Herzinfarkt, Grippe, Krebs: Woran Menschen im Kreis Recklinghausen sterben

dzDie häufigsten Todesursachen

Die Angst ist da vor dem Tod durch das Coronavirus. Aber woran sterben die Menschen wirklich? Und kann Corona positive Auswirkungen haben? Die Statistik für den Kreis Recklinghausen überrascht.

Castrop-Rauxel

, 04.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie viele Menschen in einem Jahr sterben, was die häufigsten Todesursachen ist, woran vor allem Männer, woran Frauen sterben: Das alles halten die Statistischen Bundes- und Landesämter Jahr für Jahr fest. Zwischen den vielen nackten Zahlen stecken viele interessante Informationen.

In Deutschland sterben fast eine Million Deutsche in jedem Jahr. Die Statistischen Bundes- und Landesämter liefern jetzt die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2018. Zu den 954.874 Toten zählen 8145 Menschen, die im Kreis Recklinghausen leben – 3958 Männer und 4187 Frauen.

Geht es rein um die Sterbefälle, gibt es noch aktuellere Zahlen. Sie zeigen, dass 2019 weniger Menschen starben als 2018, nämlich 8109. Und vergleicht man die ersten fünf Monate, ist die Zahl der Todesfälle von 2018 bis 2020 in diesem Zeitraum von 3763 auf 3405 sogar um rund 10 Prozent gesunken.

Trotz Corona-Pandemie: Weniger Sterbefälle bisher in diesem Jahr

Was sagt das aus über dieses Jahr, das spätestens ab März von der Corona-Pandemie geprägt war? 39 Menschen sind im Kreis Recklinghausen am Coronavirus gestorben. Einer von ihnen kommt aus Castrop-Rauxel (in Dorsten waren es fünf Tote, in Haltern am See niemand). Die Pandemie hat sich also statistisch nicht niedergeschlagen. Hygienemaßnahmen könnten sich unter Umständen sogar positiv ausgewirkt haben.

Doch was sind nun generell die häufigsten Todesursachen? Platz 5 nehmen die psychischen Ursachen ein. Dabei muss kurz erklärt werden, dass das Statistische Landesamt NRW sich am ICD-10 orientiert, einem Klassifikationssystem von medizinischen Diagnosen der WHO. Erfasst werden alle Menschen, die in Deutschland gelebt haben und für die der Arzt eine Todesbescheinigung ausgestellt hat. Die enthält auch eine Todesursache.

Zurück zu den fünf häufigsten Todesursachen: Zu den psychischen Ursachen werden Suchterkrankungen, Depressionen oder Demenz gezählt, aber auch Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson. 54 Menschen, davon 39 Männer, starben im Jahr 2018 an Alkoholismus. Bei 9 Menschen waren Heroin oder andere Suchtmittel die Todesursache, fast alle waren Männer.

Kein einziger Fall von plötzlichem Kindstod ist bekannt

Platz 4: Hier fasst die Statistik alle Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde zusammen, die nicht genau zu bestimmen sind. 318 Fälle sind verzeichnet. Ein Unterpunkt ist der plötzliche Kindstod. Im Kreis Recklinghausen wurde hier kein Fall bekannt.

Atem- und Lungenerkrankungen sind die dritthäufigste Todesursache im Kreis Recklinghausen. 370 Männer und 321 Frauen starben an solchen Erkrankungen. Dabei nahmen Bronchitis und Asthma 377 Menschen das Leben. Pneumonie, also Lungenentzündung betraf 189 Menschen, nur 30 von ihnen waren jünger als 75 Jahre.

Die Grippe, die gerade in der Corona-Pandemie von Verschwörungstheoretikern gerne als viel gefährlicher als Sars-CoV2 angeführt wird, hat 2018 im Kreis gerade einmal elf Menschen das Leben gekostet, acht von ihnen waren Männer.

2005 Menschen sterben an Tumoren im Körper

Krebserkrankungen und Tumore sind weiter sehr häufige Todesursachen. 2005 Menschen waren davon betroffen, mit 1076 etwas mehr Männer. Meist sind die Atemsysteme, meist Lungenkrebs, betroffen. Mit 291 zu 196 Fällen sind Männer deutlich häufiger betroffen. Das Gleiche gilt für Krebs an Genital- und Harnorganen (321 Fälle). Von den 204 betroffenen Männern starben 118 an Prostatakrebs. Bei den Frauen steht Brustkrebs mit 167 Fällen auch weit vorne.

Die häufigste Todesursache in Deutschland und auch im Kreis Recklinghausen sind weiterhin Herz-Kreislauf-Krankheiten. Sie machen mehr als ein Drittel aus. 2750 Menschen, mit 1517 etwas mehr Frauen, starben daran. Am Herzinfarkt starben 525 Männer und 475 Frauen. Beim Herzstillstand (684) sind besonders häufig Frauen betroffen (419), genauso bei Schlaganfällen (238 von 414) und Bluthochdruck (216 von 321).

  • Die Daten stammen vom Statischen Landesamt NRW.
  • Dabei handelt es sich um eine unvollständige Auflistung der aussagekräftigsten Zahlen.
  • Die vollständigen Zahlen können online eingesehen werden.
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