Marmo ist die einzige Hündin, die ein Zuhause in Deutschland fand. © Privat
Rettung von Tieren

Hunde aus Griechenland kamen nie in Castrop-Rauxel an – wegen einer Eselin

Elke Balz vom Refugium für Tiere wollte acht Hunden aus Griechenland ein neues Zuhause suchen. Doch die Hunde kamen nie in Deutschland an – bis auf eine Ausnahme. Grund dafür war eine Eselin.

Das Leben eines Tierheimhundes ist oft nicht einfach. Vielen wurde in der Vergangenheit übel mitgespielt. Sie sind vernachlässigt worden, ausgesetzt oder ihnen wurde noch Schlimmeres angetan. Die Adoption durch einen liebevollen Halter stellt für viele der Tiere ihre große Chance auf Glück dar.

Elke Balz vom Refugium für Tiere wollte diese Chance acht Hunden aus Griechenland geben. Im Frühjahr suchte sie bereits nach Haltern für die ehemaligen Straßenhunde, die in einem griechischen Tierheim versorgt wurden.

Ziemlich viel Interesse für die Hunde

„Es gab ziemlich viele Interessenten“, erinnert sich die 80-Jährige. „Das hat mich damals sehr gefreut.“ Doch die Freude sollte nicht lange anhalten. Denn die Tiere kamen nie in Castrop-Rauxel an. Das Kreisveterinäramt stellte sich quer.

Auf eine anonyme Anzeige hin nahmen die Beamten das Refugium für Tiere ganz genau unter die Lupe. Dabei kam heraus, dass der Verein „Free Animal“ vergessen hatte, die Einfuhr der Hunde dem Veterinäramt in Recklinghausen zu melden – die Vierbeiner blieben damit in Griechenland.

Anonyme Anzeige macht Überführung zunichte

„Ich hatte keine Ahnung davon“, meint Balz. Sie habe sich in der Hinsicht auf den Hamburger Verein verlassen. Doch merkt man ihr heute noch an, dass die Anzeige ihr immer noch sauer aufstößt – zumal sie überhaupt nichts mit der Haltung von Hunden zu tun hatte.

„Die Anzeige bekam ich damals, weil ich eine Eselstute angeblich nicht artgerecht gehalten habe“, sagt die 80-Jährige. Entgegen der Bestimmungen lebte die Eselin allein im Refugium, Esel muss man jedoch zu zweit halten.

„Nur war der Partner der Stute erst einen Monat vorher gestorben. Ich hatte mich bereits um Ersatz bemüht, der war aber nicht so einfach zu bekommen für so ein altes Tier“, erzählt sie. Denn die Eselin war mit 37 Jahren eher eine Esel-Uroma. In der Tat starb auch sie einige Monate später. Da hatte das Veterinäramt aber schon entschieden, dass die Hunde in Griechenland bleiben.

Marmo kam dennoch nach Deutschland

Einer der Vierbeiner hat es dennoch nach Deutschland geschafft: die Mischlingshündin Marmo. Noch in Griechenland war entschieden worden, dass sie zu Fritz und Heidrun Jauché kommt. Da das Ehepaar in Baden-Württemberg wohnt, fiel die Einfuhr nicht in die Zuständigkeit des Veterinäramtes Recklinghausen. Direkt am Flughafen noch konnte das Ehepaar die Hündin abholen.

Das Ehepaar Jauché verliebte sich bereits auf den ersten Blick in die Hündin.
Das Ehepaar Jauché verliebte sich bereits auf den ersten Blick in die Hündin. © Privat © Privat

Marmo wurde bei den Jauchés dringend gebraucht. „Eigentlich wollten wir nach dem Tod unseres vorigen Hundes kein Tier mehr“, erzählt Fritz Jauché. „Doch mit der Zeit merkten wir, dass etwas bei uns fehlte.“

Hündin füllt nun eine Leere aus

Der Baden-Württemberger erlitt gar mehrere Panikattacken. „Zunächst suchte ich den Grund dafür nicht bei einem fehlenden Haustier“, sagt Jauché. „Ich versuchte andere Tätigkeiten, die mir jedoch nie die richtige Erfüllung gaben.“

Seiner Frau und ihm wurde klar, dass sie wieder einen Hund brauchten. Doch das war in Corona-Zeiten leichter gesagt als getan: Tierheime waren geschlossen, Auslands-Adoptionen fast unmöglich. Aber dann fand das Ehepaar Marmo und es machte instinktiv „klick“ bei Fritz Jauché. Er wusste: Marmo wird sein Hund.

Marmo blüht bei den Jauchès richtig auf.
Marmo blüht bei den Jauchés richtig auf. © Privat © Privat

Diese Gewissheit ist auch jetzt, ein halbes Jahr später, nicht gewichen. In der Zwischenzeit hat die Hundedame mit ihrem zutraulichen und liebevollen Wesen die Herzen der Familie Jauché und ihrer Nachbarn erobert.

Elke Balz freut es, als sie hört, wie gut es der Hündin geht und hätte auch gerne für die anderen Tiere ein schönes Zuhause gesucht. Dennoch versteht sie vollkommen die Strenge des Veterinäramtes: „Es wird so viel Unsinn gerade mit der Einfuhr von Hunden getrieben, da ist es schon gut, dass die Behörden genauer hinschauen. Und für das Refugium extra eine Ausnahme zu machen, wäre vollkommener Quatsch.“

Verein kümmert sich um kranke Tiere

Das Refugium für Tiere e.V. kümmert sich ehrenamtlich um alte und kranke Tiere, die sonst kein Zuhause mehr finden. Die Tierschutzorganisation mit eigenem an der Hochstraße 39a finanziert sich größtenteils über Spenden. Die Bankverbindung: Refugium für Tiere in Not e.V., DE 75 4265 0150 0000 8079 74.

Über den Autor
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Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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Kevin Kallenbach

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