Mobilitäts- und Energiewende

Grüne springen auf FDP-Zug pro Wasserstoff in Castrop-Rauxel auf

Den ersten Aufschlag machte vor zweieinhalb Jahren die FDP. Sie setzte sich dafür ein, dass Castrop-Rauxel ins H2-Netzwerk einsteigt. Nun sind auch die Grünen intensiv in das Thema eingestiegen.
Die Grünen besichtigten eine Wasserstoff-Tankstelle in der Nachbarstadt Herten. Hier ist das Zentrum des H2-Netzwerks Ruhr, in dem Castrop-Rauxeler einer von über 40 Partnern ist. © Bündnis 90 / Die Grünen

Welchen Beitrag kann Wasserstoff zur Energiewende beitragen? Das fragen sich offenbar gerade die Castrop-Rauxeler Grünen ganz intensiv. Dazu machte die Ratsfraktion nun einen kleinen Ausflug in die Nachbarstadt: Im h2herten Wasserstoff-Kompetenz-Zentrum informierten sich einige Grüne aus Castrop-Rauxel nun über den derzeitigen Stand der Technik und die Anwendungsmöglichkeiten von Wasserstoff, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Schon im April 2019 ergriff die FDP die Initiative in Castrop-Rauxel. Nils Bettinger als Vorsitzender holte damals Expertise in seinen Ausschuss für Wirtschaftsentwicklung, um ein Referat über Brennstoffzellen und Wasserstoff als Ersatz für Diesel und Benzin, aber auch batteriebetriebene Elektroautos im Straßenverkehr zu halten.

„Es gibt hier eine Wasserstoff-Pipeline“

Damals erklärte Frank Koch, einer der größten Experten in diesem Bereich in der Region, dass die Ausgangslage für Castrop-Rauxel ziemlich gut sei: „Es gibt eine Wasserstoff-Pipeline hier bis nach Leverkusen, seit 1938 schon, ohne, dass es in den letzten Jahrzehnten jemand gemerkt hat“, sagte Koch (Energieagentur NRW) später im Interview mit unserer Redaktion.

Und weiter: „Sie verläuft durch Vorgärten, Straßen, unter Bürgersteigen. Es gibt auch einen Einspeisepunkt in Castrop-Rauxel. Der VRR hat schon untersucht, wo Busdepots mit Wasserstofftankstelle sein könnten – Castrop-Rauxel war darunter.“ Genauer: Am Engelsburgplatz verkehrten vier verschiedene Verkehrsunternehmen in einem Busdepot. „Das wäre ein super Stützpunkt, an dem man sich eine Tankstelle teilen könnte“, so Koch.

Dieter Kwapis von der Gesellschaft für Technologieentwicklung und Vermögensverwaltung der Stadt Herten erklärte den Grünen die Technik (v.l.): Notburga Henke, Ulla Mintrop-Werkle, Holger Schnelle und Ulrich Werkle.
Dieter Kwapis von der Gesellschaft für Technologieentwicklung und Vermögensverwaltung der Stadt Herten erklärte den Grünen die Technik (v.l.): Notburga Henke, Ulla Mintrop-Werkle, Holger Schnelle und Ulrich Werkle. © Bündnis 90 / Die Grünen © Bündnis 90 / Die Grünen

Und heute? Die Politik folgte der Initiative der Liberalen mit einem einstimmigen Beschluss Ende 2019: Der EUV trat für Castrop-Rauxel dem H2-Netzwerk Ruhr bei. Das kostet zwar 1500 Euro im Jahr, aber so ist man zumindest Teil einer Bewegung. Die Grünen formulierten damals schon ihre Skepsis, dass entscheidend sei, dass es sich um grünen Wasserstoff handle, den man einsetzt – also mit regenerativer Energie aufbereitetem Treibstoff.

Und heute? Dieter Kwapis von der Gesellschaft für Technologieentwicklung und Vermögensverwaltung der Stadt Herten berichtete der Fraktion der Grünen nun von den am Zentrum ansässigen Forschungsprojekten und den für die nächsten Jahre prognostizierten Entwicklungen. Er betonte die gute Infrastruktur in der Region sowie das Potenzial der Wasserstoffbranche zur Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Neben einer Führung über das Gelände an der Zeche Ewald (direkt an der Halde Hoheward gelegen) mitsamt Wasserstofftankstelle sei der Höhepunkt des Besuchs eine kurze Testfahrt mit einem Wasserstoffauto gewesen, teilen die Grünen nun mit.

Fazit der Fraktion: „Wir begrüßen die Entwicklungen. Es ist klar, dass mehrere Wege der nachhaltigen Energiegewinnung parallel verfolgt und ausgebaut werden müssen, um in Zukunft eine CO2-neutrale Energieversorgung sicherzustellen“, bilanzierte Fraktionsvorsitzender Bert Wagener. Insbesondere beim Schwerlastverkehr und im ÖPNV könnte Wasserstoff einen bedeutsamen Beitrag leisten. Die kreiseigenen Verkehrsbetriebe und die städtischen Müllautos seien laut Wagener für die Umrüstung auf Wasserstoff gut geeignet.

Ulrich Werkle unterstrich jedoch die Haltung, die schon 2019 zentral war: „Dafür muss gewährleistet sein, dass die für die Herstellung von grünem Wasserstoff benötigte Energie aus erneuerbaren Quellen ausreichend vorhanden ist.“

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