Hausbesitzer müssen Probebohrungen zulassen: Gift-Verdacht unter Wohnsiedlung

dzAlte Munitionsfabrik

Eine uralte Sprengstofffabrik und mögliche Rückstände davon im Untergrund machen einigen Castrop-Rauxelern Sorgen. Es muss gebohrt werden. Hat das nachträglich eine Wertminderung zur Folge?

Schwerin

, 21.01.2020, 20:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gehen wir mal 130 Jahre zurück“: So leitete EUV-Vorstand Michael Werner bei einer Bürgerversammlung auf Schwerin einen Tagesordnungspunkt ein, der einigen Castrop-Rauxelern ganz große Sorgen macht. Es geht um ihr Hab und Gut, ihr Wohngrundstück.

Zu dem Zeitpunkt jedenfalls gab es auf Schwerin eine „Castroper Sicherheitssprengstofffabrik der Aktiengesellschaft zu Dortmund“. Gearbeitet wurde dort laut Werner an Vorstoffen zum sogenannten Becher-Sprengstoff, der im Bergbau eingesetzt wurde.

Das Thema war eines der drei gesetzten Themen bei der Bürgerversammlung der CDU Rieperberg am 15. Januar im Vereinsheim der SpVg Schwerin. Es geht konkret um ein Bodengutachten für die Anwohner der Straße Zur Cottenburg.

Jetzt lesen
Jetzt lesen

Erstmals aufgeploppt war dieses Thema im Jahr 2018 im Ausschuss für Landschaftsplanung, Umweltfragen und Bauangelegenheiten des Kreises Recklinghausen. In der darauffolgenden Sitzung des Umweltausschusses in Castrop-Rauxel informierte der EUV über die vom Kreis für erforderlich gehaltene Gefährdungsabschätzung. CDU-Mann Josef Berkel, der beiden Gremien angehört, hatte sich damals nach dem Hintergründen erkundigt.

Es geht um eine Gefährdungsabschätzung

Konkret geht es darum, zu gucken, was möglicherweise im Boden noch zu finden ist. Also eine Abschätzung, ob das schädlich sein könnte für den Menschen oder das Grundwasser. Dafür soll es in den Gärten Probebohrungen geben. Nach einem bestimmten Raster, wie Werner erläuterte.

Es geht zum Beispiel um Nitroaromaten und Chromsalze. Für die Anwohner wahrlich kein Thema, das im Verdacht steht, für einen gewissen Unterhaltungswert zu sorgen. Architekt Klaus Jarzina sagte bei der Bürgerversammlung: „Wir reden hier schließlich darüber, dass ein solcher Verdacht den Verkehrswert unseres Eigentums mindert.“

Jetzt lesen

Was passiert im schlechtesten aller Fälle? „Es gibt Behörden, die würden am liebsten bis China auskoffern“, sagte Michael Werner dazu nur. Die Frage sei dann, wer zuständig wäre für möglicherweise erforderliche Maßnahmen. Der sogenannte Handlungsstörer, das wäre die alte Fabrik, oder der Eigentümer. Man muss nicht spekulieren an dieser Stelle, aber es dürfte wohl die Eigentümer treffen.

Untersuchungen kosten 100.000 Euro

Für die Untersuchungen sind Kosten in Höhe von 100.000 Euro veranschlagt. 80 Prozent davon steuert das Land bei. Die Förderzusage sei Anfang Dezember 2019 eingegangen, so hatte es der Kreis gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

Für die Betroffenen ist wichtig, wie man sie bei diesem Thema abholt. In der Vergangenheit ist nicht gut gelaufen.

Auf jeden Fall will der Kreis vor Ort mit den Bürgern reden und sie umfassend informieren, sagte Kreissprecher Jochem Manz jetzt im Gepräch mit unserer Redaktion. Im ersten Halbjahr dieses Jahres solle ein Gutachter beauftragt werden, der ein Konzept entwickelt. „Das stellen wir dann vor, wenn es soweit ist.“

Lesen Sie jetzt