Der Vorstand der Sparkasse, (v.l.) Dr. Peter Lucke, Dr. Michael Schulte und Christian Zumschilde, ist zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr. © Sparkasse Vest
Bilanz vorgestellt

Halbe Milliarde Spareinlagen: Strafzinsen auch bei Sparkasse Vest ein Thema

Die Kunden sparen so viel wie noch nie. Das setzt das größte Geldinstitut im Vest unter Druck. Klarheit soll es bei der Sparkasse im Frühjahr geben, kündigt der Vorstand an.

Rund 500 Millionen Euro haben die Kunden der Sparkasse Vest Recklinghausen im vergangenen Jahr gespart. Ein Rekord, der wohl nicht ohne Konsequenzen bleibt. Denn auch die Sparkasse denkt mittlerweile über „Verwahrentgelte“, im Volksmund Strafzinsen genannt, für Privatkunden nach. Für Firmenkunden gibt es die bereits seit 2017. Die Volksbank hatte sie erst jüngst angekündigt.

Der Vorstand der Sparkasse werde sich im Frühjahr mit dem Thema befassen, kündigte Vorstandschef Dr. Michael Schulte im Gespräch mit unserer Redaktion an. Es werde einen Freibetrag geben, doch wo die Grenze liegt, sei offen. In der Finanzbranche sind häufig 100.000 Euro die Marke, ab der Kunden für ihre Spareinlagen Verwahrentgelte bezahlen müssen.

Die Menschen legen ihr Geld auf die hohe Kante, weil sie sich in der Corona-Pandemie Sorgen um ihre Zukunft machen oder wegen des Lockdowns weniger Möglichkeiten haben, ihr Erspartes auszugeben. Für die Sparkasse Vest wird das zum Problem, weil sie im vergangenen Jahr die hohen Einlagenzuwächse nur etwa zur Hälfte in das Kreditgeschäft investieren konnte.

Dreistellige Millionensummen mussten zu Negativzinsen (minus 0,5 Prozent) bei der Deutschen Bank geparkt werden. „Immerhin zeigt das hohe Einlagenwachstum, dass die Menschen uns vertrauen“, so Schulte.

100 Millionen Euro in Wertpapiere investiert

Dass mehr als 100 Millionen Euro in Wertpapiere investiert wurden, verschafft Kunden in der zinslosen Zeit nicht nur Rendite-Chancen, sondern der Sparkasse auch Entlastung. Denn für die Vermittlung von Aktien und Investmentfonds erhält das Geldinstitut Provisionen.

Insgesamt zeigte sich der Vorstand der Sparkasse „zufrieden“ mit dem Geschäftsjahr 2020. Mit dem Einlagengeschäft als Wachstumstreiber stieg die Bilanzsumme um mehr als eine halbe Milliarde Euro auf fast 7 Milliarden Euro. Ein Wachstum von fünf Prozent (plus 232 Millionen Euro) gab es auch im Kreditgeschäft.

Überproportional beteiligt sind daran Firmenkunden, die offensichtlich trotz Corona in ihre Geschäftsmodelle investieren. Bis jetzt registriert die Sparkasse auch noch keine coronabedingten Kreditausfälle. Aber irgendwann seien sie zu erwarten, erklärte Schulte.

12,1 Prozent mehr Baufinanzierungs-Volumen

Die Nachfrage nach privaten Baufinanzierungen legte im vergangenen Jahr ebenfalls zu – um 12,1 Prozent. „Eine eigene Immobilie gilt als Hort der Sicherheit und der Stabilität“, sagte Schulte. Mehr als 230 Gebrauchtimmobilien konnte das Immobiliencenter der Sparkasse selbst vermitteln.

Unterm Strich erzielte die Sparkasse Vest, die zum 1. Januar 2021 die Kontopreise für 167.000 Kunden erhöht hat, einen Bilanzgewinn von 3 Millionen Euro; 300.000 Euro weniger als im Vorjahr. Der von Jahr zu Jahr abschmelzende Zinsüberschuss, die wichtigste Einnahmequelle eines Geldinstituts, macht sich auch in dieser Zahl bemerkbar. „Vor zehn Jahren lag der Bilanzgewinn noch bei 8 Millionen Euro“, erklärte Schulte.

Marktanteil von 57 Prozent

  • Die Sparkasse Vest (1190 Mitarbeiter) ist das größte Geldinstitut im Kreis RE und unterhält 65 Geschäftsstellen in Recklinghausen, Marl, Herten, Datteln, Waltrop, Oer-Erkenschwick, Castrop-Rauxel und Dorsten.
  • 5,254 Milliarden Euro liegen auf den Kundenkonten der Sparkasse (+ 10,7 Prozent gegenüber 2019). Der Bestand an ausgegebenen Darlehn wuchs um 4,6 Prozent auf 4,793 Milliarden Euro.
  • Die Sparkasse Vest verwaltet knapp 236.000 private Girokonten. Ihr Marktanteil im Privatkundengeschäft liegt nach eigenen Erhebungen bei 57 Prozent.
  • Die Sparkasse hat im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Euro an Spenden ausgeschüttet.
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