Thamer Alothman arbeitet für Ulrich und Norbert (r.) Breilmann. © Ronny von Wangenheim
Elektro Breilmann

Happy End für Flüchtling aus Syrien bei Castrop-Rauxeler Unternehmen

Thamer Alothman lebt seit 2015 in Castrop-Rauxel. Er kam als Flüchtling aus Syrien. Die Corona-Krise machte es noch schwerer für ihn. Jetzt gibt es dank eines Unternehmers ein Happy End.

Thamer Alothman ist Ende 2015 als Flüchtling nach Castrop-Rauxel gekommen. Im Dezember 2020 erzählte er unserer Redaktion von der Flucht, von der Einsamkeit und davon, was es bedeutet, die Familie zu vermissen. Die Corona-Pandemie hatte ihm da gerade seine wirtschaftliche Lebensgrundlage entzogen. Der Bericht hat jetzt für ein Happy End gesorgt.

Freundlich lächelnd steht Thamer Alothman im Betriebshof an der Borghagener Straße in Habinghorst. Gelb leuchtet das große B auf seinem grünen T-Shirt. Das B steht für das Elektro-Unternehmen Breilmann. Hier hat der Syrer seit 1. Mai eine Festanstellung.

Prof. Dr. Ulrich Breilmann steht neben ihm und erzählt: „Ich habe den Bericht gelesen und gedacht, ich würde ihn gerne kennenlernen.“ Dass Alothman in Syrien Elektriker war, wie unsere Redaktion geschrieben hatte, stellte sich beim Gespräch als nicht ganz richtig heraus. Er hatte dort für ein Energieunternehmen Zähler abgelesen. Einen Job hat er trotzdem bei Elektro Breilmann bekommen.

Syrischer Auszubildender bei Elektro Breilmann setzt Maßstäbe

Ulrich Breilmann und sein Cousin Norbert Breilmann, beide Gesellschafter des mehr als 100 Jahre alten Familienbetriebs, haben gute Erfahrungen mit Flüchtlingen. Ein junger Mann, der aus Aleppo geflüchtet war und gerade im zweiten Jahr seiner Ausbildung ist, „ist der beste Auszubildende, den wir je hatten“, so Ulrich Breilmann. Jetzt können sie auf ihn zählen, wenn es Verständigungsschwierigkeiten mit dem Neuzugang gibt.

Denn Thamer Alothman lebt mit seiner Familie, die er 2017 nachholen konnte, zurückgezogen. Sein Deutsch ist gebrochen. Viele Kontakte mit Deutschen hat er nicht. Das hat er uns auch bereits im Dezember erzählt. Da half noch die 17-jährige Tochter Rahaf beim Übersetzen. Auch das wird sich jetzt ändern. Denn die Mitarbeiter bei Breilmann haben ihn gut aufgenommen. „Alle Kollegen helfen mir“, erzählt er. Deutsch zu lernen wird so einfacher fallen.

Ulrich Breilmann ist nach den ersten Wochen sehr zufrieden mit seinem neuen Elektrohelfer. „Er ist ein toller Mann“, sagt er. „Er ist wissbegierig, seine Kollegen sind zufrieden. Er muss immer dabei sein, wenn ein Auftrag erledigt wird.“

„Höchster Respekt vor Leuten, die sich durchbeißen“

Eingestellt ist Thamer Alothman als Elektrohelfer. „Wir werden schauen, wie wir ihm bei der Weiterentwicklung helfen können“, so der Unternehmer. „Wenn es so weitergeht, kann er hier bis zur Rente bleiben.“ Und vielleicht werde er ja irgendwann auch noch eine Fachkraft.

„Ich habe höchsten Respekt vor Leuten wie ihm, die sich durchbeißen.“ Auch das sagt Ulrich Breilmann. Er kennt jetzt die Geschichte des 47-Jährigen aus erster Hand. Im November 2015 kam der Syrer nach Deutschland. In seiner Heimat war er zwischen die Fronten geraten. Die Regierung auf der einen Seite, eine Rebellengruppe auf der anderen Seite wollten, dass er für sie zur Waffe greift. Er floh.

Der Anfang in Castrop-Rauxel war hart. Zuerst lebte er mit anderen Geflüchteten in einer Turnhalle. Vor allem aber vermisste er seine Familie, seine Frau und die fünf Kinder. Eineinhalb Jahre dauerte es, bis er sie nachholen konnte. „Ich habe viel geweint in der Zeit, in der sie nicht da waren, und ich habe viel geweint, als ich sie wiedergesehen habe“, sagte Thamer Alothman bei dem Gespräch mit unserer Redaktion im Dezember.

In der Coronakrise verlor Thamer Alothman seine Arbeit

Damals war er auf der Suche nach Arbeit. Er hatte bis dahin in Teilzeit auf einer Baustelle gearbeitet, danach in Vollzeit in einem Logistikzentrum einer großen Supermarkt-Kette. Doch in der Corona-Krise wurde sein Vertrag nicht verlängert. Neue Arbeit zu finden, war in der Pandemie schwer.

Heute sieht die Lage anders aus. Er kann auf den festen Verdienst bei der Firma Brinkmann setzen. Gerade hat er den ersten Lohn bekommen. Samstags hat er außerdem noch einen Minijob. Auch in der Heimat habe er zwei Jobs gehabt, erzählt Thamer Alothman. Und seine Frau habe ebenfalls Aussicht auf eine Arbeit. Es ist der Beginn einer Perspektive.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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