Gewerkschaft warnt

Hilferuf aus der Gastro-Szene: „Geld reicht kaum mehr für die Miete“

7800 Beschäftigte in Hotels und Gaststätten: Das ist die Zahl derer im Kreis Recklinghausen, die unter dem Corona-Lockdown leiden. Jetzt fordert deren Gewerkschaft 1000 Euro pro Person. Sofort.
Der Lockdown macht sich bei den Restaurants und Hotels besonders bemerkbar: Sie erzielen kaum noch Einkünfte. Die über 7000 Beschäftigten im Kreis Recklinghausen sind zum Teil existenziell bedroht, sagt die Gewerkschaft NGG. © NGG

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert einen Corona-Schutzschirm für Beschäftigte im Hotel- und Gaststättengewerbe im Kreis Recklinghausen. Der Lockdown treffe die Branche hart, nicht nur die rund 730 Unternehmen, sondern auch die 7800 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Viele seien in existentiellen Nöten, heißt es am Donnerstagmorgen in einer Pressemitteilung des Regionalverbands Ruhrgebiet.

„Köchinnen, Kellner und Hotelangestellte haben seit dem Frühjahr mit massiven finanziellen Einbußen durch die Kurzarbeit zu kämpfen“, , sagt Gewerkschaftssekretär Adnan Kandemir. „Wegen der meist niedrigen Löhne im Gastgewerbe und des fehlenden Trinkgeldes sind nun auch die letzten Reserven aufgebraucht. Das Geld reicht kaum mehr für die Miete – von Weihnachtsgeschenken ganz zu schweigen.“

Die NGG fordere deshalb die Bundesregierung auf, Beschäftigten im Gastgewerbe eine Corona-Sofort-Nothilfe in Höhe von 1000 Euro zu zahlen. „Die Politik greift den Firmen mit enormen Summen unter die Arme, um eine Pleitewelle zu verhindern. Jetzt darf sie die Beschäftigten nicht im Regen stehen lassen“, so Kandemir.

Nach Einschätzung der NGG würden sich die Kosten für eine Beschäftigten-Nothilfe im Dezember auf rund 600 Millionen Euro belaufen. Zum Vergleich: Die Unternehmenshilfen im Gastgewerbe kosten den Staat laut Bundesregierung allein in diesem Monat 17 Milliarden Euro.

„Historisch einmalige Krise“

Außerdem müsse die Auszahlung der Unternehmenshilfen an den Erhalt von Arbeitsplätzen geknüpft werden. „Es darf nicht sein, dass sich Wirte und Hoteliers jetzt 75 Prozent des Vorjahresumsatzes erstatten lassen und wenig später ihre Mitarbeiter vor die Tür setzen“, findet Kandemir. Zwar befänden sich die Unternehmen in einer historisch einmaligen Krise. Diese müsse aber gemeinsam mit den Beschäftigten ausgestanden werden – nicht zuletzt, um Fachkräfte zu halten, die nach der Pandemie dringend gebraucht würden.

Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung könnte die Einführung eines „Mindest-Kurzarbeitergeldes“ dabei helfen, die Einkommenseinbußen im Niedriglohnsektor gering zu halten. Frankreich habe ein solches, an den gesetzlichen Mindestlohn gekoppeltes Modell erfolgreich eingeführt. Hierzulande müsste ein „Mindest-KuG“ bei 1200 Euro im Monat liegen, so die Stiftung. Die Gewerkschaft NGG fordert Bund und Länder dazu auf, diesen Vorschlag eingehend zu prüfen, um Verwerfungen am unteren Ende der Einkommensskala zu verhindern.

Nach Angaben der Arbeitsagentur beschäftigt die Gastronomie im Kreis Recklinghausen 6.840 Menschen in 678 Betrieben. Weitere 978 Beschäftigte arbeiten in 56 Unternehmen des Beherbergungsgewerbes.

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