Trend geht zum Home Office, aber nur unter Umständen – Auch Arbeitgeber profitieren

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Die Stadtverwaltung Castrop-Rauxel bietet Angestellten an, zu Hause zu arbeiten. Stefan Bunse, Leiter der Arbeitsagentur, erklärt, warum das auch Arbeitgebern hilft - und wo Probleme sind.

Castrop-Rauxel

, 23.06.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Drängen der SPD arbeitet das Arbeitsministerium an einem Gesetz, dass Arbeitnehmern ein Recht auf Home Office gewähren soll. Wenn Firmen ihren Mitarbeitern das Arbeiten außerhalb des Betriebs nicht erlauben, müssten sie das zumindest begründen.

Die Stadtverwaltung Castrop-Rauxel bietet die Arbeit vom heimischen Schreibtisch bereits seit 2003 an. 31 von rund 1000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Bereichen nehmen das Angebot an. Nach Angaben von Uta-Christina Stevens, Volontärin der Stadtpresse, werden regelmäßig weitere Anträge gestellt.

Es gibt jedoch Regeln: „Der Umfang ist begrenzt und die Telearbeit darf nicht zur Beeinträchtigung des Dienstbetriebes führen“, so Stevens. Es dürften nur solche Tätigkeiten von zu Hause erledigt werden, die keinen unmittelbaren Kundenkontakt und nur einen eingeschränkten täglichen persönlichen Abstimmungsbedarf mit den Kollegen erfordern. Beispiel: Angestellte im Bürgerbüro können schlecht von zu Hause arbeiten. Sie müssen für die Beratungen vor Ort sein. Stadtplaner können hingegen auch vom heimischen Schreibtisch aktiv werden.

Eltern kehren früher ins Berufsleben zurück

Warum Heimarbeit im Trend liegt, erklärt Stefan Bunse, Leiter der Castrop-Rauxeler Arbeitsagentur: Eltern würden immer früher und individueller ins Berufsleben zurückkehren. Die klassische Rollenaufteilung: Der Vater bringt das Geld nach Hause, die Mutter hütet die Kinder und geht irgendwann wieder Teilzeit arbeiten, ist längst aufgeweicht. Bunse: „Oft müssen oder möchten sich heutzutage beide Elternteile um die Kindeserziehung kümmern.

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Früher stand das Gehalt oft im Mittelpunkt bei der Berufswahl, heute ist es häufig auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Stichwort Work-Life-Balance. Also, können beruflichen und private Interessen unter einen Hut gebracht werden?

Genau das sieht die Stadtverwaltung als einen der Vorteile: größere Arbeitszeitautonomie, flexible Arbeitsorganisation, bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, höhere Produktivität und Arbeitszufriedenheit.

Gegenüber Mitbewerbern attraktiv machen

Im Umkehrschluss bedeutet das: Home-Office spielt zunehmend eine größere Rolle bei der Attraktivität eines Arbeitsplatzes oder eines Arbeitgebers. Bunse: „Ob das rechtlich geregelt werden sollte, kann ich nicht beantworten. Aber ganz sicher würde es Firmen helfen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, um geeignetes Fachpersonal zu finden oder sich gegenüber Mitbewerbern diesbezüglich attraktiv aufzustellen.“ Arbeitgeber hätten so auch die Möglichkeit, Mitarbeiterinnen als Eltern an den Betrieb zu binden. Diese Dinge würden in der Arbeitgeberberatungen eine immer größere Rolle spielen.

Die Arbeitsagentur Castrop-Rauxel geht dabei mit gutem Beispiel voran: Unter gewissen - auch datenschutzrechtlichen - Voraussetzungen und in einem gewissen Umfang können die Mitarbeiter sachbearbeitende Tätigkeiten im Home Office erledigen. Bunse: „Warum sollte das von zuhause nicht genauso gut gehen, wie im Büro?“

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