Im Meisenhof sollen Pläne einer Architekturstudentin umgesetzt werden

ICKERN Im Meisenhof soll im nächsten Monat die Bücherei saniert werden. Maike Thiehoff, Architekturstudentin an der Fachhochschule Münster, hat im Zuge eines Projekts einen Konzeptvorschlag erarbeitet, der umgesetzt werden soll. Über das Vorhaben sprach RN-Redakteurin Julia Grunschel mit JVA-Leiter Julius Wandelt.

22.07.2008, 16:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Herr Wandelt, was ist das für ein Projekt? Wandelt: Architekturstudenten der Fachhochschule Münster haben für Justizsvollzugsanstalten Konzepte für neue Büchereien entworfen. Für unsere Anstalt haben vier Studenten Pläne aufgestellt. Letzte Woche wurden die Ergebnisse in Münster vorgestellt.

Und der Vorschlag "Bücherwald" von Maike Thiehoff hat Ihnen am besten gefallen? Wandelt: Genau, der Vorschlag war überragend gut. Ich habe sofort im Meisenhof angerufen und habe durchgegeben: "Hört auf zu sägen!" Für den Erweiterungsbau mussten viele Bäume gefällt werden. Bevor wir das Holz zerkleinern, heben wir es nun lieber auf für die Umsetzung des Entwurfs.

Was sieht das Konzept vor? Wandelt: Unsere Anstalt hat viele Grünflächen mit Bäumen. Unter diesem Eindruck steht das Konzept von Maike Thiehoff. Aus den drei kleinen Räumen der Bücherei soll ein großer Raum gemacht werden. Durch Baumstämme soll die Natur in die Bücherei geholt werden. Der alte Linoleum-Boden soll durch pflegeleichten und naturnahen Kautschuk-Boden ersetzt werden. Statt Röhrenlampen sollen Lampen mit Schablonen aus Blättern eingesetzt werden, damit der Eindruck eines Blätterwalds entsteht.

Und dieses Konzept soll nun umgesetzt werden? Wandelt: Daran arbeiten wir. Maike Thiehoff stellt uns ihre Pläne kostenlos zur Verfügung, die FH hat ihre Zusammenarbeit angekündigt und die Arbeiten können unsere Gefangenen ausführen. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW müsste nur die Materialkosten übernehmen. Das dürfte aber kein Problem sein, da eine Sanierung sowieso angesetzt ist.

Kritiker mögen fragen, warum betreiben Sie diesen Aufwand für die Gefangenen? Wandelt: Weil ein Projekt wie dieses dazu beiträgt, dass Gefangene Verantwortung übernehmen und sie einfach mal zeigen können, was sie drauf haben. Außerdem haben sie Erfolgserlebnisse und lernen, dass man auch mit nicht strafbarem Verhalten Erfolg haben kann. Das sind Grundlagen, die wir vermitteln. Wir sind keine Vollstrecker, die Rechtsbrecher auf den richtigen Weg prügeln.

Wird die Bücherei denn viel genutzt? Wandelt: Ja, sie ist ein Kommunikations- und Begegnungszentrum. Das unterstreicht das Konzept übrigens, denn draußen soll eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten zum Verweilen entstehen. Die Bücherei ist ein Ort, an dem Gefangene zur Ruhe kommen können. Auf dem Gelände herrscht immer Unruhe, so dass man sich manchmal mehr wie ein Zirkusdirektor vorkommt. Menschen, Tiere, Sensationen.

Welche Bücher gibt es in einer Gefangenenbücherei? Wandelt: Die gleichen, die es draußen auch gibt. Denn so weit es möglich ist, soll das Leben hier dem Leben draußen angeglichen werden. Deshalb werden wir demnächst auch zum Beispiel CDs haben. Zurzeit haben wir 4300 Bücher. Pro Gefangenen brauchen wir 15 Medieneinheiten. Nächstes Jahr stocken wir auf 580 Gefangene auf. Bücherspenden sind also willkommen.

 

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