Dr. Holger Knapp impfte die Beschäftigten in der Marktschule. Nach Ostern kann er jetzt auch in seiner Hausarztpraxis die Impfspritze setzen. © Tobias Weckenbrock
Coronavirus

Hausärzte in Castrop-Rauxel impfen nach Ostern in den Praxen gegen Corona

Nach Ostern dürfen auch die Hausärzte in Castrop-Rauxel impfen. Dr. Holger Knapp ist einer von ihnen. Die ersten Patienten haben bereits Termine. Noch ist nicht ganz klar, wie viele es sein werden.

Die Hausärzte in Deutschland sollen ab Ostern einsteigen in das Impfen. In Castrop-Rauxel werden viele Hausärzte dabei sein. Ihre Patienten warten nur darauf, von „ihrem“ Hausarzt geimpft zu werden. Auch Dr. Holger Knapp und seine Kollegen in der Hausarztpraxis am Marktplatz in Ickern sind bereit. Am Mittwoch, 7. April, sollen dort die ersten Impfungen laufen.

„Es könnte der Bevölkerung Hoffnung machen, dass die Hausärzte das Impfgeschehen in Deutschland deutlich vorantreiben“, sagt Holger Knapp. Im Kreis Recklinghausen sind bislang (Stand 28.3.) 10,1 Prozent der Menschen geimpft worden. Das Ziel: 70 Prozent. Viel zu wenig also, um die Pandemie wirksam zu bekämpfen.

Am Anfang wird sich das auch noch nicht groß ändern. 20 Dosen sind pro Woche und Hausarztpraxis angekündigt. Darauf hat sich Holger Knapp eingerichtet. Das Ganze wird schnell gehen: In Siebener-Gruppen werden Menschen von zwei Ärzten geimpft, das dauert eine Viertelstunde. Dann kommen die nächsten dran. Die Geimpften werden zur Beobachtung eine halbe Stunde in den verschiedenen Räumen bleiben. Bei gutem Wetter, so Knapp, biete sich dafür auch die Dachterrasse an.

300 Impfungen in der Woche in einer Praxis sind denkbar – aber nicht jetzt

28 Menschen könnten also in der Stunde geimpft werden. Das Ganze geschieht bewusst am Mittwoch außerhalb der Sprechstunde. Holger Knapp wäre aber auch bereit, die Praxis am Marktpatz Ickern 6 dafür an weiteren Tagen, am Freitagnachmittag oder Samstag für Impfungen gegen Sars-CoV-2 zu öffnen. Das sagt er, um zu verdeutlichen, wie viele Impfungen möglich wären. 300 Menschen in einer Woche allein in seiner Praxis – so könnte Tempo in dieses wichtige Thema kommen.

Erst einmal aber fehlt der Impfstoff. 20 Dosen sollen es zu Beginn sein. Sie werden in Castrop-Rauxel normalerweise am Montag, wegen Ostern am Dienstag, in die Apotheken und von dort an die Hausärzte geliefert, so erläutert Knapp das Prozedere. Es handele sich in den ersten beiden Wochen um Biontech. 120 Stunden kann es im Kühlschrank lagern. Mit anderen Worten: Wenn der Impfstoff montags in die Praxis kommt, bleibt er mindestens bis Freitag frisch.

Holger Knapp möchte aber bereits mittwochs alles verimpfen. Alle Betroffenen seien informiert, hätten bereits die Aufklärungsbögen erhalten, die sie dann unterschrieben mitbringen müssen. Pünktlich sollen sie kommen, also auch nicht zu früh, sagt Holger Knapp, damit es reibungslos und kontaktarm verläuft. Bereits seit Wochen werden Patienten aus den priorisierten Kreisen angesprochen. „Wir haben schon Listen gefüllt“, sagt Knapp.

So kann es schnell gehen, auch Impfwillige zu erreichen, wenn es plötzlich mehr Impfstoff gibt als erwartet. In der Woche nach Ostern wäre das denkbar, weil einige Hausärzte Urlaub machen und sich das Kontingent deshalb eventuell auf weniger Hausärzte verteilt. Auch darauf ist man in der Praxis vorbereitet.

Innerhalb der Priorisierungsgruppe kann Arzt individuell entscheiden

Die Menschen, die jetzt in der Ickerner Hausarztpraxis geimpft werden, gehören überwiegend zu der Priorisierungsgruppe II an. Also zu den Menschen ab 70 Jahren, die ab 6. April auch Termine zur Impfung in den Impfzentren machen können. Hier allerdings startet das Land mit dem Jahrgang 1941 und damit dem ersten Jahrgang der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen. Sie erhalten in dieser Woche einen Brief von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sowie ein Begleitschreiben der jeweiligen Kommune.

„Wir können innerhalb der Priorisierungsgruppe variieren“, nennt Holger Knapp einen Unterschied. So könne er beispielsweise einen 71-Jährigen mit einer schweren Vorerkrankung auch schon jetzt impfen. „Wir wissen, für welche unserer Patienten sich die Impfung am meisten lohnt“, sagt er. Aber auch einige Über-80-Jährige haben auf die Möglichkeit gewartet, zu ihrem Hausarzt zu gehen.

Dafür werden sie alle in die Praxis kommen. Der Besuch bei bettlägerigen Patienten zu Hause ist erst einmal nicht geplant. Zum einen sei es viel zeitaufwendiger. Und zum anderen hat Holger Knapp Bedenken wegen des Biontech-Impfstoffs, auch wenn man inzwischen wisse, dass er nicht ganz so erschütterungsempfindlich sei wie anfangs vermeldet.

KVWL rät: Von telefonischen Nachfragen in Praxen absehen

„Da warte ich lieber auf Astrazeneca“, sagt Holger Knapp. Generell sieht er diesen Personenkreis als nicht sehr groß an. „Die meisten schaffen den Weg in unsere Praxis, auch wenn sie nicht die 700 Meter durch das Impfzentrum schaffen.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe hatte in einer Pressemitteilung geschrieben, dass sich die niedergelassenen Ärzte „in einem ersten Schritt vor allem auf ihre bettlägerigen Patienten in der eigenen Häuslichkeit konzentrieren“. Darüber hinaus sollten vorrangig Personen mit bestimmten Vorerkrankungen gemäß § 3 der Impfverordnung in den Praxen geimpft werden.

Dabei weist die KVWL auf eines hin: „Wichtig: Die Ärzte kommen selbst auf Patienten zu, die für eine Impfung in Frage kommen! Die Impfstoffmenge ist zu Beginn noch sehr begrenzt. Bitte sehen Sie deshalb von telefonischen Nachfragen in den Praxen ab, um die Praxisteams nicht unnötig zu belasten!“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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