Pleiten und Pannen: Die Brücke am Schiffshebewerk wird noch später fertig

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An der Hebewerksbrücke ist am Donnerstag tatsächlich gearbeitet worden. Aber nicht gerade mit Hochdruck. Die Freigabe der Brücke, die seit 2017 ein Dauerärgernis ist, verschiebt sich wieder.

Henrichenburg

, 05.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wann wird die Hebewerksbrücke am Schiffshebewerk Henrichenburg fertig? Seit Jahren saniert das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg-Meiderich die mit einer Spannweite von 44 Metern recht kleine Brücke auf Waltroper Stadtgebiet.

Zuletzt war das WSA im Mai hoffnungsvoll gewesen, dass die Brücke tatsächlich für den Verkehr freigegeben werden könnte. Lediglich eine Übergangskonstruktion musste noch fertiggestellt werden. Fahrbahn sowie Geh- und Radwege würden erneuert.

Arbeiten laufen nicht gerade mit Hochdruck

Tatsächlich wurden diese Arbeiten wohl auch durchgeführt. Allerdings verzögerten sich die Abschlussarbeiten an Leitungen „auf Grund von Lieferengpässen bei benötigtem Baumaterial“, so hieß es Mitte Mai.

Zudem teilte das WSA mit, dass die Corona-Pandemie die Prozesse der Fertigstellung erschwere und verlangsame.

„Auf Grund von Mängeln sind Arbeiten an den Lagern, die bisher nicht in den Bauzeitenplan eingeplant waren, notwendig und wurden entsprechend vorgesehen“, hieß es vom Amt.

Seitdem sind ein paar Wochen ins Land gegangen. Und wieder ist Stillstand eingetreten. Leser Rainer Guß, der an der Lohbrinkstraße wohnt, beobachtete am Dienstag bei bestem Bauwetter, dass sich an der Baustelle rein gar nichts tut. „Für mich als Laien sieht es aus, als habe das Bauunternehmen fluchtartig Ort und Stelle verlassen.“

Die nach wie vor gesperrte Hebewerksbrücke am Donnerstag (4.6.). Es wird gearbeitet, von Hochdruck kann aber keine Rede sein.

Die nach wie vor gesperrte Hebewerksbrücke am Donnerstag (4.6.). Es wird gearbeitet, von Hochdruck kann aber keine Rede sein. © Thomas Schroeter

Am Donnerstag (4. Juni) kann man auf der Baustelle Arbeiten beobachten, nach Hochdruck sieht die Arbeit aber nicht aus und an vielen Stellen sieht man noch reichlich Arbeit, die zu tun ist.

Fertigstellung jetzt in der 27. Kalenderwoche

Und tatsächlich: Das WSA geht mittlerweile davon aus, die Hebewerksbrücke erst in der Woche zwischen 29. Juni und 5. Juli für den Verkehr freigeben zu können.

Um einen genaueren Termin nennen zu können, wolle man den Arbeitsfortschritt in dieser Woche abwarten, teilt Elena Schäfer, beim WSA Arbeitsgruppen-Leiterin Brückenbau, auf Nachfrage mit.

Man habe die Arbeiten zur Abdichtung des Überbaus nach hinten verschieben müssen, „weil diese feuchtigkeitsempfindlich sind und die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit die Arbeitsausführung nicht zuließen“, teilt Elena Schäfer mit, warum es mit der Eröffnung Mitte Juni nichts werden kann.

Anschließend stünden Asphaltarbeiten auf sowie vor und hinter der Brücke an. Die Geländer müssten darüber hinaus vervollständigt und die Schutzeinrichtungen montiert werden.

Das WSA hatte im Januar 2017 den Auftrag für den Ersatz des baufälligen Spannbeton-Überbaus der Hebewerksbrücke an die Arbeitsgemeinschaft Wilhelm Scheidt Bauunternehmung und Stahlbau Magdeburg vergeben. Ursprünglich sollte die Sanierung eine Routinesache werden, ein Ende der Arbeiten war schon für Oktober 2017 angepeilt.

An vielen Stellen sieht die Brücke noch sehr unfertig aus.

An vielen Stellen sieht die Brücke noch sehr unfertig aus. © Thomas Schroeter

„Will man ins Guinness-Buch der Baurekorde?“

Doch dann begann eine nicht enden wollende Serie von Pleiten, Pech und Pannen. Nicht nur Rainer Guß versteht deshalb die Brückenwelt längst nicht mehr. Er bringt es auf den Punkt: „Als simpel gestrickter Mensch und als Steuerzahler frage ich mich natürlich, wer die letztliche Verantwortung dafür trägt, dass solch eine Standardbrücke inzwischen viele Jahre Bauzeit benötigt. Oder will man mit dem Bauwerk ins Guinness-Buch der Baurekorde, also den Flughafen BER noch toppen?“

Die Mehrkosten, die der Brückenbau verschlungen hat, gehen laut WSA auf Kosten der bauausführenden Firmen und nicht des Steuerzahlers, so hatte es Martin Ebbert vom WSA bereits 2018 erläutert. Ob auch das WSA allerdings einen Teil der beträchtlichen Verzögerungen zu verantworten und damit zu bezahlen hat, müsse am Ende aber womöglich ein Gericht entscheiden, so Ebbert. Dann wäre doch der Steuerzahler gefragt.

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