Hetty und Heinz Bendig mit der achtjährigen Urenkelin Lilian © privat
Gnadenhochzeit

Gnadenhochzeit: Hetty und Heinz Bendig blicken auf 70 glückliche Ehe-Jahre

Am 31. Dezember feiern Hetty und Heinz Bendig ihre Gnadenhochzeit. Der Silvestertag wurde in den Nachkriegstagen aus einem bestimmten Grund gewählt. Bei ihrem Ehejubiläum ärgert sie nur eins.

Als Hetty und Heinz Bendig heirateten, war die Bundesrepublik noch jung, das Wirtschaftswunder fern. Das junge Paar zog bei ihren Eltern in ein Zimmer. So war das damals. „Wir waren arm wie die Maus“, sagt Hetty Bendig lächelnd, wenn sie an die Anfänge denkt. Ihrer Liebe hat das nicht geschadet.

Die Liebe zwischen Hetty (89) und Heinz Bendig (92) hatte schon früher begonnen. Unmerklich wahrscheinlich. „Wir wohnten schon als Kinder in einem Haus an der Gerther Straße 77“, erzählt Hetty Bendig. „Er oben, wir unten.“ Man spielte zusammen, wurde zusammen größer. Dann kam „der blöde Krieg“.

Über die Anfänge später mehr. Heute lebt das Ehepaar in der Christinenstraße. Vieles geht nicht mehr ganz so gut wie früher. „Aber wir lassen uns nicht hängen, wir reißen uns zusammen“, sagt die 89-Jährige. Das sei beiden ganz wichtig. Doch dann wird für einen Moment große Traurigkeit spürbar. „Wir wollten ganz groß feiern, und jetzt ist alles dahin“, sagt sie. Wie viele runde Geburtstage, Ehejubiläen haben sie nicht schon groß gefeiert im Café Residenz. Die Corona-Pandemie hat alle Pläne zerstört.

Zur Familie gehören zwei Söhne, zwei Enkel und drei Urenkel

Weihnachten kam ihr Sohn Michael zu Besuch. Zu Silvester wird das Ehepaar mit Enkel Oliver Bendig, dessen Partnerin Anke Aric und Urenkelin Lilian auf die Gnadenhochzeit anstoßen. „So wie es Corona eben erlaubt.“ Noch vor fünf Jahren hatten sie ihr Eheversprechen bei einem Gottesdienst in der Merklinder Marienkirche, in der beide geheiratet haben, erneuert. Damals waren beide Söhne Heinz-Günther, der im Allgäu wohnt, und Michael mit ihren Familien dabei. Zwei Enkel und drei Urenkel gehören dazu. Es war ein schöner Tag.

„Wir sind ein gemischtes Paar“, sagt Hetty Bendig gleich zu Beginn des Gesprächs. Sie ist katholisch, er evangelisch. Das wird vor 70 Jahren nicht ganz einfach gewesen sein. Der Glaube ist ihnen wichtig. Die beiden halten es pragmatisch. Sie gehen jeden Sonntag in die Kirche. Mal ist es eine katholische, mal eine evangelische. In diesen Zeiten geht das nicht: „Wir leiden unter Corona.“

Jahrzehntelang wurde das Ehejubiläum beim Silvesterball gefeiert

Groß gefeiert wird also diesmal nicht. Über Jahrzehnte wählten die beiden den Silvesterball in der Stadthalle, später in der Europahalle, als Ort, um auf sich und ihre Liebe anzustoßen. „Wir waren von Anfang an dabei“, erzählt Hetty Bendig. Vor zehn Jahren eröffneten sie sogar als Ehrengäste zur Melodie von „Sag Dankeschön mit roten Rosen“ den Silvesterball. „Der langsame Walzer ist unser Lieblingstanz“, sagt sie und Heinz Bendig fängt leise an zu singen: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“.

Feierten als Ehrengäste ihre Diamantene Hochzeit in der Stadthalle: Hetty und Heinz Bendig beim Silvesterball  vor zehn Jahren.
Feierten als Ehrengäste ihre Diamantene Hochzeit in der Stadthalle: Hetty und Heinz Bendig beim Silvesterball vor zehn Jahren. © Archiv © Archiv

Dass ausgerechnet der Silvestertag ihr Hochzeitstag wurde, ist in der Zeit vor 70 Jahren begründet. „Mein Papa war schuld“, sagt sie. „Ihr könnt Silvester heiraten, das ist dann ein Feiern, hat er uns gesagt.“ Es musste gespart werden. Also wurde das Schlafzimmer ausgeräumt und Hochzeit gefeiert. Bereits im Sommer drauf kam der erste Sohn zur Welt. „Wir mussten heiraten“, sagt Hetty Bendig ganz offen und lacht.

Der Zweite Weltkrieg war eine erste Zäsur in ihrem Leben. Heinz Bendig wurde, erhielt erst 16-jährig den Einberufungsbescheid zur Wehrmacht. Hetty kam über die Kinderlandverschickung nach Pommern. Zu Hause in Merklinde wurde ihr Haus ausgebombt. Nach dem Krieg waren sie wieder Nachbarskinder. „Da fing der Kontakt gleich wieder an“, erinnert sich Hetty Bendig. „Ich bin immer schon in ihn verliebt gewesen“, erzählt sie und lächelt: „Das war so ein hübscher Junge.“ Und ihm, so ist es seinen Worten zu entnehmen, ist es ganz ähnlich gegangen,

Die Frau blieb zuhause bei der Familie, so war das damals

1950 also wurden sie offiziell ein Ehepaar. Hetty Bendig hatte eine Ausbildung zur Putzmacherin absolviert, hat also Hüte hergestellt. „Eine Frau gehört nach Hause“, auch das hat ihr Vater zu ihr gesagt. Also kümmerte sie sich, nachdem der Sohn kam, um die Familie.

Heinz Bendig wurde Bauschlosser, zuerst in einer Schlosserei, „dann ging er auf Zeche nach Schwerin, wegen der Wohnung.“ Das junge Paar hatte endlich sein eigenes Reich. Heinz Bendig hielt „Tauben, Hühner und Karnickel, wie das eben so war damals“.

Als die Zeche schloss, wechselte Heinz Bendig zum Kraftwerk nach Rauxel. Für vier Jahrzehnte wurde ein Reihenhaus in Rauxel ihr Zuhause. Die Gartenarbeit wurde für Heinz Bendig der Ausgleich zur Arbeit. Hetty Bendig arbeitete, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, tageweise in „Bärbels Bastelei“ als Verkäuferin. Handarbeiten ist ihr Hobby. Vor etwa 15 Jahren zogen sie in ihre schöne Wohnung in der Christinenstraße.

Und haben sie nach 70 Jahren ein Geheimrezept für eine glückliche Ehe? Hetty und Heinz Bendig überlegen kurz. Nein, so richtig fällt ihnen da nichts ein. Und ja, man sei oft verschiedener Meinung, habe sich auch schon mal gestritten. Aber eben auch immer wieder vertragen. Es gibt noch eine kleine Gedankenpause. Dann sagt Hetty Bendig: „Wir hatten eine schöne Ehe.“ Und man hört, wie sehr dieser Satz tief aus ihrem Herzen kommt.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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