Grippeschutzimpfung: „Ansturm wird größer wegen Corona“

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Der Impfstoff ist noch nicht ausgeliefert, aber die Nachfrage nach einer Grippeimpfung in Castrop-Rauxel ist bereits hoch. Ärzte erwarten, wegen Corona mehr zu impfen als üblich. Wenn das geht.

Castrop-Rauxel

, 05.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grippeschutzimpfung – in der Ickerner Praxis von Michael Greef ist sie derzeit ein „großes Thema“, sagt der Allgemeinmediziner. Es rufe andauernd jemand an, um zu fragen, ob man sich schon impfen lassen könne. Genau in Zahlen fassen kann Greef es nicht, aber „es sind fühlbar mehr Anfragen“ als üblich. Der Arzt geht davon aus, dass es „zu mehr Impfungen kommen wird als sonst“.

Auch Kollege Frank Westerhaus, in dessen Praxis sowohl Kinder als auch Erwachsene behandelt werden, bestätigt, dass gerade Erwachsene schon Impftermine machen wollen, obwohl der Impfstoff noch nicht verfügbar ist.

Ärzte: Grippewelle möglichst klein halten

Das Impf-Interesse scheint groß im Corona-Jahr, größer als sonst. Kein Wunder: Immer wieder raten Ärzte zum schützenden Pieks gegen Influenza, damit die Grippewelle möglichst klein ausfällt und Kapazitäten für Corona frei bleiben. Speziell Kinderärzte riefen Eltern jetzt dazu auf, ihre Kinder impfen zu lassen. Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte: „Gleichzeitig eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften.“

Ab Mitte September kann es losgehen mit dem Schutz der Menschen und des Gesundheitssystems: Dann werde der Impfstoff ausgeliefert, erklärt Claus Ehrensberger, Sprecher der Castrop-Rauxeler Apotheker im Kreis Recklinghausen. Jede Arztpraxis bekommt für die Grippesaison so viele Impfdosen, wie sie Anfang des Jahres bestellt hat.

Und das ist die große Unbekannte in diesem Jahr. Denn Anfang des Jahres, das war vor Ausbruch der Corona-Pandemie. „Ob die Bestellungen jetzt reichen, das ist schwer einzuschätzen“, gibt Ehrensberger zu bedenken. Eine „gewisse Unsicherheit“ sei da.

Greef hat noch mal nachbestellt

Allgemeinmediziner Greef hat auf jeden Fall nachgeordert. Noch mal ein Viertel dessen, was er im Februar schon bestellt hatte – mit der Option, ein weiteres Mal zu erhöhen, sagt Greef. Ob das mit der Nachlieferung klappt, wisse er nicht. Der Gesundheitsminister habe zugesagt, es sei genug Impfstoff da, darauf müsse man sich zunächst verlassen.

Auch Kinderärztin Christiane Schmolke musste schon im Frühjahr ihre Impfdosen ordern. Für sie eine im Nachhinein betrachtet doppelt schwierige Entscheidung: Da sie die Praxis in der Bahnhofstraße erst im Februar übernommen hat, konnte sie nur auf die Impf-Erfahrungen zurückgreifen, die ihr Vorgänger in dieser Praxis gemacht hatte. Und dann kam noch Corona. „Ich rechne damit, dass der Ansturm noch größer wird wegen Corona“, sagt sie.

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Eltern fragen derzeit schon nach der Impfung, sagt sie. Die Empfehlung, Kinder gegen Grippe zu impfen zu lassen, sei aber nicht neu: „Das machen wir schon seit Jahren, weil Kinder die Hauptüberträger der Grippe sind“, sagt die Kinderärztin.

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