Castrop-Rauxeler (47) erbeutet Millionenbetrag mit Pfandbetrug

dzLandgericht Bochum

Kleinschredder-Machanismus deaktiviert: Mit manipulierten Pfandflaschenautomaten soll ein Mann aus Habinghorst vor Jahren einen Millionenschaden angerichtet haben. Nun steht er vor Gericht.

Castrop-Rauxel/Bochum

, 21.04.2020, 20:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor dem Bochumer Landgericht hat am Montag ein weiterer Prozess um eine mutmaßlich millionenschwere Trickbetrugs-Serie mit Hilfe von manipulierten Pfandautomaten in einem Bochumer Getränkemarkt begonnen. Auf der Anklagebank sitzt ein 47-Jähriger aus Habinghorst.

Erneut geht es um stillgelegte Schredder-Walzen und fünf Millionen Scan-Vorgänge mit immer denselben Pfandflaschen. Laut Anklage soll der Getränkeindustrie ein Schaden von rund 1,2 Millionen Euro entstanden sein.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Castrop-Rauxeler von Juli 2013 bis Februar 2014 in seiner Eigenschaft als Leiter eines Bochumer Getränkemarkts einen Millionenschaden angerichtet haben. Der 47-Jährige soll gemeinsam mit anderen mutmaßlichen Tätern zwei Rücknahmeautomaten gezielt so manipuliert haben, dass die eingelegten Pfandbehälter nach dem Abscannen nicht kleingeschreddert, sondern stattdessen völlig unbeschädigt entnommen und dann immer wieder aufs Neue in den Automaten eingelegt werden können.

Getränkeindustrie zahlte 1,2 Millionen Euro aus

Insgesamt geht Staatsanwältin Christine Ziplies davon aus, dass der Angeklagte und seine Geschäftspartner und Helfer auf diese Weise zum Schein von mindestens fünf Millionen Flaschen oder Dosen den Barcode abscannen lassen hat. Und sich anschließend mit den dazugehörigen, betrügerisch erstellten Datensätzen insgesamt mehr als 1,2 Millionen Euro hat auszahlen lassen. Geschädigt sind laut Anklage zahlreiche Getränkehersteller – unter anderem Adelholzener, Coca-Cola und Veltins.

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Während drei Mitangeklagte (45 Jahre, 46, 51) am Montag die von der 2. Wirtschaftsstrafkammer am Bochumer Landgericht vorgeschlagenen, vorläufigen Verfahrenseinstellungen gegen die Zahlung von Geldbußen (500, 750 und 1000 Euro) akzeptierten, lehnte der 47-jährige Angeklagte diesen Weg ab.

2018 war bereits ein anderer Castrop-Rauxeler angeklagt

Das Bochumer Landgericht hatte bereits im April 2018 in diesem Komplex einen Prozess gegen einen damals 27 Jahre alten Mann aus Castrop-Rauxel geführt. Das Strafverfahren war damals bereits nach wenigen Tagen gegen 3000 Euro Geldauflage eingestellt worden. Im Prozess hatte es gleich mehrere Hinweise auf einen mutmaßlichen Hintermann gegeben, der aber offenbar in der Türkei abgetaucht ist. Er sei für die Justiz zurzeit nicht greifbar, hatte es damals geheißen.

Der Pfandflaschenbetrug in Bochum war offenbar Teil einer groß angelegten Betrugsmaschinerie. In diesem Zusammenhang gab es zuletzt bereits an anderen Landgerichten weitere Strafverfahren.

Für den Prozess gegen den 47-jährigen Mann aus Habinghorst sind noch Termine bis zum 25. Mai anberaumt.

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