Bei der Wohnungsdurchsuchung in Ickern-End fand die Polizei eine „Drogenküche“ und Baseballschläger an der Eingangstür. © Polizei Recklinghausen
Landgericht Dortmund

Hexenküchen-Prozess: Angeklagte haben bewegte Vergangenheit

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Betreiber einer Drogen-Hexenküche in Ickern-End wurden am Dortmunder Landgericht die Lebensläufe der Angeklagten erörtert - mit überraschenden Details.

Vorstrafen, Drogen-Erfahrungen, aber auch eine Vorgeschichte als DJ: In einem Prozess gegen mutmaßliche Betreiber einer Drogen-Küche im Castrop-Rauxeler Norden hat die Staatsanwaltschaft eine 39 Jahre alte Frau und die beiden 41 und 43 Jahre alten Männer aus Ickern wegen bewaffneten Drogenhandels angeklagt.

Bis zu ihrer Festnahme durch ein Spezial-Einsatzkommando der Polizei sollen sie Liquids, Kräutermischungen und auch illegale Rauschmittel per Post durch die Republik geschickt haben.

Vorstrafen und Drogenerfahrungen

Blickt man in die Lebensläufe der Angeklagten, stößt man nicht nur auf die eine oder andere Vorstrafe. Vor allem langjährige eigene Erfahrungen mit Drogen unterschiedlichster Art sind dort beschrieben.

Der 43-jährige Mann hat sich Anfang des Monats mehr als drei Stunden lang mit dem vom Gericht hinzugezogenen Psychiater Brian Blackwell unterhalten. Dabei hat er dem Sachverständigen erzählt, dass er Cannabis raucht, seit er 16 Jahre alt ist. Und später seien Ecstasy, Speed, Alkohol und Kokain in rauen Mengen hinzugekommen.

Party-Veranstalter und DJ

Bevor er offenbar den Drogen-Versandhandel aufzog, war der Angeklagte auch schon auf anderem Gebiet unternehmerisch tätig gewesen. Dem Gutachter hat er davon berichtet, dass er zunächst in Münster und später dann in Dortmund als Party-Veranstalter und DJ tätig gewesen sei.

„Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er schließlich die Mitangeklagte kennengelernt und auch diese in die Welt der elektronischen Musik eingeführt“, sagte Brian Blackwell den Richtern am Montag.

Verschwörungs-Posts bei Facebook

Die heute 39 Jahre alte Frau sei schließlich unter einem DJ-Künstlernamen durch die Discos Deutschlands getingelt. Vor allem in Sachsen und Thüringen habe sie sich schnell eine große Fanbasis aufgebaut, so der Gutachter weiter.

Neben der Musik fühlte sich das Paar aber anscheinend auch zu kruden Verschwörungstheorien hingezogen.

Die Facebook-Seite der Frau ist voll mit geteilten Inhalten, in denen entweder der in die Kritik geratene Sänger Xavier Naidoo als Volksheld gefeiert wird oder deutlich Systemkritik geübt wird.

Auf der Seite wird auch ein Bericht verlinkt, der das Ergebnis einer „Studie“ wiedergibt, die herausgefunden haben will, dass Frauen die Marihuana rauchen, einen höheren Intelligenzquotienten haben als andere.

Entziehungsanstalt droht

Wegen ihrer eigenen Drogensucht droht den Angeklagten neben einer mehrjährigen Haftstrafe auch die Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt. „Die Voraussetzungen dafür liegen vor. Und es spricht eigentlich nichts dagegen, dass eine Behandlung dort auch erfolgreich abgeschlossen werden könnte“, sagte Psychiater Brian Blackwell am Montag.

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