Zurückhaltung der Verkäufer ist quasi vorbei

Stefan Fokken hat zunächst eine gewisse Zurückhaltung auf Verkäuferseite erlebt, „aber nicht so gravierend wie gedacht“. So mancher Verkäufer sei auch wegen der Bedenken, in Virus-Zeiten sein Objekt fremden Menschen zur Besichtigung öffnen zu müssen, vorsichtig geworden.

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Inzwischen habe sich das Geschäft wieder eingependelt, wobei der große Trend der vergangenen Jahre erhalten bliebe: „Es gibt viel mehr Kaufinteressenten als Verkäufer“, so Fokken.

Das liege aus Erfahrung der Sparkasse an den nach wie vor sensationell niedrigen Zinsen für Baukredite. „Der Markt liegt da weiter bei Konditionen um die 1 Prozent Zinsen, also weiter historisch tief“, so Fokken. Das wollen viele Käufer ausnutzen. Aber am Markt gibt es gar nicht so viele Objekte.

Baubranche boomt, Zahl reicht aber nicht

Auch wenn der Hausbausektor in Castrop-Rauxel und dem gesamten Kreis Recklinghausen weiter boomt. „Klar ist: Trotz Corona sind die Auftragsbücher voll. Die Firmen arbeiten jetzt die Wohnungsbauprojekte vom Ein- bis zum Mehrfamilienhaus ab“, sagt Georg Nießing, Bezirksvorsitzender der IG BAU Emscher-Lippe-Aa, dazu.

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Aber die Zahl der Neubauten deckt immer noch nicht den großen Immobilienhunger der Menschen in Castrop-Rauxel und darüber hinaus. Auch im Internet, etwa bei Immowelt, einem der größten Portale im Netz für Immobiliengeschäfte, stößt man auf keine allzu große Zahl an Angeboten.

Will man unbedingt in Castrop-Rauxel bleiben, bleiben an Eigentumswohnungen gerade 10 Angebote in Castrop-Rauxel übrig, im Haus-Sektor 15 infrage kommende Objekte.

Preisspanne reicht bis zu 2,5 Millionen Euro

Bei den Häusern liegt die Preisspanne dabei (abgesehen von einer Zwangsversteigerung an der Gerther Straße in Merklinde) zwischen 233.000 Euro für ein schmuckloses, nur 98 Quadratmeter großes Reihenmittelhaus an der Klosterwiese in Ickern bis zur Jugendstilvilla mit 590 Quadratmetern Wohnfläche für 1,24 Millionen Euro und zur bereits seit längerer Zeit angebotenen Reitanlage in Bladenhorst mit Wohn-/Geschäftshaus und Stallungen für 2,5 Millionen Euro.

Bei den Eigentumswohnungen beginnen die Angebote bei einer 70-Quadratmeter-Wohnung direkt neben dem Bunker an der Lönsstraße für 70.000 Euro und enden bei 199.500 Euro für eine 88 Quadratmeter große Wohnung in Habinghorst.

Gute Angebote landen gar nicht im Netz

„Die wirklich guten Angebote landen seit langer Zeit aber gar nicht mehr im Netz“, so ist Stefan Fokkens Erkenntnis. Entweder werden Häuser direkt per Mundpropaganda an mögliche Käufer vermittelt. „Und wenn Verkäufer zu uns kommen, dann haben wir Listen mit Interessenten, die wir unmittelbar ansprechen“, erzählt der Sparkassen-Sprecher. Das ist bei den meisten freien Immobilien-Maklern nicht anders, „deshalb landen im Internet meist nur Objekte, die problematisch sind“, sagt Fokken.

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