Christoph Gundermann liest in der Kirche zu den Heiligen Schutzengeln seine erste Heilige Messe. © Volker Engel
Pastoralverbund Süd

Gundermann im Gottesdienst-Einsatz: So wirkt der neue Pfarrer zum Start

Der Verbund der katholischen Gemeinden im Süden Castrop-Rauxels hat ein neues Gesicht: Pfarrer Gundermann ist gestartet. Aber wie ist er? Erste Aufschlüsse gibt es in seinem Gottesdienst-Debüt.

Sonntagmorgen, Frohlinde: 100 Gläubige sind in der Kirche zu den Heiligen Schutzengeln versammelt. Nebenan vor dem Pfarrheim sind Stehtische aufgebaut. 11 Grad, graues Herbstwetter. Hier ist kein normaler Sonntag. Vor allem nicht für Christoph Gundermann.

Er ist Priester, wohnt jetzt einen Steinwurf entfernt von der Schutzengelkirche in der Einfamilienhaus-Siedlung an der Hubertusstraße. Der gebürtige Lüner, 1965 auf die Welt gekommen, geht in ein neues Kapitel seines Lebens. 18 Jahre verbrachte er im Sauerland, leitete den Pastoralen Raum Lennestadt. Nun ist er ins Ruhrgebiet zurückgekehrt. Und hier feiert er seine erste heilige Messe in Castrop-Rauxel.

Die Kirchenfassade ist eingerüstet, weil die Fassade saniert wird. Bis sie frisch ist, vergehen noch Monate, aber: „Wir werden ja jetzt ein paar Jahre miteinander verbringen“, sagt Christoph Gundermann zur Gemeinde.

Er meint das allerdings in Bezug auf etwas anderes: „Ich hoffe, Sie erwarten nicht zu viel der persönlichen Worte von mir“, erklärt er zur Begrüßung. „Sie konnten ja schon vieles über mich lesen. Und in den nächsten Jahren werden Sie sicher noch mehr herausfinden.“

Die Kirche ist ordentlich gefüllt. Bis vor kurzem noch war sie leer, denn die Gemeinde hatte ihre Gottesdienste auf den Vorplatz verlegt, um die Corona-Infektionsgefahr zu senken. Inzwischen ist es kalt, und die Verordnungen haben sich geändert.

Regeln im Gottesdienst gelockert

Die Gläubigen melden sich zwar am Eingang an, zeigen Impf-, Genesenen- oder Testnachweis vor und tragen beim Betreten Masken. Aber drinnen gibt es keine abgesperrten Bänke mehr. Auf den Plätzen nehmen die meisten ihre Maske ab. Die Orgel ertönt, begleitet von einer Querflöte – und es wird gesungen. Auch das war in der Pandemie nicht Usus.

Es wirkt befreiend, und auf diese Befreiung geht Gundermann, der von Diakon Josef Wefringhaus und einem Messdiener am Altar unterstützt wird, in seiner Predigt ein. Da spricht er nicht über sich, sondern über das Wort Gottes in Lesung und Evangelium dieses Tages. Es geht darin nicht um Selbstverwirklichung, sondern sich selbst zu verschenken.

Gundermann spricht davon, dass ein Mitbruder ihm mal gesagt habe, es sei immer gut, „einen guten Freund bei Hofe zu haben“ – und sagt, dieser Gedanke sei ihm fremd. Schlagworte wie „America first“ ebenso. „Der Mensch ist gekommen, um zu dienen, nicht um sich dienen zu lassen“, so Gundermann.

Das Abnehmen der Maske, das sei so ein Moment, in dem man heute im Alltag eine Befreiung verspüre. „Wir dürfen diese Befreiung annehmen“, sagt er, und wendet es weiter: Man brauche Vertrauen, Größe und Zuversicht, zu Jesu Thron zu gehen. „Dann schenkt er uns Erlösung“, so Gundermann.

Apfelbaum für den Garten in Frohlinde

Die Gemeinde ruft in einer Fürbitte um Beistand für den neuen Pfarrer. Gott möge ihn „leiten und stärken im Dienst in unseren Gemeinden“, heißt es. Dann tritt Kirchenvorstand Michael Wefringhaus nach vorn, heißt Gundermann willkommen. „Schön, dass Sie da sind als Pfarrer und als Neubürger unseres schönen Dorfes“, sagt er. Und überreicht ihm einen jungen Apfelbaum für seinen neuen Garten. „Ihre Arbeit bei uns möge reiche Früchte tragen“, sagt Wefringhaus. Dazu gibt es ein Glas Holunder-Honig „zur Versüßung des Starts“ und eine Frohlinder Pfarrpost mit den Telefonnummern aller Ansprechpartner.

Gundermann bedankt sich für die „Überraschung“, wie er sagt, und ergänzt: „Schön, dass Sie mich gleich an die Gartenarbeit bringen wollen…“

Dem kleinen Empfang bleibt er fern

Er sei froh, dass er in diesem kleineren Rahmen beginnen könne: „Ohne dieses offizielle, das erst nächste Woche ansteht, damit wir in Ruhe in die gemeinsame Zeit starten können“, sagt er. Und bittet dann um Entschuldigung: Dem kleinen Empfang, den der Gemeindeausschuss vorbereitet hat, müsse er leider fernbleiben. „Ich habe gleich im Anschluss die Messe in St. Lambertus. Da ich noch nicht weiß, wo der Tabernakel steht und wie ich ihn aufschließe, muss ich direkt los…“

Gundermann ist gelandet. Geerdet, so wirkt es an seinem ersten Tag im Gottesdienst, scheint er schon lange zu sein.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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